Es sind erschreckende Zahlen für die Amerikaner: In den kommenden Jahren könnten Millionen ihre Krankenversicherungen verlieren. Betroffen ist vor allem eine Gruppe. Die Schere zwischen Arm und Reich in den USA wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden zehn Jahren weiter öffnen. Das hat vor allem mit der Politik des US-Präsidenten zu tun. Der hatte seinen Wählern allerhand Wohltaten versprochen. So wollte er die Wirtschaft ankurbeln, viele Arbeitsplätze schaffen und natürlich Steuererleichterungen für alle auf den Weg bringen. Dass Donald Trumps bislang umfassendstes Gesetzespaket – von ihm selbst ganz unbescheiden "big beautiful bill" ("großartiges, wunderschönes Gesetz") genannt – jedoch vor allem der amerikanischen Oberschicht nützt, davor hatten nicht nur die Demokraten frühzeitig gewarnt, sondern auch zahlreiche Experten. Nun scheint sich einmal mehr zu bestätigen, dass die Ungleichverteilung in den USA unter dem republikanischen Präsidenten weiter zunimmt. Die Schocknachricht kam im Gewand spröder Zahlen daher. Wie aus einer am Montag veröffentlichten, aktualisierten Schätzung des überparteilichen Haushaltsbüros des Kongresses (CBO) hervorgeht, wird das Einkommen der ärmsten zehn Prozent der Amerikaner durch Trumps Gesetz um 1.200 Dollar pro Jahr sinken. Haushalte mit mittlerem Einkommen können demnach mit 800 bis 1.200 Dollar mehr rechnen, während das der wohlhabendsten zehn Prozent um 13.400 Dollar steigt. Gerade für einkommensschwache Haushalte dürfte das "wunderschöne Gesetz" für Einschnitte im Portemonnaie sorgen. Aber es kommt noch schlimmer. Denn das seit Juli geltende Gesetz finanziert die Verlängerung von Steuersenkungen unter anderem durch Einschränkungen beim Zugang zum staatlichen Krankenversicherungsprogramm Medicaid für Geringverdiener. Das heißt, unter Donald Trump werden in den kommenden Jahren voraussichtlich zehn Millionen US-Bürger zusätzlich ihre Krankenversicherung verlieren. Kürzungen treffen vor allem einkommensschwache Familien Die Steuersenkungen für die Wohlhabenden in dem Land stammen noch aus Trumps erster Legislaturperiode im Weißen Haus. Eigentlich hatten die Demokraten unter Joe Biden beschlossen, die Steuererleichterungen Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Doch mit dem Machtwechsel änderten sich die Vorzeichen wieder. Die neue Gesetzgebung sieht neben den tiefen Einschnitten bei der Krankenversicherung auch Kürzungen beim Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP) vor, mit dem einkommensschwache Familien Essensmarken beziehen können. Auch die Kreditaufnahmemöglichkeiten für Studierende aus unterprivilegierten Verhältnissen sind von den Kürzungen betroffen. Ermittelt wurden die aktuellen Zahlen zwar auf Anfrage der Demokraten, aber eben von einem überparteilichen Gremium, dem CBO. Die Institution gibt keine politischen Empfehlungen ab, sie erhebt lediglich Daten und arbeitet mit beiden Parteien im Kongress zusammen. Sie versteht sich als regierungsunabhängig. Allerdings kritisierten die Republikaner die Zahlen des Gremiums. Sie argumentieren, dass der durch die Steuererleichterungen hervorgerufene Wirtschaftsaufschwung letztlich allen Amerikanern zugutekommen würde. Doch laut den jüngsten Zahlen der US-Statistikbehörde ist von diesem Aufschwung bislang nichts zu sehen. Im Gegenteil, die Arbeitslosenzahlen stiegen zuletzt leicht an. Trump feuerte daraufhin die Chefin der Statistikbehörde. Der demokratische Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus, Brendan Boyle, schrieb nach Bekanntwerden der Zahlen bei X: "Es wurde uns also gerade bestätigt, dass Trump seine Milliardärs-Freunde auf Kosten amerikanischer Familien noch reicher macht." Und weiter schrieb Boyle: "Es handelt sich hier wohl um die größte Umverteilung zugunsten der Superreichen in der Geschichte."