Bei einer Auswärtsfahrt nach Frankreich kommen sieben griechische Fußballfans ums Leben. Der gesamte Klub steht unter Schock – und das nicht zum ersten Mal. Am Toumba-Stadion in Thessaloniki flackerte am Mittwoch ein kleines Meer aus Lichtern. Menschen aus der griechischen Hafenstadt hatten seit Dienstagabend vor den Toren der Arena zahlreiche Kerzen platziert. Einige von ihnen hatten zudem schwarz-weiße Schals an den Gitterstäben dahinter befestigt, teilweise auch Blumen niedergelegt – ein Ausdruck des Schmerzes über eine Tragödie, die den Ort und den in ihr beheimateten Topklub PAOK nur wenige Stunden zuvor ereilt hatte. In Rumänien, mehrere hundert Kilometer von Thessaloniki entfernt, war es am Dienstag zu einem verheerenden Unglück gekommen. Eine Gruppe von PAOK-Fans befand sich mit einem Minibus auf dem Weg nach Frankreich. Dort tritt das Team am Donnerstag im letzten Gruppenspiel der Europa League bei Olympique Lyon an. Doch die Reise quer über den Kontinent endete für sieben der griechischen Fans tödlich. Bei einem Überholmanöver unweit der ungarischen Grenze war der Bus der Fans frontal mit einem Lastwagen kollidiert. Videoaufnahmen zeigen, wie das Fahrzeug nach dem Zusammenprall auseinandergerissen wird, Personen auf die Straße geschleudert werden. Neben den sieben Todesopfern wurden zwei weitere Menschen leicht verletzt, eine Person zudem schwer, wie Griechenlands stellvertretender Außenminister Ioannis Loverdos nach Angaben der Athener Morgenzeitung "Kathimerini" erklärte. Die Verletzten seien in ein Krankenhaus gebracht worden, wo sie nun die notwendige Versorgung erhalten würden. "Es ist ein sehr schwerer und trauriger Tag für ganz Griechenland nach dieser Tragödie, die unser Land heimgesucht hat", betonte der 66-jährige Politiker. Die Tragödie wiederholt sich Die Trauer ist insbesondere in Thessaloniki grenzenlos – und sie manifestiert sich nicht nur im Lichtermeer vor dem Stadion. So gedachten in den vergangenen zwei Tagen etliche PAOK-Fans ihrer verstorbenen Mitstreiter auch auf den Rängen der Arena, stellten auf den Treppenstufen Kerzen auf, trauerten gemeinsam. Das Unglück hat im Klub tiefe Risse hinterlassen. "Die Zeit bleibt stehen. Sie erstarrt. Die Worte versiegen", hieß es in einer von mehreren Vereinsmitteilungen zu dem Vorfall. "Der Schmerz durchdringt Körper und Geist. Tränen fließen aus den Augen. Die Trauer überwältigt dich, zwingt dich in die Knie, bricht dich zusammen." Von einem "weiteren dunklen Tag" war in jenem Statement zu lesen. Und von "nur einem einzigen Wunsch": Nie wieder solle so etwas geschehen. Passiert war ein Unfall dieser Art nämlich schon einmal. Am 4. Oktober 1999 verunglückte ein Bus mit PAOK-Fans auf dem Rückweg von einem Auswärtsspiel in Athen. Auch damals kollidierte das Fahrzeug mit einem Lastwagen. Sechs Anhänger des Klubs verloren an diesem Tag ihr Leben. Noch heute gedenkt PAOK regelmäßig der umgekommenen Fans. Im vergangenen Oktober beispielsweise veröffentlichte der Verein zum 26. Jahrestag des Unglücks auf Instagram ein Foto eines Straßendenkmals, in das die Namen der sechs Verstorbenen eingraviert wurden. Dazu schrieb PAOK: "Sie haben uns nie verlassen. In unseren Herzen, in unseren Gedanken, in unserem Lachen, in unseren Tränen. Auf jedem Spielfeld, auf der ganzen Welt … Unsterblich …". "Schämt euch, Uefa": Spiel gegen Lyon soll stattfinden Wie der Klub mit dem neuerlichen Unglück langfristig umgehen wird, ist aktuell noch nicht abzusehen. Kurzfristig hat PAOK aber bereits erste Maßnahmen ergriffen. Beim Spiel in Lyon wird die Gästekurve in Absprache mit den französischen Behörden und dem Heimteam nicht geöffnet. Der Verein reagierte damit auch auf die Entscheidung der organisierten Fanszene, die Auswärtsreise nach Frankreich angesichts der Tragödie abzusagen. "Diejenigen, die sich noch nicht auf die Reise nach Lyon begeben haben, sowie diejenigen, die sich bereits in Frankreich befinden, werden gebeten, die Entscheidung der PAOK-Familie zu respektieren", hieß es in einer weiteren Klubmitteilung am Mittwoch. Zu einer Spielabsage wird es wiederum nicht kommen. Die Uefa soll Berichten zufolge auf eine Austragung der Europa-League-Partie bestehen. Eine t-online-Anfrage zu den Hintergründen ließ der europäische Kontinentalverband bis zum Donnerstag unbeantwortet. Passend dazu hatte sich die Uefa einen Tag zuvor lediglich mit einer überaus knappen Stellungnahme zu den Ereignissen zu Wort gemeldet. "Wir stehen der Familie von PAOK in dieser Zeit der Trauer bei. Unser aufrichtiges Beileid gilt allen, die von diesem tragischen Unfall betroffen sind", ließ die Uefa verlauten und zog mit dem kurzen Statement den Ärger etlicher Fans auf sich. So hagelte es beispielsweise auf Instagram unter dem entsprechenden Beitrag deutliche Kritik. Mehrfach wurde vehement eine Spielabsage gefordert. Ein Nutzer kommentierte: "Ihr steht hinter PAOK, habt aber nicht die Würde, das Match in Gedenken an die verstorbenen Fans zu verlegen. Mögen sie in Frieden ruhen. Schämt euch, Uefa." Gedenkfeier in Lyon, Schweigeminute im PAOK-Training Geehrt werden die sieben Anhänger nun nicht mit einer Verlegung der Partie, sondern mit einer Gedenkfeier. Olympique Lyon kündigte diese unmittelbar nach Bekanntwerden des Unglücks für die Partie im Groupama Stadium am Donnerstag an. Die PAOK-Mannschaft gedachte der Opfer wiederum schon beim Abschlusstraining. Vor dem Beginn der Einheit bildeten die Profis auf dem Platz einen großen Kreis, zollten den Verstorbenen mit einer Schweigeminute Tribut. Am Vorabend hatten Spieler, Trainer und die Geschäftsführung wie einige Fans bereits Blumen am Stadion niedergelegt – als ersten Schritt, um die Trauer gemeinsam mit Stadt und Fans zu bewältigen.