Heim-WM, Gruppenkopf – und selbst der Präsident spricht vom Titel. Die USA gehen mit neuem Trainer und viel Druck ins Turnier. Was nach Aufbruch klingt, kann schnell kippen. Die USA richten gemeinsam mit Kanada und Mexiko die WM 2026 aus – und stehen sportlich stärker im Fokus als je zuvor. Der Verband hat mit Mauricio Pochettino einen international erfahrenen Trainer verpflichtet, der Kader ist jung, athletisch und in Europas Topligen verankert. Die Erwartung ist klar formuliert: Die Gastgeber wollen keine Statistenrolle haben, sondern oben mitspielen. Die vergangenen drei Weltmeisterschaften endeten im Achtelfinale, nun soll es weitergehen. US-Präsident Donald Trump zeigte sich besonders optimistisch: Auf die Frage, ob die USA den WM-Titel holen könnten, antwortete er gewohnt zuversichtlich und faktenarm: "Nun, ich glaube schon". Die zentrale Frage lautet, wie belastbar Struktur und Spielidee sind, wenn der Heimbonus auf Gegner mit Turniererfahrung trifft und Spiele kippen können. So haben sich die USA für die Weltmeisterschaft qualifiziert Die USA sind als Co-Gastgeber automatisch für die WM 2026 qualifiziert und wurden als Gruppenkopf gesetzt. Eine klassische Qualifikation entfiel. Stattdessen nutzte der Verband die Jahre 2024 und 2025 zur strategischen Neuausrichtung. Nach dem Trainerwechsel stand weniger der kurzfristige Erfolg im Vordergrund als die Entwicklung klarer Abläufe und Hierarchien im Kader. Auf die Probe gestellt wurden die USA beim Gold Cup im Sommer 2025, dem nord- und mittelamerikanischen Pendant zur Europameisterschaft. Dabei scheiterte Pochettinos Auswahl im Finale an Mexiko. Sowohl im Gold Cup als auch bei Testspielen überzeugten die US-Amerikaner mit einem physischen und athletischen Spiel. Sie pressten hoch und spielten offensiv. Gegen tief stehende Gegner fehlte es zeitweise an Geduld und Präzision. Genau diese Balance soll bis zur Heim-WM gefunden werden. Das sind die Gegner der USA bei der WM 2026 Die USA treten in Gruppe D an. Alle Vorrundenspiele finden im eigenen Land statt. Paraguay – Los Angeles (Inglewood), 12. Juni, 3 Uhr (deutscher Zeit): Paraguay ist der Auftaktgegner – und zugleich ein direkter Maßstab. Das Team agiert kompakt, zweikampfstark und vertikal. In der Defensive zieht sich Paraguay häufig in ein tiefes Mittelfeldpressing zurück, verengt die Halbräume und wartet auf Fehler. Im Testspiel im November (2:1 für die USA) zeigte sich dieses Muster deutlich: Die USA hatten mehr Ballbesitz, taten sich aber schwer, klare Chancen aus dem Spiel heraus zu kreieren. Beide US-Treffer fielen nach Umschaltsituationen und Standards. Für die WM wird entscheidend sein, ob die Gastgeber Lösungen gegen genau diese Spielweise finden. Australien – Seattle, 19. Juni, 21 Uhr: Australien bringt Turniererfahrung, Physis und hohe Laufbereitschaft mit. Die "Socceroos" akzeptieren lange Phasen ohne Ball und setzen konsequent auf zweite Bälle, Flanken und Standardsituationen. Auch hier wird gefragt sein, ob die USA den tiefen Block knacken können. Uefa-Play-off-Team – Dallas, 25. Juni, 4 Uhr (MEZ): Der dritte Gegner wird zwischen der Türkei, Rumänien, der Slowakei und dem Kosovo ermittelt. Die Türkei steht für individuelle Qualität und Tempo, ist defensiv aber anfällig. Rumänien agiert strukturiert und diszipliniert, wartet auf Fehler. Die Slowakei überzeugt durch Ordnung, Physis und Spielkontrolle. Kosovo bringt Athletik und Intensität, schwankt jedoch in der Konstanz. Für die USA ist dieses Spiel die vielleicht größte Prüfung der Gruppe. Das sind die wichtigsten Spieler des "USMNT" Christian Pulisic (AC Mailand, Marktwert rund 40 Mio. Euro*): Kapitän, Taktgeber und Gesicht des Teams. Pulisic sucht Eins-gegen-Eins-Situationen, beschleunigt das Spiel und übernimmt Verantwortung. Chris Richards (Crystal Palace, Marktwert 25 Millionen Euro): Der ehemalige Bayern-Spieler ist der wohl wichtigste Verteidiger der USA. Technik, Athletik, Spielverständnis – Richards bringt einiges mit. Der Spielaufbau wird in weiten Teilen von ihm abhängen. Weston McKennie (Juventus Turin, Marktwert rund 25 Mio. Euro): Physisch präsent, laufstark und wichtig für zweite Bälle. McKennie verbindet Defensive und Offensive. Malik Tillman (Bayer Leverkusen, Marktwert rund 35 Mio. Euro): Der Mann im offensiven Mittelfeld. Tillman hat die herausfordernde Aufgabe, die Lösungen gegen tief verteidigende Gegner zu finden. Findet er kreative Lösungen, können die USA vielen Teams gefährlich werden. * = Die geschätzten Marktwerte sind von "transfermarkt.de" übernommen. Das ist der Trainer: der weit gereiste Mauricio Pochettino Mauricio Pochettino übernahm die US-Nationalmannschaft mit dem klaren Auftrag, sie auf die Heim-WM 2026 vorzubereiten. Der Argentinier arbeitete zuvor bei Espanyol Barcelona, Southampton, Tottenham Hotspur , Paris Saint-Germain und Chelsea. Seine größten Erfolge feierte er mit PSG, wo er 2022 die Meisterschaft, den Pokal und den Supercup gewann, Tottenham führte er 2019 sensationell ins Champions-League-Finale. Pochettino steht für Intensität, klare Rollen und hohe Trainingsanforderungen. Er formuliert den Anspruch offensiv: Die USA sollen lernen, Spiele zu dominieren – nicht nur mitzuspielen. Der Heimvorteil ist dabei Teil des Plans, keine Ausrede. Spielsystem und Taktik Die USA agieren bevorzugt aus einer Viererkette, meist im 4-3-3 oder 4-2-3-1. Im Angriff sieht es dann oft nach einer Dreierkette aus, da die Außenverteidiger weit nach vorn stoßen, sich dafür aber ein Mittelfeldspieler in die Abwehr fallen lässt. Pochettino legt Wert auf hohes Pressing in klar definierten Zonen und schnelle Vertikalität nach Ballgewinnen. Ziel ist es, den Gegner zu Fehlern zu zwingen und schnell abzuschließen. Gegen kompakte Gegner bleibt Geduld im Aufbau die größte Herausforderung. So haben die USA bisher bei Weltmeisterschaften abgeschnitten Die USA nehmen 2026 zum zwölften Mal an einer WM-Endrunde teil. Der größte Erfolg bislang war Platz drei bei der Premiere 1930. In jüngerer Zeit ragt das Viertelfinale 2002 heraus, als die USA nur knapp am Angstgegner Deutschland scheiterten. Auch 1998 und 1934 trafen beide Teams aufeinander. 1934 verloren die Amerikaner im Achtelfinale klar mit 1:7, 1998 in der Gruppenphase mit 0:2. Das prägendste Duell fand 2002 statt, als die USA mit 0:1 unterlagen (Tor: Thomas Müller) – trotz klarer Chancen und einer umstrittenen Szene im deutschen Strafraum. Dieses Spiel gilt bis heute als Symbol dafür, wie nah die USA der Weltspitze schon waren. Warum eigentlich "USMNT"? USMNT steht für "United States Men’s National Team" und grenzt die Mannschaft klar von der Frauen-Nationalelf (USWNT) ab. Spitznamen wie "Stars and Stripes" kursieren seit Jahrzehnten. Regelmäßig taucht auch die Idee auf, das Team als "American Dream" zu begreifen – nicht als offizieller Name, sondern als Erzählung: ein junges Team, eine Heim-WM, der Anspruch, mehr zu sein als Außenseiter.