Berlin (dpa) - Der Iran-Experte Ali Fathollah-Nejad hat vor einem falschen Bild gewaltsamer Proteste gegen das System im Iran gewarnt. Es gebe zwar auch «unter den Demonstranten vielleicht einige Trouble Maker», sagte der Politikwissenschaftler bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) am Dienstag im Deutschlandfunk. «Es gab sicherlich Angriffe auf Symbole des Regimes, sei es jetzt Polizei oder sonstige Gebäude. Aber da wir eine krasse Asymmetrie haben zwischen beiden Seiten, kann man sich denken, dass die Demonstrantenseite kaum Möglichkeiten hat, auf die Gewalt des Regimes zu antworten», sagte er.Die Demonstranten hätten politische und sozioökonomische Forderungen, «weil ungefähr die Hälfte der iranischen Bevölkerung am Armutslimit harrt», sagte er weiter. Kritisierte werde das ganze System und dessen Mangel an Demokratie sowie hohe Korruption.Fathollah-Nejad sprach von einem Appell an alle Fraktionen des Regimes, mit ihrem Großmachtgetue aufzuhören und sich um die inländischen Probleme zu kümmern. «Aber inwieweit das Regime in der Lage ist, wirklich Reformen durchzusetzen, das ist halt sehr schwierig, weil strukturell es kaum Möglichkeiten gibt, innerhalb der Institutionen der Islamischen Republik wirklich Reformen durchzusetzen», sagte er.