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Hai-Attacken: Wie viel Wahrheit steckt im Mythos?

Haie gibt es seit Hunderten Millionen Jahren – sie haben fünf Massenaussterben der Erdgeschichte überlebt. Der Paläontologe John Long erklärt im Interview, warum sie dennoch bedroht sind. Vor 50 Jahren kam Steven Spielbergs "Der weiße Hai" in die Kinos und löste weltweit eine Mischung aus Faszination und Angst aus. Der Film prägte ganze Generationen und schuf zugleich ein verzerrtes Bild vom größten Raubfisch der Ozeane. Im Gespräch mit t-online erzählt der australische Paläontologe und Haiforscher John Long, welche Konsequenzen der Film nach sich zog, wie er selbst seine Angst vor Haien ablegte – und welche Lehren wir heute aus Millionen Jahren Hai-Evolution ziehen können. t-online: In Europa begegnen die Menschen Haien eher selten. Viel öfter aber lesen sie in den Medien von Angriffen im fernen Australien . Long: Das ist fast überall auf der Welt so. Viele glauben bis heute an die Erzählung, Australien sei ein Ort, an dem dich früher oder später etwas umbringt. Vor allem in den USA hört man das oft: Haiangriffe, Schlangenangriffe, Krokodilangriffe – das sind Schlagzeilen, die sogar die "New York Times" bringt. Was ist das größte Missverständnis über Haie? Das Wort "Haiattacke" wird in den Medien oft irreführend benutzt. Es impliziert Vorsatz und Aggression. Haie sind wilde Tiere: Sie jagen nach Nahrung. Weiße Haie sind meist nomadisch, sie folgen den Nahrungsquellen – Robbenkolonien, Thunfischwanderungen. Menschen geraten dabei manchmal zufällig dazwischen. Dann kommt es zu einer negativen Begegnung, aber die Tiere attackieren meist nicht gezielt. Ein weiterer Punkt, den ich auch in meinem Buch "The Secret History of Sharks" ("Die geheime Geschichte der Haie") beschreibe: Wir haben viel darüber gelernt, wie Haie ihre Beute schmecken. Wussten Sie, dass viele Arten Geschmacksknospen hinter den Zahnreihen haben? Nein, das wusste ich nicht. Sie beißen zu, um ihre Beute zu probieren. Die meisten Todesfälle bei Hai-Begegnungen passieren so: Ein Hai beißt einmal zu, schwimmt dann weg – und das Opfer verblutet im schlimmsten Fall. Nur in seltenen Fällen kommen Haie zurück, um den Menschen zu töten. Normalerweise handelt es sich um einen einzigen, verirrten Biss. Also hat der Film "Der Weiße Hai" vieles falsch dargestellt. Es gibt keinen einzigen Nachweis für einen Weißen Hai, der mehr als eine Person getötet hat. Sie sind nicht lange territorial, sondern bleiben nur dort, wo es Nahrung im Überfluss gibt. Deshalb sind die Neptune Islands (in Südaustralien) mit ihren rund 30.000 australischen Seebären der beste Ort, um sie zu beobachten. Junge Weiße Haie fressen zunächst Fische, später wechseln sie zu energiereicher Beute wie Robben oder Wale. Was ist noch falsch wiedergegeben? Ein weiteres gutes Beispiel ist die Größe: Im Roman "Der Weiße Hai" war das Tier etwa sechs Meter lang – das entspricht der maximal bekannten Länge. Für den Film machten sie ihn mit 7,5 Metern noch größer als jeden heute lebenden Weißen Hai. Prähistorische Haie dagegen waren tatsächlich gigantisch: Der ausgestorbene Urhai Megalodon wird heute auf mindestens 20 Meter Länge geschätzt. Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als "Der Weiße Hai" ("Jaws") 1975 in die Kinos kam? Natürlich. Viele Australier – auch ich – dachten nach dem Film: 'Ins tiefe Wasser gehe ich nicht mehr.' Damals gab es keine Hainetze oder Trommelleinen an den Stränden. Flugzeuge patrouillierten die Küste und lösten Sirenen aus, wenn ein Hai gesichtet wurde. Ich erinnere mich an einen Tag am Strand von Frankston in der Port Phillip Bay (nahe Melbourne) : Da war ein dunkler Schatten im flachen Wasser, vermutlich ein kleiner Hai. Viele Leute verließen das Wasser sofort, aber es gab keine Panik. Haie sind immer da, immer präsent. Heute habe ich ein ganz anderes Verhältnis zu ihnen. Ich bin nicht nur mit Weißen Haien getaucht, sondern auf Lord Howe Island , wo ich meinen Tauchschein gemacht habe, frei mit Galapagoshaien geschwommen. Sie hatten als Kind also Angst vor Haien? Ja, das war früher in Australien ganz normal. Jeder Hai-Vorfall im Land war ein großes Medienthema, wurde im Fernsehen und in allen Zeitungen ausgebreitet, lange bevor es soziale Medien oder Smartphones gab. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts kam es zu einigen schrecklichen Angriffen, bei denen Menschen getötet wurden. 50 Jahre "Der Weiße Hai": Der wahre Schrecken kam danach Leben wir noch immer im kulturellen Schatten von "Der Weiße Hai"? Absolut. Auch wenn viele Menschen heute bewusster mit Haien umgehen und wir durch Dokumentationen, Bücher und Ausstellungen viel mehr über sie wissen – der Schatten ist geblieben. Dabei sind Haiangriffe selten. Genau. Laut den International Shark Attack Files gab es 2023 weltweit zehn tödliche Vorfälle, die unprovoziert waren, vier davon in Australien – drei allein an der Eyre-Halbinsel in Südaustralien. Mit "Der Weiße Hai" begann auch ein regelrechter Haifangboom in Nordamerika: Sportfischer und kommerzielle Flotten jagten die Tiere gezielt. Hatte das Folgen? Die Populationen vieler großer Haiarten im Nordwestatlantik sind danach um etwa 80 Prozent zurückgegangen – in anderen Regionen weniger stark. Das Problem war auch: Wir wussten damals kaum etwas über ihre Fortpflanzung. Heute wissen wir: Weiße Haie etwa benötigen 26 bis 33 Jahre, bis sie geschlechtsreif werden. Weibchen bringen meist nur vier oder fünf Jungen zur Welt, während andere Arten wie Walhaie bis zu 300 Jungen haben. Bis sich die Populationen der Weißen Haie erholen, dauert es also sehr lange. Die Vor-"Jaws"-Bestände haben sich bis heute nicht erholt. Der Film war nicht nur unterhaltsam, sondern hatte reale Konsequenzen. Es gibt eine großartige neue Doku darüber, "Jaws at 50". Darin spricht Spielberg offen über alles, was er an dem Film bereut. Die Produktion hat ihn fast gebrochen – er litt danach unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die Doku zeigt, wie schwer die Dreharbeiten waren, aber auch, wie wenig man damals über Haie wusste. Weiße Haie sind vom Aussterben bedroht. In Australien sind sie geschützt, weltweit aber nicht. Genau. In vielen Regionen gibt es keinen Schutz, und Überfischung bleibt eine große Bedrohung – zumal auch ihre Beutetiere überfischt werden. Denken Sie an Wale: Sie waren fast ausgerottet und erholen sich erst seit dem Walfangverbot. In Australien endete der Walfang erst 1978 – drei Jahre nach "Der Weiße Hai". Die höchste Artenvielfalt erreichten Haie vor etwa 50 Millionen Jahren – verglichen mit 460 Millionen Jahren Evolutionsgeschichte ist das gar nicht so lange her. Seither geht es mit ihnen bergab. In Ihrem Buch beschreiben Sie die Evolution der Raubfische. Was hat Sie bei Ihren Recherchen am meisten fasziniert? Als Paläontologe, der sich auf fossile Fische spezialisiert hat, wurde mir erst beim Schreiben meines Buches – nach vier oder fünf Jahren intensiver Recherche – wirklich klar: Haie sind die einzige Gruppe von Kieferwirbeltieren, die alle fünf großen Massensterben der Erdgeschichte überlebt haben. Und sie existieren bis heute. Dafür mussten sie sich immer wieder neu erfinden. Was genau macht Haie so widerstandsfähig? Ihre Zahnplastizität ist einzigartig – die genetische Fähigkeit, ganz unterschiedliche Zahnformen zu entwickeln. Zudem werfen sie ständig Zähne ab und bilden neue. Jede Art hat eine charakteristische Zahnform, an der wir sie erkennen können. Ein riesiger Hai von etwa zehn Metern Länge namens "Helicoprion" hatte etwa eine gigantische Zahnspirale, die aus dem Unterkiefer ragte – hoch spezialisiert nur zum Fressen von Tintenfischen. Doch er starb später aus, weil er zu spezialisiert war – ähnlich wie die Dinosaurier. Beim größten Massenaussterben am Ende des Perms vor 252 Millionen Jahren wurden bis zu 96 Prozent aller Arten ausgelöscht. Die Haie, die überlebten, hatten Zähne wie ein Schweizer Taschenmesser: vorn spitz, hinten flach, mahlend, schneidend, zerschneidend. Sie konnten opportunistisch eine breite Palette unterschiedlicher Beute fressen und so bis zum Ende der Erdmittelzeit vor 66 Millionen Jahren überleben. Zu dieser Zeit traten die modernen Haie auf, die schließlich die archaischen Formen verdrängten. Warum ist es so wichtig, dass wir Haie schützen? Haie halten die Ozeane gesund, indem sie für Gleichgewicht sorgen. Ihre Dienstleistungen für das Ökosystem werden oft übersehen. Nehmen Sie Korallenriffe: Sie sind Hotspots der Biodiversität – und dort gibt es die höchste Dichte an Haiarten. Überwiegend kleine Haie wie Bambushaie oder Katzenhaie. Wie halten Haie das Gleichgewicht in solchen Ökosystemen? Viele Fischarten am Riff besitzen kräftige Zahnplatten, mit denen sie Korallen zermahlen und anschließend als feinen Sand ausscheiden. Haie fressen diese Fische und verhindern, dass sie überhandnehmen und ganze Riffe zerstören. Das beste Beispiel habe ich von David Attenborough: Tigerhaie am Ningaloo Riff in Westaustralien. Dort liegen riesige Seegraswiesen, die pro Hektar 30-mal so viel CO2 wie Regenwälder binden. Tigerhaie, die Schildkröten fressen oder vertreiben, sorgen dafür, dass die Tiere die Seegrasflächen nicht überweiden. Auch in der Tiefsee spielen Haie eine Rolle, indem sie Nährstoffe zwischen den verschiedenen Zonen transportieren. Diese Durchmischung von Nahrung und Material von einer Ebene zur anderen ist enorm wichtig – ähnlich wie es Regenwürmer im Boden tun. Sie sagten, dass Sie mit Weißen Haien getaucht sind? Erst vergangenes Jahr habe ich meinen Tauchschein gemacht; dieses Jahr bin ich zum ersten Mal im Bodenkäfig hinuntergestiegen – das war großartig. Waren Sie schon mit den Rodney-Fox-Expeditionen draußen? Vor Port Lincoln in Südaustralien – es ist der einzige Ort der Welt, an dem man Weiße Haie in ihrer natürlichen Umgebung vom Meeresboden aus sehen kann, nicht nur vom Käfig an der Oberfläche. Ich bin dort mit dem Käfig bis auf 25 Meter hinabgetaucht. Wie war das für Sie? Unglaublich – fast eine lebensverändernde Erfahrung. Früher ging ich nie tiefer als bis zur Brust ins Meer, weil ich als Junge, der in Melbourne aufgewachsen ist, Angst vor Haien hatte. Im Käfig zu erleben, wie nah sie kommen und dass sie sich überhaupt nicht für Menschen interessieren, ist faszinierend. Sie konzentrieren sich nur auf den Thunfischköder und Beutefisch, den die Crew ins Wasser wirft. Einen Spitzenprädator in seiner natürlichen Umgebung zu beobachten, ist etwas Besonderes. Wenn Sie den Menschen eine Botschaft über Haie mitgeben könnten? Einige Haie, wie der Grönlandhai, können bis zu 500 Jahre alt werden – das älteste bekannte Wirbeltier der Erde. Wenn ein Tier so lange überleben kann, trotz allem, was Natur und Mensch ihm zumuten, dann können wir viel von ihm lernen. Und die detaillierte Antwort dazu steht in meinem Buch – im Epilog. Herr Long, vielen Dank für das Gespräch.

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