Im Reichsbürger-Prozess ist eine Angeklagte gestorben. Ihr Fall beschäftigt aber weiter die Justiz. Der Anwalt der Verstorbenen reichte Strafanzeige ein. Eine mutmaßliche Angehörige der Reichsbürger-Gruppe um Heinrich Prinz Reuß ist tot. Das teilte ein Sprecher des Münchner Oberlandesgerichts (OLG) mit. Zuvor hatten die "Badischen Neuesten Nachrichten" über den Todesfall berichtet. Demnach starb die Angeklagte Ruth Hildegard L. am Montag in einer Klinik in Heilbronn . Die selbsternannte Astrologin L. war in der Gruppe um Reuß für das Ressort "Transkommunikation und Spiritualität" zuständig. Innenministerium: So gefährlich sind die Reichsbürger Interview: Esoterik in der Reichsbürger-Szene Das Verfahren gegen L. war im Juli abgetrennt worden, weil die Angeklagte schon damals nicht verhandlungsfähig war. Zudem wurde sie aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Hauptverhandlung gegen ihre Mitangeklagten wurde ohne sie fortgesetzt. Anzeige gegen bayerische Justiz Die Bundesanwaltschaft hatte L. zusammen mit sieben weiteren Beschuldigten in München angeklagt. Im Juni 2024 startete dort einer von bundesweit drei Prozessen gegen die Reichsbürger-Gruppe um Heinrich Prinz Reuß. Diese war nach einer Anti-Terror-Razzia Ende 2022 aufgeflogen. Die insgesamt gut zwei Dutzend Beschuldigten sollen einen gewaltsamen Umsturz der Bundesregierung geplant und dabei auch bewusst Tote in Kauf genommen haben. Als Oberhaupt einer neuen Staatsform hätte Heinrich XIII. Prinz Reuß fungieren sollen. L. hatte zentrale Anklagevorwürfe gegen sie zu Beginn des Verfahrens zurückgewiesen. In einer von ihren Anwälten verlesenen Erklärung bestritt sie insbesondere, eine terroristische Vereinigung mitgegründet zu haben und gezielt Kontakte zur Ausspähung des Bundestages vermittelt zu haben. Zudem wies sie zurück, dass die Gruppe einen Umsturz vorbereitet habe: "Wir hatten keinen Putsch geplant." Beendet ist die Auseinandersetzung mit der Justiz durch den Tod der selbsternannten Astrologin aber nicht. Ihr Anwalt Marc Jüdt erhob in den "Badischen Neuesten Nachrichten" schwere Vorwürfe gegen die Justizvollzugsanstalt Aichach, in der L. in Untersuchungshaft saß. Er habe Strafanzeige unter anderem wegen Körperverletzung im Amt und unterlassener Hilfeleistung gegen Verantwortliche der JVA gestellt. Die Anstaltsärzte hätten "erhebliche Krankheitssymptome" seiner Mandantin ignoriert, so der Anwalt.