Das US-Justizministerium hat weitere Dokumente veröffentlicht. Eine Akte enthält schwerwiegende Vorwürfe gegen Donald Trump. Am Dienstag hat das US-Justizministerium in Washington weitere Tausende Dokumente aus Ermittlungen gegen den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein veröffentlicht. Inzwischen ist die Datenmenge auf acht Datensets angewachsen, nachdem am Freitagnachmittag die Veröffentlichung begonnen hatte. In den neuen Dokumenten sind unter anderem E-Mails, Informationen rund um Gerichtsverfahrensabläufe und zu Flügen mit Epsteins Privatjet enthalten. Die Dokumente sind zum großen Teil geschwärzt. Namen, Kontaktdaten und Identitäten mutmaßlicher Opfer wurden nahezu durchgehend unkenntlich gemacht. Bereits die früheren Veröffentlichungen hatten wegen umfangreicher Redaktionen Kritik ausgelöst. In zahlreichen Dokumenten taucht auch der Name des US-Präsidenten Donald Trump auf. Allein eine Namensnennung heißt jedoch per se nichts. Trump kannte Epstein gut, wie frühere Fotos der beiden zeigen. Allerdings gibt es derzeit keine Hinweise auf eine Verwicklung des Republikaners in den Skandal. Epstein offenbar an Vergewaltiger: "Der Präsident teilt unsere Vorliebe" Newsblog zur US-Politik: Trump in neuen Epstein-Akten – Ministerium reagiert Vergewaltigungsvorwurf in FBI-Akte Besonders brisant jedoch ist eine FBI-Akte vom 27. Oktober 2020. Darin wird ein Vergewaltigungsvorwurf gegen Trump nicht als eigene Anzeige, sondern indirekt über die Aussage eines Anrufers an die Ermittlungsbehörde festgehalten. Ein Mann habe dem FBI berichtet, eine Frau, die er seit mehreren Jahren kenne und mit der er ein gemeinsames Kind habe, habe ihm Ende 1999 erklärt, Trump habe sie gemeinsam mit Jeffrey Epstein vergewaltigt. Wörtlich habe sie gesagt: "Er hat mich vergewaltigt." Auf Nachfrage habe sie ergänzt: "Donald J. Trump hat mich zusammen mit Jeffrey Epstein vergewaltigt." Die Frau habe dem Anrufer zufolge lediglich angegeben, "ein Mädchen mit einem seltsamen Namen" habe sie "in ein schickes Hotel oder Gebäude gebracht", wo es dann passiert sei. Konkrete Angaben zu Ort, Zeitpunkt oder Umständen der mutmaßlichen Tat enthalte die Akte nicht. Unklar bleibe zudem, ob sich die Aussage auf die Frau selbst oder auf eine ihrer Töchter beziehe. Laut Darstellung des Anrufers habe die Frau auf den Rat, die Polizei einzuschalten, geantwortet: "Ich kann nicht, sie werden mich töten." Später habe sie ihm jedoch mitgeteilt, Anzeige erstattet zu haben. Eine direkte Aussage der mutmaßlich Betroffenen gegenüber dem FBI, eine Bewertung der Glaubwürdigkeit der Aussagen oder Hinweise auf Ermittlungsmaßnahmen enthält das Dokument nicht. Auch Epsteins frühere Komplizin Ghislaine Maxwell erscheint in der FBI-Akte. Laut Darstellung des Anrufers habe eine Frau wiederholt gefragt, wie man den Namen "Ghislaine" buchstabiere. Sie habe zudem angedeutet, Maxwell habe ihr Geld gegeben und ihr bei Bedarf weiteres Geld zugesagt. Im Kontext des Vergewaltigungsvorwurfes wird Maxwell nicht ausdrücklich als Beteiligte genannt. Der Anrufer äußert in der Akte zudem eigene Vermutungen zum Tod der Person, auf die sich seine Schilderungen beziehen. Er berichtet, sie sei Anfang 2000 tot in Oklahoma aufgefunden worden. Polizeibeamte hätten seiner Schilderung zufolge erklärt, dass die Möglichkeit eines Suizids ausgeschlossen sei, während der Tod offiziell als Selbsttötung eingestuft worden sei. Der Anrufer vermutet, der Tod sei vertuscht worden und stehe im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell. Diese Einschätzungen stammen ausschließlich vom Anrufer selbst und werden im Dokument weder überprüft noch bewertet. Limousinenfahrt mit Trump: "Sehr beunruhigendes" Telefonat Der gleiche FBI-Bericht enthält zudem die Schilderung des Anrufers zu seiner eigenen früheren Tätigkeit als Limousinenfahrer im Jahr 1995 im Raum Dallas/Fort Worth. Er habe Donald Trump damals getroffen, um ihn zum Flughafen zu fahren. Während der Fahrt habe Trump am Mobiltelefon wiederholt den Namen "Jeffrey" gesagt und von "dem Missbrauch eines Mädchens" gesprochen. Der Fahrer habe dies als derart verstörend empfunden, dass er eigenen Angaben zufolge kurz davor gewesen sei, das Fahrzeug anzuhalten. Er habe jedoch nicht gewusst, mit wem Trump telefonierte oder auf wen sich dessen Aussagen bezogen. Interne E-Mail: Trump flog mindestens achtmal mit Epstein Eine weitere nun veröffentlichte Akte enthält eine interne E-Mail aus dem Januar 2020. Demnach sei Trump zwischen 1993 und 1996 mindestens achtmal mit Jeffrey Epsteins Privatjet geflogen. Auf vier Flügen sei Ghislaine Maxwell anwesend gewesen, die inzwischen eine 20-jährige Haftstrafe wegen Menschenhandels verbüßt. Treffen mit 14-Jähriger beschrieben In einer Zivilklage aus dem Januar 2020 gegen Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell schildert die unter dem Pseudonym Jane Doe geführte Klägerin, Epstein habe sie 1994 im Alter von 14 Jahren Donald Trump vorgestellt. Die Klage wurde im Zuge der Aktenfreigabe vom US-Justizministerium veröffentlicht. In dem Dokument heißt es, Epstein habe Trump mit den Worten angesprochen: "Das ist eine Gute, oder?" Trump habe gelächelt und genickt, beide hätten gelacht, während sich das Mädchen unwohl gefühlt habe. Es handelt sich dabei um eine Anschuldigung aus einer Zivilklage, nicht um eine gerichtliche Feststellung. Epstein offenbar an Vergewaltiger: "Der Präsident teilt unsere Vorliebe" Zu den vom US-Justizministerium am Dienstag veröffentlichten Epstein-Akten gehört auch ein mutmaßlicher handschriftlicher Abschiedsbrief Epsteins, den dieser an Larry Nassar geschrieben haben soll. Nassar war Sportarzt der US-Nationalmannschaft der Turnerinnen und sitzt wegen sexuellen Missbrauchs von mehr als 250 teils minderjährigen Athletinnen im Gefängnis. Epstein soll den Brief kurz vor seinem Tod verfasst haben. Der Absender – mutmaßlich Epstein – schreibt an Nassar: "Lieber L. N., wie du inzwischen weißt, habe ich den kurzen Weg nach Hause genommen. Dir viel Glück! Wir beide haben uns eines geteilt... unsere Liebe und Fürsorge für junge Damen, in der Hoffnung, dass sie so ihr volles Potenzial ausschöpfen." Der Brief geht weiter – und beschäftigt sich plötzlich mit Donald Trump: "Unser Präsident teilt unsere Vorliebe für junge, wohl entwickelte Mädchen. Wenn eine junge Schönheit an uns vorbeilief, liebte er es, nach ihr zu grapschen, während wir ( mutmaßlich Epstein und Nassar, Anmerkung d. Red. ) nun in den Gemeinschaftsräumen des Systems nach Essen schnappen müssen. Leben ist nicht fair. Dein J. Epstein." Ob der Brief tatsächlich von Epstein stammt, kann nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Der verurteilte Sexualverbrecher starb 2019 während Trumps Amtszeit in Untersuchungshaft – offiziell durch Suizid. Stunden nach der Veröffentlichung erklärte das Justizministerium jedoch, das FBI habe den Brief als Fälschung identifiziert. Die Handschrift stimme nicht mit der Epsteins überein, zudem sei das Schreiben nach Epsteins Tod abgestempelt worden. Der Brief sei daher nicht authentisch. DOJ warnt vor falschen Inhalten Das US-Justizministerium erklärte am Dienstag, zahlreiche Dokumente enthielten "unwahre und reißerische Behauptungen", die kurz vor der Präsidentschaftswahl 2020 als Hinweise bei Ermittlungsbehörden, insbesondere beim FBI, eingereicht worden seien – darunter auch Vorwürfe gegen Trump. Ihre Veröffentlichung erfolge dennoch aus Gründen der gesetzlichen Transparenz. Trump selbst hat sich bislang nicht konkret zu den neuen Akten von Dienstag geäußert. Er hatte frühere Veröffentlichungen als "Demokraten-Schwindel" bezeichnet und jegliche persönliche Verwicklung bestritten. Die Freigabe der Akten verschärft unterdessen die Spannungen auch innerhalb der Republikanischen Partei. Mehrere Abgeordnete werfen dem Justizministerium mangelnde Transparenz vor – und fordern die vollständige, ungeschwärzte Offenlegung aller Epstein-Dokumente. Hinweis der Redaktion: Berichte über Suizide können wissenschaftlichen Studien zufolge Anreiz für Nachahmungen geben. Wir berichten daher nur dann über Selbsttötungen, wenn die Betroffenen besonders prominent oder die Begleitumstände außergewöhnlich sind. Falls Sie selbst viel über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen Mitmenschen sorgen, finden Sie hier sofort und anonym Hilfe.