"Safe Sport"-Umfrage zu sexualisierter Gewalt: Traumatisierendes Training
Stuttgart. (lsw) Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Susanne Eisenmann, dringt auf eine Null-Toleranz-Politik gegen sexualisierte Gewalt im Sport. "Sie ist im Sport wie in anderen Lebensbereichen keinesfalls zu tolerieren - bereits sexistische Witze sind vor dem Hintergrund des besonderen Abhängigkeitsverhältnisses zwischen Trainer und Athletin oder Athlet ein absolutes No-Go", sagte die baden-württembergische Ministerin für Kultus und Sport am Montag in Stuttgart.
Die Sportminister hatten in der vergangenen Woche eine Zwischenbilanz auf Basis des Forschungsprojektes "Safe Sport" gezogen. "Wenn knapp 40 Prozent aller Kadersportlerinnen und -sportler, die an der Studie teilgenommen haben, schon einmal eine Form sexualisierter Gewalt im Sport erfahren haben, können wir nicht von Einzelfällen sprechen", betonte Eisenmann. Zwar bildeten Fälle mit Körperkontakt die klare Ausnahme. Doch andere Formen sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt und sexuelle Grenzverletzungen kämen deutlich häufiger vor. Sie könnten die Sportler ebenfalls traumatisieren. 1800 Bundes- und Landeskaderathleten wurden online befragt.
Die Ergebnisse im Überblick:
> 37 Prozent aller Kadersportler haben schon einmal eine Form von sexualisierter Gewalt im Sport erfahren: 48 Prozent der Athletinnen, 23 Prozent der Athleten.
> Drei Prozent der teilnehmenden Sportler erlebten sexualisierte Gewalt mit Körperkontakt, 18 Prozent sexuelle Grenzverletzungen und 16 Prozent sexualisierte Gewalt ohne Körperkontakt.
> Rund 11 Prozent der befragten Sportler litten unter schwerer und/oder länger andauernder sexualisierte Gewalt.
> Die Mehrheit der betroffenen Athleten - rund 70 Prozent - ist bei der ersten Erfahrung sexualisierter Gewalt unter 18 Jahren alt.
Stand bei Präventionsmaßnahmen:
> Die Hälfte der Spitzenverbände hat die Thematik noch nicht in Qualifizierungsmaßnahmen verankert.
> 80 Prozent der Spitzenverbände, rund die Hälfte der Sportinternate und knapp ein Viertel der Olympiastützpunkte haben Ansprechpersonen für die Prävention sexualisierter Gewalt.
> Rund 40 Prozent der Spitzenverbände, 44 Prozent der Sportinternate und 15 Prozent der Olympiastützpunkte verfügen über einen Verfahrensplan zum Umgang mit Vorfällen oder Verdachtsmomenten.
> Rund die Hälfte der befragten Vereine gab an, dass das Thema relevant für Sportvereine sei.
> Regelmäßige Schulungen zur Thematik werden in neun Prozent der Vereine durchgeführt und jeder zehnte Verein hat einen spezifischen Ansprechpartner für die Prävention sexualisierter Gewalt oder für den Kinderschutz benannt.