Frankreich hat einen Tanker festgesetzt, der mutmaßlich der russischen Schattenflotte angehört. Jetzt erhebt Russlands Präsident schwere Vorwürfe. Wladimir Putin hat Frankreich vorgeworfen, einen russischen Tanker in neutralen Gewässern grundlos beschlagnahmt zu haben. "Der Tanker ist in neutralen Gewässern ohne jegliche Rechtfertigung beschlagnahmt worden", sagte der russische Präsident am Donnerstag im Schwarzmeerort Sotschi. Es habe sich keine militärische Fracht an Bord befunden. Den Vorgang bezeichnete er als "Piraterie". Hintergrund ist die Festsetzung des Tankers "Boracay" durch die französische Marine am vergangenen Samstag. Das Schiff war vor der bretonischen Insel Île d'Ouessant kontrolliert worden, nachdem es laut Staatsanwaltschaft Brest keine klare Flaggenzugehörigkeit auswies und Anweisungen der Behörden nicht befolgte. Aktuell ankert das Schiff vor dem westfranzösischen Hafen Saint-Nazaire. Russische Nato-Provokationen : Es nimmt kein Ende Verteidigung gegen Drohnen : "Es passt ins Bild" Kapitän muss sich vor Gericht verantworten Der Kapitän der "Boracay" muss sich nun vor einem französischen Gericht verantworten. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, offizielle Anweisungen missachtet und keinen Nachweis über die Nationalität des Schiffs erbracht zu haben. Die Vorermittlungen gegen den Ersten Offizier wurden eingestellt. Laut Staatsanwaltschaft fährt das Schiff nach internationalem Recht unter keiner anerkannten Flagge. Wie es mit der "Boracay" weitergeht, ist derzeit offen. Das Schiff war zuvor unter dem Namen "Pushpa" bekannt, hat laut Ermittlern russischen Ursprung und verließ am 20. September den russischen Hafen Primorsk. Es befand sich offenbar auf dem Weg nach Indien und transportierte Öl. Mutmaßlich ist es Teil der sogenannten russischen "Schattenflotte", mit der Moskau westliche Ölsanktionen zu umgehen versucht. Sowohl die EU als auch Großbritannien führen die "Boracay" auf ihren Sanktionslisten. Verbindung zu Drohnen-Störungen? Zudem wird möglichen Verbindungen zu Drohnenstörungen in Dänemark nachgegangen. Das Schiff sei durch dänische Gewässer gefahren, als es an mehreren Flughäfen zu Drohnenüberflügen kam. Die dänischen Behörden sprechen von einem "fähigen Akteur" mit den nötigen technischen Mitteln und dem Ziel, Unruhe in einem Nato-Land zu stiften. In dänischen Medien wurde auch die "Boracay" namentlich als mögliches verdächtiges Schiff genannt. Ob sie damit in Zusammenhang steht, ist unklar. Der Kreml wies entsprechende Verdächtigungen als "bodenlos" zurück. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte kürzlich betont, dass die russische Schattenflotte ein zentraler Bestandteil des russischen Geschäftsmodells sei. "Daher ist es wichtig, Druck auf sie auszuüben", sagte Macron beim EU-Gipfel in Kopenhagen .