Attacke in Doha: Katar warnt Israel vor Konsequenzen für die Hamas-Geiseln. US-Präsident soll ein hitziges Telefonat mit Netanjahu geführt haben. Die US-Zeitung "Wall Street Journal" berichtet, dass US-Präsident Donald Trump den Angriff auf die Hamas in Katar in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu als "unklug" bezeichnet habe. Die Zeitung beschreibt das Telefongespräch Trumps mit Netanjahu vom Mittwoch als hitzig. Sie beruft sich dabei auf hochrangige Regierungsvertreter. Netanjahu habe Trump gesagt, er habe nur ein kurzes Zeitfenster für die Angriffe gehabt und die Gelegenheit genutzt. Ein zweites Telefonat zwischen den beiden Politikern am selben Tag sei freundlich verlaufen. Dabei habe Trump Netanjahu gefragt, ob der Angriff erfolgreich gewesen sei. Israels versuchter Angriff auf die Führungsspitze der islamistischen Terrororganisation Hamas in Doha am Dienstag könnte nach Einschätzung Katars negative Folgen für die Geiseln im Gazastreifen haben. "Ich denke, das, was Netanjahu gestern getan hat, hat jede Hoffnung für diese Geiseln zunichtegemacht", sagte der katarische Ministerpräsident und Außenminister, Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, am Mittwoch in einem Interview des US-Fernsehsenders CNN . Er habe sich am Morgen des Angriffs noch mit einer der Familien der Geiseln getroffen. "Sie zählen auf diese (Waffenruhe-)Vermittlung, sie haben keine andere Hoffnung", sagte Al-Thani weiter. Katar vermittelt zusammen mit Ägypten und den USA im Gaza-Krieg zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas. In Gaza befinden sich noch 48 Geiseln, davon sind 20 nach israelischen Informationen noch am Leben. Angehörige hatten nach dem Angriff große Sorge über das Schicksal der Entführten geäußert. Netanjahu: "Bringt sie vor Gericht" In einer Mitteilung verurteilte das Außenministerium in Doha die "ausdrücklichen Drohungen" Netanjahus als "unverantwortlich und rücksichtslos". Netanjahu hatte Katar am Mittwoch gewarnt, die Vertreter der radikal-islamischen Hamas auszuweisen. Er sagte wörtlich: "Bringt sie vor Gericht. Denn wenn ihr das nicht tut, werden wir es tun." Das Außenministerium in Doha erklärt dazu, die Einrichtung des Hamas-Büros in Katar sei im Rahmen der von den USA und Israel erbetenen Vermittlungsbemühungen erfolgt. Netanjahus Unterstellung, Katar beherberge die Hamas-Delegation heimlich, sei ein "verzweifelter Versuch, ein von der ganzen Welt verurteiltes Verbrechen zu rechtfertigen". Katar werde mit seinen Partnern zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass Netanjahu zur Rechenschaft gezogen werde. Katars Regierungschef: Werden alles neu bewerten Israels Luftwaffe hatte am Dienstag versucht, die Führungsspitze der Hamas in der katarischen Hauptstadt Doha anzugreifen. Ein Ziel war Berichten zufolge Chalil Al-Haja, der höchste Hamas-Führer im Ausland, der auch die Hamas-Delegation bei den indirekten Verhandlungen um eine Waffenruhe leitet. Nach Hamas-Angaben schlug die Attacke jedoch fehl, es sei kein Mitglied der Delegation getötet worden. Sechs Menschen seien aber ums Leben gekommen, darunter Al-Hajas Sohn und sein Büroleiter. Auf die Frage von CNN nach dem Verbleib Al-Hajas sagte Al Thani, es gebe derzeit keine offizielle Erklärung. Al Thani hatte kurz nach Israels Angriff angedeutet, dass Katar an seiner Rolle als Vermittler im Gaza-Krieg festhalten könnte. Am Tag darauf erklärte er laut CNN, man werde "alles neu bewerten", was Katars Engagement in künftigen Waffenruheverhandlungen betreffe. Man befinde sich in einem "sehr detaillierten Gespräch" mit der US-Regierung, wie es weitergehen soll. Israels Luftangriff in Katars Hauptstadt Doha war international verurteilt worden.