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Berlin: "Wir haben es satt"-Protest findet parallel zur Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens statt

Von Felicitas Rabe

Unter dem Motto "Haltung zeigen! Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft weltweit" veranstaltete das Bündnis "Wir haben es satt" am Samstag in Berlin zum 16. Mal eine Demonstration gegen die Zerstörung der bäuerlichen Landwirtschaft durch Agrochemiekonzerne. Laut Angaben der Veranstalter beteiligten sich rund 8.000 Menschen am Umzug in Berlin Mitte, der von etwa 50 Traktoren begleitet wurde.

Das Bündnis aus rund 60 Initiativen aus der Landwirtschaft sowie der Tierschutz- und Umweltschutzbewegung kritisiert vielfältige Punkte einer Agrarpolitik, die zunehmend die Interessen von Agrokonzernen und deren Aktionäre vor die Bedürfnisse der Verbraucher nach einer gesunden Ernährung mit regional produzierten Lebensmitteln und ein wirtschaftliches Auskommen der Landwirte stellt.

Agrarland wird zunehmend zum Spekulationsobjekt

Die Demonstranten kritisierten, dass Agrarland zunehmend weniger als Ernährungsgrundlage betrachtet wird, sondern zum Spekulationsobjekt für landwirtschaftsferne Konzerne und Fonds verkommt. Infolgedessen seien immer mehr Pachtbauern nicht mehr in der Lage, die steigenden Landkosten aufzubringen.

Trotz politischer Versprechungen, den tiergerechten Stallumbau zu fördern, sei dies plötzlich gestoppt worden – viele Bauern blieben jetzt auf den Umbaukosten sitzen. Gleichzeitig gebe es für die Landwirte keine verlässlichen Preise für ihre Erzeugnisse und die Preisbildung der großen Lebensmittelkonzerne sei intransparent. Auf der Kundgebung wurde zudem Landwirtschaftsminister Alois Rainer kritisiert. Mit seiner Exportstrategie trage er zu Dumpingpreisen und dem daraus resultierenden Bauernsterben bei.

Die Demonstranten, die Bauern und insbesondere auch die beteiligten Imker protestierten auch gegen die Verunreinigung der Umwelt und der Lebensmittel durch die seit Kurzem für Saatgut zugelassene Crisp-Gentechnik. Obwohl deren Auswirkungen auf unsere Gesundheit kaum bekannt sei, würden Lebensmittel nicht entsprechend gekennzeichnet. Am Ende könne der Verbraucher nicht erkennen, in welchen Produkten per Crisp-Gentechnik manipulierte Erzeugnisse enthalten seien.

Agrarkonzerne zerstören die bäuerliche Landwirtschaft

Die Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e. V. (AbL) erklärte in ihrer Rede:

"Bäuerliche Betriebe werden in eine nicht endende Investitionsspirale gezwungen. Das macht viele bäuerliche Betriebe kaputt. Letztes Jahr haben in Deutschland 2.600 Betriebe geschlossen. Die Erzeugerpreise decken oftmals nicht die Kosten."

Reinhild Benning von der Deutschen Umwelthilfe trug vor: "Wir demonstrieren gegen das Durchregieren von Agrarkonzernen auf Kosten von Bauernhöfen und Verbraucherinnen." Sie fordert: "Kein Rollback bei der Gentechnik. Wir fordern transparente Kennzeichnung statt Kontamination durch die Hintertür."

Im Aufruf zur 16. "Wir haben es satt"-Demo hieß es unter anderem:

"Wir leben in einem System, in dem die Agrarindustrie profitiert, während die bäuerliche und ökologische Landwirtschaft verliert. Auf der einen Seite stehen Milliarden-Gewinne von Agrochemiekonzernen, Patente auf Saatgut und Investor*innen, die mit Ackerland spekulieren. Der Umbau der Tierhaltung stockt – und es gibt keine verpflichtende und umfassende Haltungskennzeichnung, obwohl sich die meisten Menschen für mehr Transparenz aussprechen. (...) Auf der anderen Seite stehen Bäuer*innen, die um ihre wirtschaftliche Existenz bangen, weil Lebensmittelindustrie und Einzelhandel die Preise diktieren. Das Höfesterben hält ungehindert an!

Gleichzeitig kosten Lebensmittel in Deutschland heute etwa 30 Prozent mehr als 2021. Millionen Menschen können sich kein gesundes Essen leisten, und die Schlangen vor den Tafeln werden immer länger. Weltweit können sich 2,3 Milliarden Menschen nicht ausreichend ernähren – und mehr als 670 Millionen Menschen leiden unter akutem Hunger."

Weniger Protest gegen Mercusor-Abkommen – mehr Protest gegen "braune Gefahr"

Im Gegensatz zu Protestaktionen in anderen EU-Ländern fiel der Protest gegen das Mercosur-Handelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur auf der "Wir haben es satt"-Demo erstaunlich gering aus. Besonders, wenn man bedenkt, wie auch damit das Bauernsterben weiter vorangetrieben und die Nahrungssouveränität in europäischen Staaten bedroht wird. Dabei findet die Demonstration am 17. Januar 2026 zeitgleich mit der Unterzeichnung des Mercusor-Abkommens durch Ursula von der Leyen in Paraguay statt.

Stattdessen wurde in einigen Reden und mehreren auf Transparenten auf die "braune Gefahr" verwiesen, die unser Land bedrohe und worauf sich auch das gemeinsame Motto "Haltung zeigen" der diesjährigen Demonstration beziehe.

Seit 16 Jahren findet die "Wir haben es satt"-Demonstration jeweils im Januar parallel zur Lebensmittelmesse "Grüne Woche" in Berlin statt. In früheren Jahren beteiligten sich bis zu 50.000 Menschen am Protest gegen die Agrochemiekonzerne.

Mehr zum Thema – Umstrittenes EU-Mercosur-Freihandelsabkommen wird unterzeichnet

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