Es gibt wieder frisches Krimimaterial. Der neue "Tatort" liefert einen erschütternden Einstieg in die Saison – auch wenn die Zuschauer zunächst auf eine Geduldsprobe gestellt werden. Eine "Tatort"-Kritik von Maria Bode In einem zwei Meter tiefen Loch in einer Nürnberger Flussaue wird eine Leiche gefunden. Es ist der Fahrradhändler Andreas Schönfeld (Benjamin Schaefer), der zwei Jahre lang als vermisst galt. Er war musikalisch, lebensfroh und überall geschätzt. Es dauert im Film über eine halbe Stunde, bis die Ermittelnden auf ein dunkles Geheimnis des Mordopfers stoßen – erst dann entspinnt sich eine mitreißende Erzählung. So startet die neue "Tatort"-Saison mit einem gelungenen Fall, aber auch mit einigen Wermutstropfen: Nachdem der Krimi zunächst quälend lange von Kommissar Voss' (Fabian Hinrichs) Schulterverletzung erzählt, bringt dessen Chef Dr. Kaiser (Stefan Merki) die Wende. Er gibt seinem Ermittler die Kontaktdaten von Fred (Sigi Zimmerschied), der als sein Chauffeur agieren soll. Fred ist eine willkommene Unterstützung. Er sorgt mit seinen trockenen Aussagen für Schmunzler und bringt frischen Wind in das Team, das erstmals ohne Hauptkommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) ermittelt. Nicht nur seine Gesundheit bereitet Voss Sorgen. Auch der Fall geht ihm spürbar nahe. "Das ist doch alles nicht okay. Kein schlechtes Wort. Nicht einen Streit, mit niemandem. Das ist, als ob er eine Mauer des Guten um sich herum gebaut hat, undurchdringlich", sagt er zu seiner Kollegin Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid). Sein Kopf spiele verrückt, weil er den Toten nicht zu fassen bekomme. Voss ist sicher: "Irgendwas stimmt mit diesem Menschen nicht. Kein Mensch ist so gut, dass er immer nur an andere denkt. Kein Mensch." Eli Wasserscheid: Er ist der berühmte Partner des "Tatort"-Stars Miroslav Nemec: Die berühmten Ex-Partnerinnen des "Tatort"-Stars Er soll recht behalten. Denn bei einer Hausdurchsuchung nach dem Suizid von Schönfelds Mutter tauchen Fotos auf einer Speicherkarte auf. Tausende Fotos von unzähligen Frauen. Aufgenommen in Paparazzimanier. Zudem deckt das Team eine Lüge auf. Was steckt dahinter? Und was hat die blinde Lisa Blum (Mavie Hörbiger) mit alledem zu tun? Allmählich reißt der Fall mit. Der Blick auf das Opfer verändert sich radikal und kann beim Publikum Gefühle des Ekels und der Abscheu auslösen. Lohnt sich das Einschalten? Auf jeden Fall. Zumindest für die Geduldigen unter den "Tatort"-Fans. Aber "Ich sehe dich" ist nichts für schwache Nerven. Erfreulich ist, dass Wanda Goldwasser in dem Fall stärker in Erscheinung tritt. Ein weiteres Highlight ist Mavie Hörbiger in der Rolle der Lisa Blum. Übrigens: Schon im nächsten "Tatort" aus Franken hat Voss wieder eine Partnerin an seiner Seite: die energiegeladene Kriminalhauptkommissarin Emilia Rathgeber aus Oberbayern , gespielt von Rosalie Thomass. Der "Tatort: Ich sehe dich" läuft am 14. September 2025 um 20.15 Uhr im Ersten. Außerdem ist der Fall in der ARD-Mediathek verfügbar.