„Archstojanije“: In „weißer Stadt“ ohne Grenzen
In der russischen Region Kaluga, drei Stunden von Moskau entfernt, hat vom 25. bis 27. Juli im größten Kunstpark Europas, Nikola-Leniwez, ein Festival für Land Art und zeitgenössische Kunst stattgefunden.
In diesem Jahr feiert das Festival sein 20-jähriges Jubiläum. Der Name wurde daher entsprechend angepasst: „ArXXstojanije“. Die Besucher erwarteten Kunstobjekte und temporäre Installationen, Performances, Musikbühnen, Vorträge und vieles mehr. Jedes Jahr zieht die Open Air-Veranstaltung immer mehr Menschen an, die mit ihren Familienangehörigen oder Freunden anreisen.
Zum Namen und zur Geschichte
Das Festival findet seit 2006 statt. Der auf den ersten Blick ungewöhnlich klingende Name „Archstojanije“ (dt. „Arch-“ von Architektur und „Stojanije“ von Stehen) leitet sich von der Nähe des Geländes zum Fluss Jugra ab. Die Veranstalter behaupten, dass in der Gegend, in der das Festival durchgeführt wird, die berühmte Schlachtaufstellung an der Jugra im Jahr 1480 stattgefunden habe.
Für jedes Festival schaffen eigens eingeladene Architekten Kunstobjekte aus natürlichen Materialien: Holz, Schnee, Heu, Weinreben usw. Einige Objekte sind funktional: Flöße, Schaukeln, das mit 50 Metern längste Trampolin Europas und sogar Toiletten. Die meisten Objekte interagieren mit dem Betrachter – man kann sie betreten, darauf klettern und auf ihnen reiten.
Die dank dem Fest entstandenen Objekte sind Teil der Landschaft des Kunstparks Nikola-Leniwez geworden. Seit 2006 wurden hier 101 Kunstobjekte geschaffen und mehr als 150 Autoren haben am Festival teilgenommen.
„Archstojanije“ 2025
Das diesjährige Festivalthema lautete „Das Wichtigste für mich“. Die Organisatoren führten dies folgendermaßen aus: Man lebe heute in einer Metropole, die mit Bedeutungen überladen sei. „Es ist schwer, das Sehnlichste davon zu trennen – die Stadt in unserem Inneren.“ Über 50 Kunstobjekte wurden insgesamt auf dem Gelände von Nikola-Leniwez ausgestellt.
Das diesjährige Festival lud die Gäste ein, auf der Suche nach „dem Wichtigsten“ eine Reise durch die „weiße Stadt“ zu unternehmen. Der Begriff impliziert eine „Innenstadt“ – ohne klare Grenzen, mit Raum für Fantasie und Reflexion.
So konnten sich die Gäste etwa in einem Flughafen, einem Krankenhaus oder, anders gesagt, in einem „Gesundheitszentrum für müde Stadtbewohner“ wiederfinden, wo sie auf einem Bett über einem riesigen MRT-Scan des Gehirns liegen und sogar eine „Impfung“ gegen Burnout erhalten konnten. In der „weißen Stadt“ wurde sogar ein Stadtrat errichtet.
Neuen Sinn für sich entdecken
So wurde im Bereich „Flughafen“ das gewohnte Labyrinth aus roten Bändern und elektronischen Anzeigetafeln nachgebaut – allerdings ohne Visa- und Passkontrolle und damit ohne Grenzen. Doch wenn der Alltag, den man bedingt wahrnimmt, in den Wald teleportiert wird, entstehen durch die Synthese von Lebendigem und Nichtlebendigem neue Bedeutungen, aus denen der Betrachter ein Gefühl für die Natur des Seins gewinnt.
Das Festival zielte also darauf ab, die Grenzen des absurden Logos zu verwischen. Denn selbst wenn es möglich ist, die Grenzen eines Phänomens grob zu skizzieren, bedeutet dies, dass es existiert. Dieses Jahr bot „Archstojanije“ erstmals ein Nachtprogramm: Tanz, Karaoke und Spaziergänge im Mondschein.
Viktoria Nedaschkowskaja
Запись „Archstojanije“: In „weißer Stadt“ ohne Grenzen впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.