Vor den Wahlen im Oktober eint die niederländische Aktivistin Els Rechts Rechtsextreme von der Anti-Corona-Szene bis zu Hooligans. Der Geheimdienst ist besorgt. Sicherheitsexperten in den Niederlanden sind alarmiert. "In verschiedenen Chatgruppen konnten wir sehen, wie die Sprache extremer wurde. Gesagt wurden Dinge wie: 'Wir werden diese linken Ratten zerschlagen, Heil Hitler.' – 'Wir werden beenden, was Hitler begonnen hat.'", sagte Jelle Postma dem Sender NOS. Der ehemalige Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes AIVD leitet die Stiftung Prosperity for Justice, die sich mit rechtsextremer Gewalt in den Niederlanden befasst. Sein Fazit vor der Wahl am 29. Oktober: "Es gibt die reelle Chance, dass Einzelne in diesen Gruppen sich schnell radikalisieren." Eine Vorahnung davon erlebten die Niederlande am vergangenen Wochenende. Hunderte Rechtsextreme forderten in Den Haag eine Verschärfung des Asylrechts. Aufgerufen zur Kundgebung hatte die Aktivistin Els Rechts. Um die Hüfte trug sie eine Banderole in den Farben Orange, Weiß, Blau. Die sogenannte Prinsesvlag – Prinzenflagge – steht für den niederländischen Aufstand gegen die Habsburger im 16. Jahrhundert, aber auch für die Partei der niederländischen Nationalsozialisten NSB in den 1930er-Jahren. Die Gewalt in Den Haag eskalierte . Polizeiautos fingen Feuer, ein Büro der linksliberalen Partei D66 wurde verwüstet. Beschluss: Wilders lässt Antifa auf Anti-Terror-Liste setzen Koalitionsbruch: Wilders steigt aus Regierung aus Wer ist die Frau, die vor den Wahlen im Oktober selbst der Verfassungsschutz in den Niederlanden fürchtet? Els Rechts: Ihre Vorbilder sind Wilders und Trump Els Rechts heißt eigentlich Els Noort. Die 26-Jährige gibt wenig über sich preis und ist vor allem in sozialen Medien aktiv. Dort lässt sie wissen, sie "dankt Gott dafür, rechts zu sein" und nennt als politische Vorbilder Geert Wilders und US-Präsident Donald Trump . Die Aktivistin hatte zur Demo in Den Haag aufgerufen. Nach den Ausschreitungen gab sie sich unschuldig und schrieb auf der Plattform X: "Ich wollte eine friedliche Demo." Zugleich beschwichtigte sie: "Geert Wilders hat damit nichts zu tun." Doch nannte sich Els Rechts zuvor in den sozialen Medien Els PVV, nach der Partei des Rechtspopulisten Wilders. Sie sei parteilich nicht gebunden, gab sie zu Protokoll. Doch wurde sie laut "NRC Handelsblad" im Parlament von einem PVV-Abgeordneten empfangen. Auch Wilders habe sie mehrfach getroffen, berichtete die Zeitung. Die Erklärung der rechten Aktivistin war denkbar einfach: "Ich wollte eine friedliche Demo. Nicht geglückt, auch durch die Aktionen eurer Antifa", schrieb sie auf X. Die politische Stimmung in den Niederlanden vor den vorgezogenen Neuwahlen spitzt sich zu. Die Szene: Hooligans und Corona-Leugner Schon während der Corona-Proteste machte die Koalition der extremen Rechten in den Niederlanden mobil. Ebenso bei den gewaltsamen Ausschreitungen gegen stärkere Klimaauflagen für die Landwirtschaft vor drei Jahren. "Defend Nederland" oder "Defend Holland" war damals auf vielen schwarzen T-Shirts zu sehen. So wie zuletzt bei der Demo in Den Haag. Ein schwarzer Block von Rechtsaußen mit Verbindungen in die niederländische Reichsbürgerszene marschierte dort auf. Parallel waren Hooligans verschiedener Fußballvereine gekommen. Über Klubgrenzen hinaus gab es Aufrufe, Fanstreitereien ruhen zu lassen. "Club rivaliteit aan de kant, Red Nederland" war dort zu lesen. Frei übersetzt etwa: "Klubrivalitäten an die Bande, rettet die Niederlande." Ein Sprecher des Verfassungsschutzes AIVD hatte in der Zeitung "NRC Handelsblad" schon vor drei Jahren gewarnt: "Wenn die extreme Rechte und Hooligans enger zusammenarbeiten, wird es massiver und möglicherweise gewalttätiger." Geheimdienste: Sorgenvolle Analyse Die Sicherheitsbehörden in den Niederlanden sind besorgt. Nach dem Vorbild des britischen Ex-Hooligans Tommy Robinson, der Anfang September in London mehr als 100.000 Menschen auf die Straße brachte, beobachten sie auch in den Niederlanden eine gefährliche Annäherung der Anti-Corona-Szene, der Anhängerschaft von Verschwörungstheorien und gewaltbereiten Fußballfans. Von einer "breiteren anti-institutionellen Bewegung" schrieb der Inlandsgeheimdienst AIVD im Jahresbericht 2024 und hielt fest: "Die anhaltende Krise radikalisierter Verschwörungstheoretiker und ihre ständigen Fantasien von einer gewaltsamen Konfrontation mit 'der Elite' können den Weg zur Gewalt ebnen." Debatte: Blick auf die Wahl im Oktober Die Ausschreitungen in den Niederlanden erfolgten kurz vor den Parlamentswahlen am 29. Oktober. "Es braucht Politiker, die die Brücke schlagen", sagte D66-Chef Rob Jetten, als er das bei der Demo zerstörte Büro seiner Partei in Den Haag besuchte. Der rot-grüne Spitzenkandidat Frans Timmermans erklärte: "Das ist die Folge von Hetze und Hass." Beide blickten dabei auf Rechtspopulist Geert Wilders. Der lehnte jede Verantwortung ab. Zum Wochenausgang diskutierte das Parlament in Den Haag in einer Sondersitzung über die Vorgänge. Wilders gab sich unschuldig. Erst in der Vorwoche hatte er im Parlament einen Antrag durchgebracht, die antifaschistische Bewegung Antifa auf die Terrorliste zu setzen. Überraschend hatte auch die rechtsliberale Partei VVD von Ex-Premier Mark Rutte der Initiative zugestimmt, die bis zum Scheitern der Regierung mit Wilders koaliert hatte. Und so verwies Jetten auf "die Zentrumsparteien, die Wilders an die Macht gebracht haben". Jelle Postma von der Stiftung "Prosperity for Justice" warnte im Sender NOS: "Rechtsextremisten fantasieren zunehmend offen über Anschläge und Schädigungen anderer, ohne groß darauf zu achten, wer mitliest."