Die Finanzbranche lockt Frauen oft mit teuren Mentoring-Programmen, die kaum über Basiswissen hinausgehen. Dabei erzielen gerade Anlegerinnen oft die besseren Erfolge an der Börse. Wenn man sich intensiv mit Geldanlage, Börse und Finanzen beschäftigt und in Kolumnen oder Fernsehen darüber berichtet, wird man auch im Privaten häufig auf diese Themen angesprochen. Bei gut ausgebildeten und oft sehr gut verdienenden Frauen zwischen dreißig und sechzig lautet die Standardfrage dabei wie folgt: "Du kennst dich doch mit Geld und Finanzen top aus. Ich habe ein Mentoring-Programm besucht und einige Coachings, aber so richtig hat es mich nicht weitergebracht." Schaut man sich jene Mentoring-Programme dann genauer an oder prüft die entsprechenden Coachings, dann stellt man fest, dass der Service oftmals nicht über Tagesgeldzinsen, Riester-Rente und ETF-Sparplan hinauskommt. Bei aller Liebe – aber Basic-Erklärungen zu ETFs, zu Zertifikaten oder Fonds erhält man kostenfrei und in bester Qualität bei Brokern wie Consorsbank oder bei Derivate-Emittenten wie Société Générale, BNP und Vontobel. Niemand muss für Basiswissen dieser Art Geld ausgeben und schon gar nicht vierstellige Summen, wie sie mitunter besonders gern bei Finanzbildung für Frauen aufgerufen werden. Es gibt keinen Unterschied Nicht umsonst haben Verbraucherzentralen einige Anbieter beobachtet und festgestellt, dass tausende Euro für Mindset oder finanzielles Vertrauen des Guten deutlich zu viel sind. Wer im Jahr eine vierstellige Summe aufruft, der sollte nicht weniger bieten als täglich relevante Informationen, konkrete Hilfestellungen und vor allem tiefes Finanz- und Börsenwissen. Dieses Selbstverständnis sollte man haben, wenn man selbst einen Börsenbrief anbietet und seine Leserinnen an die Hand nimmt – ganz egal, ob man es nun Coaching, Mentoring oder finanzielle Bildung und Vermögensaufbau nennt. Ihr Weg an die Börse: Warum Aktien jeder kann (Ratgeberserie, Folge 1) Frag t-online: Wie lege ich Geld für 15 Jahre an? Frauen müssen beim Investieren und bei der Geldanlage also ganz sicher nicht auf spezielle Anlagekonzepte zurückgreifen oder von Influencern an die Hand genommen werden wie ein unreifes Kind. Frauen benötigen ebenso wenig andere Konzepte und Ansätze als Männer. Die Börse ist der beste Marktplatz der Welt und an keiner Stelle existiert ein Hinweisschild "Männer bitte rechts entlang und Frauen links". Der einzige messbare Unterschied liegt darin, dass Frauen sehr häufig langfristig bessere Ergebnisse bei der Geldanlage erzielen, bei gleichzeitig weniger Selbstüberschätzung im Herangehen an Geld und Märkte. Frauen bringen beste Basis Als nächster Joker kommt ins Spiel, dass Frauen mit Volatilität, mit der Unruhe an den Märkten, oftmals viel gelassener umgehen. Märkte fallen, Märkte steigen, aber per Saldo und über die lange Distanz geht es aufwärts. Während viele Männer der Meinung sind, Day-Trading und der Glaube an reine Charttechnik seien der weise Weg, wägen Frauen ab und vertrauen obendrein nicht so oft aggressiven Renditeversprechen. Aktien werfen im Schnitt sieben bis acht Prozent pro Jahr ab. Wer intelligent investiert, kann etwas mehr rausholen. Punkt. Die wichtigste Nachricht für alle Frauen, die sich an Börse nicht herantrauen: Am Aktienmarkt wird auch nur mit Wasser gekocht. Viele Börsianer tun so, als hätten sie geheimes Herrschaftswissen. Die drei Zutaten lauten aber gesunder Menschenverstand, sehr gute Informationen und geduldiges Umsetzen in konkrete Investments. Dafür braucht man weder rosa Finanzen, Mentoring noch sonstige Frauenfängerei.