Der Tabakkonsum in Deutschland sinkt seit Jahren. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Produktion. Reemtsma trennt sich von seinem Werk in Niedersachsen, 640 Jobs stehen auf der Kippe. Der Tabakkonzern Imperial Brands will sich von seinem Reemtsma-Werk in Langenhagen bei Hannover trennen. Der Konzern beabsichtige, die Produktion an dem Standort einzustellen, kündigte das Unternehmen an. Der Standort solle entweder verkauft oder geschlossen werden. Die Optionen sollten nun sorgfältig geprüft werden. Betroffen sind den Angaben zufolge 640 Mitarbeiter. Das Unternehmen begründete die Entscheidung mit hohen Produktionskosten und unzureichender Auslastung. Langenhagen sei davon besonders stark betroffen. Das Werk wurde 1971 eröffnet. Neben klassischen Fabrikzigaretten und Feinschnitttabak werden dort aktuell auch sogenannte Tabaksticks für Tabakerhitzer produziert. Pleite: Matratzen Direct rutscht in die Insolvenz Raucheratlas: So viele Menschen sterben am Tabak-Genuss "Rückläufige Volumina, hohe Produktionskosten und herausfordernde regulative Hürden machen ein Produktionsende in Langenhagen leider alternativlos", sagte Reemtsma-Vorstand Rémi Guillon. Hintergrund seien rückläufige Produktionsmengen im klassischen Tabaksegment. Die Entscheidung sei Ergebnis einer Überprüfung des weltweiten Fertigungsnetzwerks von Imperial Brands mit Blick auf die erneuerte Unternehmensstrategie bis 2030. Gewerkschaften lehnen Verkauf ab Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kündigte Widerstand gegen die Pläne an. "Die NGG wird es nicht zulassen, dass dieser traditionsreiche Standort mal eben so abgewickelt wird", sagte Lena Lange, NGG-Geschäftsführerin der Region Hannover. Als letztes Reemtsma-Werk in Deutschland komme dem Standort eine besondere Bedeutung zu. Laut NGG plant Reemtsma eine Verlagerung der Produktion ins Ausland. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen rauchten in Deutschland im vergangenen Jahr 22,7 Prozent der 18- bis 64-Jährigen, das entspricht 11,6 Millionen Menschen. "Junge Generation zeigt wachsendes Gesundheitsbewusstsein" Dabei ist der Anteil der Rauchenden in der erwachsenen Bevölkerung seit Jahren rückläufig. Auch bei Jugendlichen ist demnach ein deutlicher Rückgang in der Raucherquote zu beobachten. Der Anteil der rauchenden 12- bis 17-Jährigen hat sich in den letzten fünfzehn Jahren erheblich reduziert. Er ist von 27,5 Prozent im Jahr 2001 auf 6,8 Prozent im Jahr 2023 gesunken. "Die aktuelle junge Generation zeigt ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein – dieses Potenzial müssen wir stärken und fördern", lobte Hendrik Streeck , der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, zuletzt bei der Vorlage des "Tabakatlas 2025". Demnach betrugen die Einnahmen aus der Tabaksteuer im Vorjahr rund 15,6 Milliarden Euro. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Tabakkonsum, etwa durch Krebs oder andere Folgeerkrankungen, liegt bei 97,2 Milliarden Euro. "Täglich sterben in Deutschland rund 350 Menschen an den Folgen des Rauchens – viele weitere erkranken schwer", warnte Streeck.