Der US-Präsident hat in Davos feierlich seinen neuen "Friedensrat" gegründet. Dabei erlebt er zwar eine schwere Niederlage. Doch für die Vereinten Nationen muss es trotzdem ein Weckruf sein. Aus Rom berichtet Patrick Diekmann. Er möchte gern König spielen. In der zurückliegenden Woche demonstrierte Donald Trump , dass es ihm dabei nicht mehr nur um die USA geht, die er zunehmend autokratisch regiert. Nein. Der US-Präsident möchte die Welt neu ordnen, mit ihm als mächtigster Figur an der Spitze. Dafür hat Trump vergangenen Donnerstag im Zuge des Weltwirtschaftsforums in Davos einen neuen "Friedensrat" gegründet. In dem Format sollen nach dem Willen der USA künftig Staaten über die Lösung von internationalen Krisen und Konflikten debattieren. Wie genau das ablaufen soll, hat Trump bislang nicht gesagt. Nur eines steht fest: Die Gründung ist ein Frontalangriff auf die Vereinten Nationen, die eigentlich für genau diesen Zweck gegründet wurden. Die der US-Präsident aber als Institution verachtet. Eine Alternative zur UN gründen, dieses Ziel ist – höflich formuliert – ziemlich ambitioniert. Es ist wahrlich nicht neu, dass Größenwahn Trumps ständiger Begleiter ist. Er lobt sich permanent selbst. Doch die Gründung einer internationalen Institution, in die Trump je nach Sympathie Länder einlädt, damit toppt der US-Präsident sich selbst. Zumal er auch noch eine Milliarde US-Dollar für einen ständigen Sitz in dem Rat verlangt. Und selbstredend hat sich Trump ein Vetorecht gegen alle Entscheidungen des Rates gesichert. Das alles ist eine Farce. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Donald Trump hat mit seinem Vorhaben bislang keinen Erfolg. Denn nur wenige Staaten wollen bei seinem "Friedensrat" mitmachen. Was der Republikaner wahrscheinlich als Ohrfeige für sich verstehen wird, offenbart für die USA Bedeutendes: Trump hat es in seiner zweiten Amtszeit in Rekordzeit geschafft, dass fast alle Verbündeten auf Distanz zu Amerika gehen. Außenminister im Krisenmodus: Wadephul zieht das schärfste Schwert Wadephuls Afrikareise überschattet: Die Kritik an Trump wird lauter Trumps Grusel-Truppe Trump hatte insgesamt 60 Staaten eingeladen. Doch bislang tummeln sich in seinem "Friedensrat" vorwiegend fragwürdige Staatschefs: Argentiniens Präsident Javier Milei , der Mann mit der Kettensäge. Die Führungen aus Katar und Saudi-Arabien , die für sich internationale Rollen als Vermittler beanspruchen und mit ihrer Teilnahme Trump vor allem im Gaza-Friedensprozess halten wollen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Und der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko, Wladimir Putins Marionette. Der US-Präsident steht nun also als Führer eines Autokraten-Klubs da, allerdings eines Klubs von Mitgliedern, die jeweils nicht das Zeug zur Großmacht haben. Denn sogar Wladimir Putin – der international wirklich ein paar Freunde gebrauchen kann – stellt Bedingungen für seine Teilnahme: Die USA sollen die Gebühr für den "Friedensrat" mit russischem Vermögen bezahlen, das in den Vereinigten Staaten eingefroren wurde. Geht Trump darauf ein, könnte er nicht mehr tiefer sinken. Trumps neue Weltordnung wird also zum Fiasko für die Amerikaner. Und offenbart zugleich ein Dilemma für alle anderen Staaten, die weiterhin an Demokratie und einer regelbasierten Ordnung festhalten. So wie die Bundesregierung . Denn ohne die Großmacht USA geht es nicht. Mit ihr wird es aber zunehmend schwer. Stärkung multilateraler Insitutionen Die Bundesregierung macht in diesem Dilemma vieles richtig. Außenminister Johann Wadephul betont, dass die Vereinten Nationen für Deutschland der passende "Friedensrat" seien. Gleichzeitig bleiben er und die Regierung mit den USA im Dialog. Wadephul erklärte auf seiner Afrika-Reise, dass es noch viele offene Fragen gebe, die die Amerikaner zum "Friedensrat" beantworten müssten. Das ist eine kluge Strategie. Doch es reicht für Deutschland und Europa nicht aus, einen bloßen Verteidigungskampf gegen Trump zu führen. Es muss nun darum gehen, den politischen Rückenwind zu nutzen, den die Europäer im Grönland-Streit gewonnen haben. Dort hat Europa selbstbewusst und geschlossen auf Trumps Drohungen reagiert – und das muss nun auch der Fahrplan für die Zukunft sein: Die Verteidiger einer regelbasierten Ordnung müssen Institutionen wie die Vereinten Nationen stärken und deshalb reformieren. Und sie müssen sich darauf vorbereiten, dass dies notfalls auch ohne Trumps USA gehen muss.