Die israelische Armee hat Atomanlagen und andere Einrichtungen im Iran angegriffen. Das iranische Militär kündigte eine "starke Reaktion" an. Israel hat mit dem erwarteten Angriff auf Atomanlagen des Iran begonnen. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem vorbeugenden Schlag. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, bei den Angriffen sei "das Herz" des iranischen Atomprogramms zur Anreicherung von Uran sowie das "Programm für ballistische Raketen" des Iran getroffen worden. Die mit Israel verbündeten USA sind nach Regierungsangaben aus Washington nicht an dem Angriff beteiligt. Aus Teheran wurden Explosionen gemeldet, Videos in sozialen Netzwerken zeigen aufsteigenden Rauch in mehreren Teilen der iranischen Hauptstadt. Augenzeugen und Staatsmedien bestätigten laute Explosionsgeräusche rund um die Millionenmetropole. In Teheran wurden alle Flüge des internationalen Hauptstadtflughafens gestrichen. Alle aktuellen Entwicklungen zur Lage im Nahen Osten lesen Sie im Newsblog. Der israelische Ministerpräsident sprach von einem "sehr erfolgreichen Eröffnungsschlag". Dabei seien ranghohe Repräsentanten des iranischen Kommandos sowie Wissenschaftler getroffen worden, die an der Entwicklung von Nuklearwaffen arbeiteten, sagte Netanjahu in einem Video. Zudem seien Atomanlagen getroffen worden. Er sagte, der israelische Einsatz gegen den Iran werde "so viele Tage wie nötig" andauern. Netanjahu stellt Bevölkerung auf harten iranischen Gegenangriff ein Netanjahu rief in der Nacht sein Sicherheitskabinett zusammen. Katz rief einen landesweiten Ausnahmezustand aus und warnte davor, dass ein Raketen- und Drohnenangriff des Iran unmittelbar bevorstehen könnte. In Israel heulten landesweit die Sirenen. Der Luftraum wurde nach Angaben des Transportministeriums gesperrt. Gleichzeitig sagte der 75-jährige Regierungschef, Kriege hätten immer einen Preis. Er rief die israelische Bevölkerung zu Disziplin auf. Es sei möglich, dass die Israelis bei möglichen iranischen Gegenangriffen sehr lange in Schutzräumen ausharren müssten, "viel länger als wir es bisher gewohnt waren". Er riet den Menschen, sich mit Proviant zu versorgen und Geduld zu zeigen. Iran droht mit Vergeltung Das Staatsoberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, drohte mit Vergeltung. Das iranische Militär kündigte nach dem Angriff eine "starke Reaktion" an. Die Streitkräfte würden "mit Sicherheit auf diesen zionistischen Angriff reagieren", sagte Generalstabssprecher Abolfasl Schekartschi am Freitag. Israel werde "einen hohen Preis zahlen" und sollte mit einer "starken Antwort der iranischen Streitkräfte rechnen". Nach iranischen Medienangaben war auch das Hauptquartier der iranischen Revolutionsgarden Ziel der Angriffe. Deren Kommandeur Hussein Salami sei getötet worden. Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens wurden auch die Atomwissenschaftler Fereydoun Abbasi-Davani und Mohammad Mehdi Teheranchi bei dem Angriff getötet. Meldungen, dass auch der iranische Generalstabschef Mohammed Bagheri tot ist, dementierte die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna zunächst. Später bestätigte das Staatsfernsehen den Tod Bagheris jedoch. Einsatz könnte mehrere Tage dauern Das iranische Staatsfernsehen meldete, dass nach dem Angriff in Natans im Zentrum des Landes keine Anzeichen für eine nukleare Kontamination festgestellt werden konnten. Dort befindet sich die wichtigste Anlage des iranischen Atomprogramms. Die Internationale Energiebehörde (IAEA) bestätigte den Angriff auf Natans. Die Uran-Anreicherungsanlage in Natans sei "unter den Zielen", teilte IAEA-Chef Rafael Grossi auf der Plattform X mit. Die Situation sei "äußerst besorgniserregend", schrieb Grossi. Seine Behörde stehe im Kontakt mit iranischen Behörden, um die aktuellen Strahlungswerte abzuklären. Nach Grossis Angaben sind derzeit Atominspektoren der IAEA im Iran. Die Zentrale der Atomenergiebehörde in Wien stehe mit ihnen ebenfalls in Kontakt, schrieb er. Nuklearprogramm des Mullah-Regimes: Über diese Atomanlagen verfügt der Iran Die israelische Armee (IDF) teilte mit, Dutzende Ziele im Iran, die mit dem Atomprogramm und anderen militärischen Einrichtungen in Verbindung stehen, seien angegriffen worden. Die Operation trage den Namen "Nation der Löwen". Neben den Angriffen der israelischen Luftwaffe hat Israels Geheimdienst Mossad einem Medienbericht zufolge auch eine Reihe von verdeckten Sabotageakten im Iran eingeleitet. Dies berichtete Axios-Reporter Barak Ravid am Freitag unter Berufung auf einen hohen israelischen Regierungsmitarbeiter. General Effie Defrin, Sprecher der israelischen Armee, sagte, der Iran sei kurz davor gewesen, eine eigene Atombombe zu besitzen. Israel könne das nicht erlauben. Er sprach von einer aktuellen und existenziellen Bedrohung durch den Iran. Trump versuchte diplomatische Lösung US-Außenminister Marco Rubio warnte Teheran vor Angriffen auf "US-Interessen oder Personal". Er bekräftigte, dass die USA nicht an dem israelischen Schlag beteiligt seien. Die oberste Priorität der USA sei der Schutz der eigenen Truppen und Einrichtungen in der Region, erklärte Rubio. Am Freitag soll der US-Sicherheitsrat im Weißen Haus die Lage beraten. Stunden zuvor hatte US-Präsident Donald Trump auf seinem Netzwerk Truth Social bekannt gegeben, dass seine gesamte Regierung an einer diplomatischen Lösung mit dem Iran arbeite. Die USA sind gegen eine Ausweitung der Urananreicherung im Iran, weil sie den Bau von Atombomben befürchten. Trump hatte zuvor erklärt, dass er einen israelischen Angriff auf iranische Atomanlagen nicht für ausgeschlossen halte. "Ich möchte nicht sagen, dass er unmittelbar bevorsteht, aber es sieht so aus, als ob es etwas ist, das sehr wohl passieren könnte." Am Donnerstagabend wurden US-Bürger in den Nachbarländern Israels aufgerufen, sich zu informieren, wo die nächsten Schutzräume sind.