Budapest war gestern, Venedig ist heute – ein etwas anderer Reisebericht –
Unser ehemaliger Aktiver Fritz Zenker hat es zusammen mit seiner Tochter Anna erneut durchgezogen.
Gestern, das war vor genau 10 Jahren, also 2015, als beide mit dem Rad – und es gilt zu betonen: Rad nicht E-Bike oder Pedelec – von Donaueschingen bis Budapest und damit schlanke 1400 km über Stock und Stein die Donau entlangfuhren.
Heute, also dieses Jahr 2025, waren es 1200 km und es ging nach Venedig und hallo, die 200 km weniger wurden durch die zu überquerenden Alpen mehr als nur kompensiert und es ging nicht nur wie vor 10 Jahren flussabwärts, wie man aus dem an späterer Stelle aufgeführten Streckenprofil leicht erkennen kann.
Warum aber jetzt Venedig?
Als beide 2015 vor dem Radwegweiser zum Donauradweg Richtung Budapest in Donaueschingen standen
wurden sie auf das am gleichen Pfosten angebrachte Hinweisschild des Radweges Via Claudia Augusta aufmerksam, welcher nun eben nach Venedig führt. „Das machen wir auch einmal, irgendwann“ waren sich beide sehr schnell einig. Es sollten allerdings dann 10 Jahre ins Land gehen, bis beide in Donaueschingen mit ihren vollbepackten Rädern – und wieder keine E-Bikes oder Pedelecs – vor dem vorgenannten Radwegweiser erneut standen.
Wir wollen hier nicht die Berichte über die Radtour der beiden, die bereits dieser Tagen in allen Medien veröffentlicht waren, wiederholen, nein, wir wollen nur noch ein paar, eigentlich nette Ergänzungen liefern.
Und hier schon etwas für unsere Rätselfreunde. Zu erraten bzw. zu errechnen ist das jeweilige Alter der beiden. Einziger Hinweis: Das gemeinsame Lebensalter von Vater und Tochter dieses Jahr betrug 108 Jahre und nur in diesem Jahr war die Tochter exakt halb so alt wie der Vater. Wie alt waren beide bei Ihrer ersten Tour 2015 nach Budapest ?
Los gehts von Homburg mit dem Zug nach Donaueschingen, wo die Radtour dann starten sollte.
So das Protokoll. Aber auf unsere Bahn ist ja bekanntlich Verlass. Der Zug von Homburg nach Mannheim fiel schon mal aus. Also Änderung des Protokolls und Privattaxi Mama Karin musste die beiden nach Mannheim kutschieren, um die Zugreise nach Donaueschingen zu starten.
Aber, „ Wir starten erst, wenn alle Satteltaschen von den Rädern abgenommen sind wollte, davonsage des Zugschaffners in Mannheim und bei 15 Rädern, die an diesem Morgen im Radzugabteil Platz finden wollten, kann man sich den Zeitfaktor vorstellen, den es hierzu benötigte – auch mangels des fehlenden Stauraumes für die Satteltaschen und auch um den letzten Unwilligen, der kein Verständnis für die Anweisung des Zugschaffners aufbringen konnte oder wollte, davon zu überzeugen, dass der Zug tatsächlich erst fährt, wenn der Durchsage des Schaffners voll umfänglich Folge geleistet war. Unverständlich, dass die Bahn ständig auch noch ob ihrer Verspätungen kritisiert wird, obwohl diese wie man zuvor lesen konnte, dafür eigentlich nicht verantwortlich gemacht werden kann… oder doch? Und um es klarzustellen, diese Verzögerung, verursacht durch die Satteltaschen, war nicht der Grund für die Verlängerung der Bauzeit der Baumaßnahme Stuttgart 21 der Dt. Bahn um ein weiteres Jahr, an der Anna derzeit als Bauingenieurin eingesetzt ist. Anna wollte dies klargestellt haben.
Wie dem auch sei, man gelangte dennoch am selben Tag nach Donaueschingen und nach 300 km und vier weiteren Flachetappen nach Donauwörth und damit auf den historischen Römerweg Via Claudia Augusta, der die beiden nach Venedig führen sollte. Das sollte bis hierher noch nicht sehr herausfordernd für die beiden gewesen sein.
Aber zuvor noch einige techn. Daten zur Tour lt Protokoll :
Ziel: Venedig ü/ Fern- und Reschenpass
Geplante Reisezeit: 9. bis 26. Juli 2025
Gepäck: jeweils 15 kg
Tägliche Streckenetappe: max 80 km
Fahrgerät: Gravelbike (Mischung aus Rennrad und Mountainbike mit breiteren Reifen, das sich sowohl für Fahrten auf befestigten Straßen als auch für Abenteuer abseits asphaltierter Wege eignet * Quelle Internet) und keine elektronische Unterstützung)
Unterkunft: wird jeweils vor Ort gesucht, keine Vorbuchung von Hotels etc.
Verpflegung: je nach Bedarf, vor Ort bzw. unterwegs
Frühstück während der Tour: 08.00 Uhr
Jeweiliger Etappenstart: 09.00 Uhr
Grund der Tour: Einladung von Jeff Bezos, 61(Gründer und derzeit geschäftsführender Gesellschafter von Amazon) zur Hochzeit mit Lauren Sanchez, ?.
Wir setzen unsere Tour auf der Via Claudia Augusta fort und wie anhand nachstehendem Streckenprofil erkennbar, wird es jetzt wohl anspruchsvoller.
Und während dies gerade noch für den Fernpass zutrifft, den man auf einem die Passstraße begleitenden Fahrradweg befahren kann, galt dies für den vielbefahrenen Rechenpass nach Italien definitiv nicht. Nicht dass Italien über keine gut ausgebauten Fahrradwege wie Österreich und Deutschland verfügt, nein, keine Frage, aber definitiv nicht am Reschenpass.
Im Gegenteil, Baustellen auf der Passstraße neben zu bewältigenden Anstiegen und natürlich auch Abstiegen bzw. Abfahrten bis zu 14 % und 20 % machen die Befahrung derselbigen derzeit zum echten Abenteuer für Radfahrer ( insbesondere für Nichtakkufahrer).
Es scheint hier eine Selbstverständlichkeit zu sein, Fahrradfahrer durch Umfahren der Pylone über die gerade instand zusetzende Fahrbahn zu überholen, um dann gezwungener Maßen kurzfristig ohne vorherigen Hinweis oder Zeichen wieder rechts vorm Radfahrer einzuscheren und das mitunter sehr knapp und definitiv ohne Rücksichtnahme – italienisch eben.
Nun gut, auch dieser Pass wurde bestanden, wenn auch manchmal in schiebender Manier (Spitzensteigung lag wie schon vorerwähnt bei 20 %) und, falls noch nicht erwähnt, bei +42 Grad Celsius, was im Übrigen für fast die gesamte Strecke galt und deswegen auch der Verbrauch an Sonnencreme entsprechend hoch war.
Besonders auffällig in Italien war allerdings, dass nicht alle Hinweisschilder unsere beiden Tourer „nach Rom“ führten, sondern in nicht wenigen Malen auf die Strada Lazaroni bzw. Autostrada ( übersetzt: Straße, die für schnellen Verkehr von Kraftfahrzeugen konzipiert ist- in Deutschland „Autobahn“ ). Und damit offensichtlich nicht wirklich für Fahrräder geeignet. Mögliche Ausnahme: Zurücklassen der Satteltaschen im Zug zur Erhöhung der Reisegeschwindigkeit.
Highlight allerdings war ein städt. Mitarbeiter der Stadt Trient, der offenbar gerade ein Verkehrsschild mit Richtung Venedig aufstellen sollte oder wollte und auf die Frage, wo und wie es denn nach Venedig ginge, keine schlüssige und endgültige Antwort geben konnte oder wollte. Bleibt für Reisende nach Venedig zu hoffen, dass er das Hinweisschild erst nach Rückfrage bei einem Ortskundigen platziert hat.
Fazit nach 1150 km – vorbei an Augsburg, Füssen, Reutte, Lermoos, Imst, Landeck, Nauders, St. Valentin, Schlanders, Latsch, Meran, Trient, Feltre Follina, Treviso, Mestre – und Ankunft in Venedig:
Leichte Gewichtsabnahme, hoher Sonnencremeverbrauch, tolle Landschaftserlebnisse, nette und zuvorkommende Leute auf der gesamten Strecke (Ausnahme Zugschaffner),
Trinkwasser – absolut genießbar – an jedem öffentlichen Brunnen in Italien (und ohne Hinweisschild like Germany: Achtung, kein Trinkwasser), leider oftmals w/ Unterkunftssuche deutlich längere Tagesetappen, Besuch hochinteressanter Lokationen wie das Kloster Obermarschtal ( 40 km vor Ulm) oder der Besuch des letzten Gefängnisses von Andreas Hofer in Neumarkt ( Südtiroler Widerstandskämpfer vor seiner Hinrichtung durch Napoleon).
Aber und dies zählt wohl am meisten, glücklich und absolut zufrieden, ob des Erreichten und zusätzlich wichtig, ganz ohne Blessuren.
Und nach einer kurzen Unterredung mit George Clooney (auch Gast von Bezos Hochzeit ) an der Rialto Brücke mussten unsere beiden Radtourer erkennen, dass die Einladung, die Anlass zur Tour nach Venedig war, für die Hochzeit von Clooney galt, die allerdings schon ein Jahr oder länger zurückliegt, und nicht für Bezos.
Saudumm gelaufen oder ? Nein Spaß und hätt ja sein können…….
Eigentlich sollte hier jetzt Schluss unseres Berichtes sein, aber unsere beiden Abenteurer wollten ja auch wieder nach Hause und lt. Protokoll dieses Mal komplett mit dem Zug. Aber was Hans nicht kann, sollte auch Hänschen…….. oder umgekehrt ? Und es kam wie es nicht kommen sollte. Keine Rückreisemöglichkeit mit der italienischen Bahn in kompleto, also mit Rad nein, als Personen ja. Hallo ? Die neuen Gravelbikes in Venedig vermarkten oder sogar verschenken ? Kam nicht in Frage. Also Flug, wie damals von Budapest, kam nicht in Frage, da wie schon vor 10 Jahren, die Räder für den Rücktransport komplett hätten zerlegt werden müssen, inclusives Abflexen der Pedale.
ie Mama in Deutschland wusste Rad und verwies auf die mögliche Rückreise mit einem Bike-shuttle. Letzteres ist ein Fernbus mit anhängendem Doppelachser, der ausschließlich Fahrradbiker , max 40 Stück Personen wie Räder, aufnehmen kann ( Empfehlung an die Radgruppe der Gruppe 60+ und unsere Akkufahrer) falls es mal unterwegs zu Problemen kommen sollte).
Und obwohl keine finanzielle Kleinigkeit (Auskunft erteilen hierzu nur die Betroffenen) war dies die günstigste Möglichkeit zwischen Flug, Bahn und Bus von Mestre nach München zu kommen. Von München ging es dann mit dem Zug nach Hause.
Fast, denn aufgrund der üblichen Verspätungen unserer Bahn ( möglicherweise aufgrund von nicht abgehängten Satteltaschen…..) und anschließendem fehlenden Anschlusszug war die Zugreise in Mannheim zu Ende und bringt uns wieder an den Anfang unserer Geschichte bzw. Reise. Privattaxi Mama Karin, die vorsorglich in Kenntnis der Bahnprobleme in Mannheim drei Wochen übernachtet hatte, brachte die beiden Radabenteurer wieder wohlbehalten nach Hause.
Wir gratulieren den beiden „Weltenbummlern“ herzlich zur dieser erneuten erfolgreich bestandenen Herausforderung. Die Frage zur nächstgeplanten Herausforderung ( in wiederum 10 Jahren) bleibt allerdings unbeantwortet, da die daraus entstandene Diskussion zwischen Mama Karin und Papa Fritz bis Redaktionsende kein übereinstimmendes Ergebnis gefunden hat. Uns blieben nur Argumente wie „ Alter in 10 Jahren, dumm genug, Überschätzung“ von einer Seite in Erinnerung, von anderer Seite der Reiz des Überfahrens eines Passes der diesjährigen Tour d. France, der nur mit dem Rad gefahren werden darf ( Mont Ventoux, Col de la Loze, Hungerberg oder Weiße Trisch. Anmerk.d. Red.)