Bastian Saphörster war Kommandant eines Schiffes, das nie auslief. Jetzt beschwert er sich über die Zustände bei der Bundeswehr. Ein Kapitän der deutschen Marine kritisiert die Umsetzung der vom ehemaligen Bundeskanzler Olaf Scholz angekündigten Zeitenwende in der Verteidigungspolitik. Bastian Saphörster war zwei Jahre Kommandant auf der Fregatte "Schleswig-Holstein". Das Meer hat er aber nur vom Land aus gesehen. "700 Tage im Dock, Null Seemeilen", schreibt er auf der Plattform LinkedIn. Das Schiff aus dem Jahr 1994 sollte modernisiert werden, die Arbeiten sind noch immer nicht beendet. "Wie immer hat alles seine guten Gründe, niemand macht etwas 'falsch'", heißt es dort weiter. Das sei aber nicht immer das Richtige. "Wir müssen aber Dinge richtig machen, wenn es mit dieser 'Zeitenwende' auch auf der letzten Truppenebene irgendwann mal losgehen soll", fordert er und gibt seine Zeit auf der "Schleswig-Holstein" als Beispiel an, was für ihn derzeit schief läuft. "Wie viele Weckrufe braucht es?" Er geht mit der Führung im Verteidigungsministerium hart ins Gericht. "Wie viele Weckrufe braucht es, bis wir Fahrt aufnehmen? Reicht es, bestehende Prozesse zu 'optimieren' und zu 'beschleunigen'? Müssen wir die Dinge, die einfach nicht so funktionieren, wie sie müssen, wenn 'Zeit' wirklich der bestimmende Faktor ist, nicht vielmehr grundsätzlich in Frage stellen?", fragt er. Ein Kommentator schrieb unter seinen Bericht: "Wie soll das im Einsatzfall funktionieren? Da ist die Marine in drei Tagen vernichtet". Volker Hesse, der mit seiner Firma Entwicklungswerft an der Fregatte "Baden-Württemberg "mitgebaut hat, gab dem Kapitän recht: "Wir müssen eingetretene Pfade verlassen. Dort gibt es jedoch keine Blaupause (der Pfad der Genehmigungsfähigkeit muss erstmals beschritten werden). Darin sind wir leider gar nicht gut', schrieb er auf LinkedIn. Bundeswehrverband: "Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit" Der Marine-Chef beim Deutschen Bundeswehrverband, Fregattenkapitän Marco Thiele, sagte der "Bild"-Zeitung: "Diese Geschichte zeigt, dass die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit immer noch weiter wächst." Er fordert, dass die Bundesregierung schnell für Verbesserungen sorgen solle. Als Saphörster im Oktober 2023 seinen Dienst auf der Fregatte mit dem Spitznamen "Sophie-X" antrat, sollte er die Umrüstung zu einem Typschiff der Klasse F123B übernehmen. Der Geschwaderkommandeur, Kapitän zur See Olliver Pfenning, ahnte wohl bei der Begrüßung schon, welche Aufgabe da auf den Kameraden wartet. Er wies, so ein Bericht des Marineforums von der Übergabe an Saphörster, auf das "unabdingbare Erfordernis hin, einsatzbereite Schiffe wieder schneller und planbar durch eine Werftliegezeit zu bringen". Aufgabe von Saphörster sei es, dieses wichtige neue Waffensystem in Fahrt zu bringen und dabei die Moral der Besatzung hochzuhalten. Saphörster verabschiedete sich jetzt von der Fregatte, die noch immer in der Werft liegt, und ihrer Besatzung. "Meiner nun ehemaligen Besatzung wünsche ich von Herzen alles Gute, Geduld, ein starkes Nervenkostüm und möglichst bald die so verdiente Belohnung, wieder gemeinsam mit der Sophie-X in See stehen zu können." Der Kapitän wird nach seiner langen Wartezeit jetzt doch in See stechen können. Er wird auf der Fregatte "Baden-Württemberg" Dienst tun.