Nach Angaben Pjöngjangs soll Südkorea mehrfach Drohnen für Überwachungsflüge über Nordkorea eingesetzt haben. Was steckt hinter den Vorwürfen? Nordkorea hat Südkorea eine Verletzung seiner Souveränität vorgeworfen und mit Vergeltung gedroht. Eine südkoreanische Drohne sei Anfang Januar in den nordkoreanischen Luftraum eingedrungen und abgeschossen worden, erklärte das nordkoreanische Militär. Die "kriegstreiberischen Kräfte" in Seoul würden "einen hohen Preis für ihre unverzeihliche Hysterie zahlen müssen", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA einen Sprecher des Generalstabs. Nach Darstellung Pjöngjangs sei am 4. Januar eine Überwachungsdrohne von der südkoreanischen Stadt Incheon gestartet und mehrere Stunden über nordkoreanischem Gebiet geflogen. Dabei habe sie mit Kameras "wichtige Objekte" gefilmt, darunter Grenzregionen und militärisch sensible Anlagen. Das nordkoreanische Militär habe die Drohne mit elektronischen Mitteln zum Absturz gebracht, hieß es. KCNA veröffentlichte Fotos von Trümmern sowie mutmaßliche Aufnahmen der Drohne. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA, die als Sprachrohr von Machthaber Kim Jong Un gilt, bezeichnete Südkorea als "Hooligan-Regime" und als "feindseligen Staat", dessen Natur sich niemals ändern werde. Die internationale Gemeinschaft müsse erkennen, wer für die wachsenden Spannungen auf der koreanischen Halbinsel verantwortlich sei, hieß es weiter. Südkorea weist Vorwürfe zurück Südkoreas Verteidigungsminister Ahn Gyu-back wies die Vorwürfe entschieden zurück. Die auf den Bildern gezeigten Drohnen seien "keine Modelle, die von unserer Armee betrieben werden", sagte er der amtlichen Nachrichtenagentur Yonhap. An den genannten Tagen habe es keine entsprechenden Militäroperationen gegeben. Auch das Verteidigungsministerium erklärte, es gebe keine Hinweise darauf, dass südkoreanische Drohnen nach Nordkorea eingedrungen seien. Nach Angaben aus Seoul ordnete Präsident Lee Jae Myung eine umfassende Untersuchung des Vorfalls an. Sollte sich herausstellen, dass Zivilisten hinter dem Drohnenflug steckten, handele es sich um ein schwerwiegendes Verbrechen, das den Frieden auf der koreanischen Halbinsel gefährde, hieß es aus dem Präsidentenbüro. Vorwurf wiederholt sich Nordkorea verwies darauf, dass es bereits im September des vergangenen Jahres einen ähnlichen Vorfall gegeben habe. Damals sei ebenfalls eine südkoreanische Drohne in den Luftraum des Nordens eingedrungen und abgeschossen worden. Auch diese Darstellung bestreitet die südkoreanische Regierung. Bereits im Oktober 2024 hatte Pjöngjang Seoul vorgeworfen, eine Drohne bis in die Hauptstadt Pjöngjang geschickt zu haben. In diesem Zusammenhang geriet der damalige südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol unter Druck. Ermittler werfen ihm vor, eine geheime Drohnenaktion auf nordkoreanischem Gebiet angeordnet zu haben, um eine militärische Reaktion zu provozieren. Yoon bestreitet die Vorwürfe und sitzt inzwischen wegen anderer Anschuldigungen in Haft. Nord- und Südkorea befinden sich formal weiterhin im Kriegszustand, da der Korea-Krieg von 1950 bis 1953 nur mit einem Waffenstillstand endete. Zwischenfälle an der Grenze oder Vorwürfe gegenseitiger Provokationen sorgen regelmäßig für Spannungen auf der koreanischen Halbinsel.