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Vorreiterin für das Bild einer modernen Frau: Roswitha Wisniewski ist im Alter von 91 Jahren gestorben

Von Franz Anton Bankuti

Mannheim. Noch im September letzten Jahres freute sich Roswitha Wisniewski, als viele Freunde und Wegbegleiter aus Politik und Wissenschaft sie im Bonner Augustinum besuchten und auf ihren 90. Geburtstag anstießen. In der Nacht auf Sonntag ist sie in der Seniorenresidenz friedlich eingeschlafen.

Trotz ihres hohen Alters war die emeritierte Germanistik-Professorin und langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete des damaligen Wahlkreises Mannheim II - bestehend aus sieben südlichen Stadtteilen sowie neun Städten und Gemeinden an der Bergstraße und am Neckar - noch sehr engagiert und aktiv. Wisniewski arbeitete bis zuletzt wissenschaftlich, hielt bundesweit Vorträge und schrieb Beiträge für verschiedene Fachzeitschriften.

Viele Jahre wohnte sie in Schwetzingen, wo sie lange der CDU-Fraktion im Gemeinderat angehörte. Wisniewski war auch Mitbegründerin der Frauenunion Rhein-Neckar und gehörte dem Vorstand des Dachverbands in Bund und Land an. In der Woche vor ihrem Tod war sie in Heidelberg-Ziegelhausen, wo sie noch einen Wohnsitz hatte, und oft arbeitete. Das Alter war nicht spurlos an Roswitha Wisniewski vorübergegangen. Es fiel ihr schwer, etwas kürzerzutreten, waren es doch gerade die übernommenen Aufgaben, die ihr über die Gebrechen im Alltag hinweghalfen.

Bis zu ihrem Tod war es Wisniewski wichtig, den Kontakt zu ihren Freunden und Mitstreitern zu halten. Ihre meist handgeschriebenen Briefe dokumentierten auch im hohen Alter ihre positive Lebenseinstellung, die Freude am Rückblick aber auch die Neugierde auf die Zukunft. In Stolp in Pommern 1926 geboren, musste Wisniewski früh aus der Heimat fliehen. In Berlin machte sie ihr Abitur und studierte Germanistik, promovierte, habilitierte und war als Privatdozentin tätig.

1965 nahm sie eine Professur an der Deutschen Universität in Kairo an, zwei Jahre später wurde sie an der Universität Heidelberg als erste Frau auf einen Lehrstuhl für ältere deutsche Sprache und Literatur berufen, den sie bis zu ihrer Emeritierung 1994 innehatte. Bereits Anfang der 70er-Jahre begann sich Roswitha Wisniewski politisch zu engagieren und trat der CDU bei. Von 1976 bis 1994 gehörte sie dem Deutschen Bundestag an, zunächst über die Landesliste, dann als direkt gewählte Parlamentarierin.

Der Mannheimer CDU-Chef und Bundestagsabgeordnete Nikolas Löbel würdigte Wisniewski als leidenschaftliche Politikerin, "immer nah an den Menschen und eine starke Stimme für Kinder und Familien". Die Verstorbene sei aus heutiger Sicht eine Vorreiterin für das Bild einer modernen und selbstbewussten Frau gewesen. "Sie hat Spuren hinterlassen, die bis heute sichtbar sind", sagte Löbel. Wisniewski zeichnete sich als Bundestagsabgeordnete weniger durch öffentlichkeitswirksame Auftritte und prestigeträchtige Erfolge aus - nein, sie war, wie ein früherer Fraktionskollege einmal meinte, "stets federführend, wenn dicke Bretter gebohrt werden mussten". Und habe Themen beackert, bei denen Sachverstand, Ausdauer und Durchsetzungsvermögen gefragt gewesen seien.

Im Innenausschuss machte sich Wisniewski für die Anliegen der Vertriebenen stark, im Ausschuss zu Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts übernahm sie den Vorsitz. Verantwortung trug die Christdemokratin auch in der Bundestags-Enquete-Kommission "Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur".

Zu den Schwerpunkten ihres Schaffens zählte der gesamte Hochschulbereich. So war die Professorin Vorsitzende des Hochschulausschusses des Akademikerinnenbundes, führte aber auch die Deutsch-Ägyptische Parlamentariergruppe und die Deutsch-Ägyptische Gesellschaft. In den letzten Jahren widmete sich Wisniewski verstärkt der Pflege des kulturellen Erbes in der ehemaligen DDR und war Vizepräsidentin der "Stiftung Ostdeutscher Kulturrat".

Abgesehen von ihren regelmäßigen "Arbeitsaufenthalten" in Heidelberg, lebte sie seit einigen Jahren im Augustinum in Bonn, wo sie sich rundum wohlfühlte, und engen Kontakt hielt zu ihrer "Mitbewohnerin" Dorothee Wilms, der ehemaligen Bundesministerin für Bildung und Wissenschaft.

In der Kapelle der Seniorenresidenz findet am morgigen Freitagvormittag eine Trauerfeier zu Ehren von Roswitha Wisniewski statt. Ihre letzte Ruhe wird sie dann im Familiengrab in Berlin finden, wo sie am nächsten Dienstag, 12. Dezember, beigesetzt wird.

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