Richard Lutz muss gehen. Und jetzt? Weder inhaltlich noch personell legt der Verkehrsminister einen Plan vor. Dabei rennt der Bahn die Zeit davon. Eine Entlassung von Bahnchef Richard Lutz ? Nicht zielführend, meinte Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) noch vor wenigen Wochen. Man müsse sich erst auf eine Strategie einigen, dann über das Personal entscheiden. Daran hat sich der CDU-Mann nicht gehalten: Richard Lutz als Bahnchef ist Geschichte. Doch eilig scheint der Minister es nicht zu haben: Wie der neue Plan der Bahn aussieht, will Schnieder erst Ende September verkünden – in fast anderthalb Monaten. Der Rauswurf sei gut vorbereitet worden, behauptet der Minister. Doch wer der neue Chef wird? Völlig offen. "Die Suche nach einem neuen Bahnchef, einer neuen Bahnchefin hat mit diesem Augenblick begonnen", erklärte der CDU-Minister auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz. Auch wenn der Verkehrsminister das Gegenteil behauptet: Strategie geht anders. Überraschende Entscheidung : Bahnchef Lutz muss Posten räumen Bahnchef Lutz vor dem Aus: "In Angststarre verfalle ich jedenfalls nicht" Wenn er einen Plan hätte, hätte er hier schon den neuen Mann an der Spitze der Bahn aus dem Hut gezaubert. So sieht alles danach aus, als müsste ein Mann gehen, der Schnieder einfach nur genervt hat. "Nach meiner Auffassung ist das auskömmlich" Lutz' Forderungen provozierten den öffentlichen Widerspruch seines Ministers. Ende Juni erklärte Lutz, die Bahn steuere 2029 auf einen Finanzierungsbedarf in Milliardenhöhe zu. Das kommentierte ein entnervter Schnieder bei ntv: Er könne Lutz' Äußerung nicht nachvollziehen: "Wir haben bis 2029 Investitionen in die Bahn von etwa 107 Milliarden Euro vorgesehen. Nach meiner Auffassung ist das auskömmlich." Dazu kommt: Verkehrsminister Schnieder zeigt deutlich weniger Enthusiasmus für die Schiene als sein Vorgänger Volker Wissing (zunächst FDP , inzwischen parteilos). Die Bahn sei in der Krise, erklärte Noch-Bahnchef Lutz wiederholt. Aber so dringend scheint Schnieder das Problem nicht angehen zu wollen, wenn er sich für den nächsten Schritt sechs Wochen lang Zeit lassen will – Zeit, die die Bahn eigentlich nicht hat. Mit mehr Geld kann der Lutz-Nachfolger ohnehin nicht rechnen. Denn Schnieder erklärte das Ende für Lutz auch damit, dass sich der Konzern verschlanken müsse. Völlig freimachen von Kritik kann sich der geschasste Bahnchef Richard Lutz freilich auch nicht – zu lange ist er dafür schon dabei. Seit 2010 ist er Vorstandsmitglied der Bahn, sieben Jahre später wurde er zum Chef. Die Krise der Bahn ist auch seine. Warum mit seinem Ende als Konzernchef die Kernprobleme nach wie vor ungelöst bleiben, erklärte Lutz allerdings erst im Frühling t-online : "Wäre ich Verursacher der Krise, ließe sie sich sehr einfach und schnell lösen." Mit dem Rauswurf allein ist der Verkehrsminister einer Lösung keinen Schritt näher gekommen. Dass er darüber hinaus bisher keine Strategie zu haben scheint, stimmt wenig optimistisch.