Chemnitz (dpa) - Chemnitz ist im Verfassungsschutzbericht von Sachsen für 2017 nicht gerade als Hochburg der Rechtsextremisten ausgewiesen. In der Stadt mit seinen rund 250 000 Einwohnern werden der Szene zwischen 150 und 200 Personen zugerechnet. «Im Vergleich zum Vorjahr ging das rechtsextremistische Personenpotenzial somit zurück und lag im sachsenweiten Vergleich im mittleren Bereich», heißt es in dem Bericht. Zum Vergleich zwei Zahlen aus etwa gleichgroßen Städten: Wie ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Innenministeriums der Deutschen Presse-Agentur sagte, liegt die Zahl von Personen des rechtsextremistischen Personenpotenzials in der Landeshauptstadt Kiel im mittleren zweistelligen Bereich. In Magdeburg rechnen die Behörden nach Angaben des sachsen-anhaltischen Innenministeriums der Szene rund 100 Menschen zu. Die Zahl rechtsextremer Straftaten lag 2017 in Chemnitz bei 160 (2016: 242) Fällen, darunter waren sechs Gewalttaten (15). Als Parteien sind neben der NPD auch «Der dritte Weg» und «Die Rechte» präsent - letztere allerdings im Vorjahr ohne «öffentlich wirksame Aktivitäten». Die NPD-Nachwuchsorgansiation «Junge Nationaldemokraten» (JN) verortet der Verfassungsschutz im früheren Szenetreff der «Nationalen Sozialisten Chemnitz» (NSC) - einer 2014 vom sächsischen Innenministerium verbotenen Organisation.Nach dem NSC-Verbot habe die rechtsextreme Szene in Chemnitz zunächst Zeit benötigt, ums sich neu zu positionieren, schätzt das Landesamt für Verfassungsschutz: «Da es sich bei den NSC um eine gefestigte neonationalsozialistisch ausgerichtete Organisation gehandelt hatte, war damit zu rechnen, dass der Kern der Gruppierung weiterhin rechtsextremistische Aktivitäten entfalten würde.» Als Folge konstatieren die Verfassungsschützer eine Zersplitterung der «Nationalen Sozialisten Chemnitz». Manche hätten ihr Engagement bei den «Jungen Nationaldemokraten» fortgesetzt, andere hätten sich dem «Dritten Weg» angeschlossen. Das frühere NSC-Führungsmitglied Maik A. soll zeitweilig als «Stützpunktleiter» für den «Dritten Weg» agiert haben.