Die Bundesregierung sucht nach Lösungen, um die Finanzen der Pflege- und Krankenversicherung zu sichern. Eine Abschaffung von Pflegegrad 1 steht wohl weiter im Raum. In der Pflegeversicherung fehlen nach aktuellen Berechnungen für das Jahr 2026 um die drei Milliarden Euro. Bei den gesetzlichen Krankenkassen werden ähnliche große Finanzlücken beklagt. Die Bundesregierung möchte verhindern, dass Pflege- und Krankenkassenbeiträge zum Jahresbeginn erneut ansteigen . Bisher ist aber nicht klar, wie das kurzfristig ohne zusätzliche Mittel aus dem Bundeshaushalt gelingen soll. Mitte Oktober sollen Entscheidungen fallen Und die Uhr tickt: Mitte Oktober trifft sich der sogenannte Schätzerkreis, der berechnen soll, wie hoch die Beitragssätze rein rechnerisch ausfallen müssten. Zum 1. November werden dann die offiziellen Sätze auch aus dem Bundesgesundheitsministerium mitgeteilt. Am Wochenende berichtete die "Bild"-Zeitung von einem Vorschlag zur Konsolidierung in der Pflegeversicherung, der angeblich im Gesundheitsministerium diskutiert wird: die Streichung des 2017 eingeführten Pflegegrads 1 . Die SPD dementiert zwar, dass eine solche Leistungskürzung geplant sei, aber wie die "FAZ" berichtet, gehört in der Tat eine Teilabschaffung wohl zu den Empfehlungen von Experten, die die Gesundheitsministerin in diesen Fragen beraten soll. Viele Menschen mit Pflegegrad 1 brauchen keine Haushaltshilfe Wie die Zeitung berichtet, stammt der Vorschlag aus einem Papier einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe mit dem Namen "Zukunftspakt Pflege", dessen Ergebnisse am 13. Oktober vorgelegt werden sollen. Demnach soll der Pflegegrad 1 nicht gänzlich gestrichen werden. Geprüft werden solle aber, ob die Auszahlung der finanziellen Mittel wirklich sinnvoll sei. So würden der "FAZ" zufolge Gutachter immer wieder feststellen, dass Betroffene mit Pflegegrad 1 keine professionelle Unterstützung benötigen und selbst weiter putzen, kochen und einkaufen. Diejenigen, die unterstützt werden müssten, würden häufig von Angehörigen betreut. In dem Papier heiße es sogar, dass 36 Prozent der Betroffenen gar keine Leistungen aus der Pflegeversicherung benötigten. Lesermeinung : "Die Streichung von Pflegegrad 1 ist überfällig" Kommentar : Die SPD erstickt jede Debatte im Keim Kurzum: Die 131 Euro im Monat würden vorrangig als finanzielle Unterstützung im Alltag betrachtet, was aber nicht Sinn und Zweck der Leistung ist. Diskutiert wird nun, ob man daher diese monatlichen Zahlungen streicht. Auf Antrag könnten Betroffene aber weiterhin Zuschüsse für Pflegehilfsmittel oder Umbaumaßnahmen erhalten. Pflegebeiträge müssten um 0,1 Prozent angehoben werden Das kann aber nicht die einzige Sparmaßnahme bleiben, denn allein damit werden keine zwei bis drei Milliarden Euro eingespart. Die Finanzlücke in der Pflegeversicherung soll bis 2029 sogar auf zwölf Milliarden Euro anwachsen – da müssen auch andere Vorschläge her. Sollten die Beiträge doch angehoben werden, dann geht das Gesundheitsministerium aktuell von einer Anhebung des Beitragssatzes um 0,1 Prozent aus. Vor einem Jahr wurde der Pflegebeitrag um 0,2 Punkte angehoben : auf 3,6 Prozent des Bruttolohns. Bei den gesetzlichen Krankenkassen entscheidet nicht der Gesetzgeber, sondern dies tun die individuellen Kassen selbst. Im Schnitt liegt er 2025 bei 17,5 Prozent des Bruttolohns, könnte im kommenden Jahr aber auf 17,7 oder 17,8 Prozent steigen.