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Unerwarteter Auftragsboom: Industrie gibt Konjunkturhoffnung

Nach langem Niedergang mehren sich die Anzeichen für eine Trendwende der deutschen Industrie. Großaufträge stützen die Wirtschaft. Kommt nun der Aufschwung? In der krisengebeutelten deutschen Industrie zeichnet sich immer stärker eine Trendwende ab - auch dank vieler Großaufträge. Nach einem Auftragsboom im Dezember wächst damit die Hoffnung auf eine Erholung der deutschen Wirtschaft im neuen Jahr. Im Dezember erhielten die Industrieunternehmen nicht nur den vierten Monat in Folge mehr Aufträge, sondern sie wuchsen auch überraschend stark. Die Zahl der Bestellungen stieg gemessen am Vormonat um 7,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Analysten wurden überrascht: Sie hatten im Schnitt einen Rückgang von 2,2 Prozent erwartet. Eine unerwartet starkes Plus gab es auch im Jahresvergleich: Hier legten die Aufträge im Dezember um 13 Prozent zu. "Ein Auftragsboom zum Jahresende. Wer hätte das gedacht?", schrieb Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg. "Das sieht jetzt wirklich sehr stark nach Trendwende aus. Wir haben erstmals seit längerer Zeit Grund für Zuversicht." "Fulminanter Auftragsschub" Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, sprach von einem fulminanten Auftragsschub im Dezember. Das Bestellvolumen habe ein Niveau wie zuletzt Anfang 2022 erreicht. Auch liege der Auftragseingang im Schlussquartal 2025 fast zehn Prozent höher als im dritten Quartal. "Damit zeigt sich, dass die konjunkturelle Erholung auch in der Industrie ankommt. Die Lage verbessert sich, auch wenn die Situation in vielen Betrieben noch schwer ist." Getrieben wurde das kräftige Auftragsplus im Dezember von Großaufträgen, etwa im Maschinenbau. Ohne sie wäre der Auftragseingang nur um 0,9 Prozent höher als im Vormonat ausgefallen. Der starke Auftragseingang ging zudem auf Anstiege bei der Herstellung von Metallerzeugnissen zurück sowie auf mehr Bestellungen für elektronische und optische Erzeugnisse. In der kriselnden Autoindustrie sank der Auftragseingang hingegen um 6,3 Prozent im Monatsvergleich. "Deutsche Industrie steht vor Aufschwung" Insgesamt wuchsen die Aufträge für die Industrie aus dem Inland um fast 11 Prozent. Das Plus aus dem Ausland fiel mit 5,6 Prozent schwächer aus - hier wirken sich laut Bundeswirtschaftsministerium die handels- und geopolitischen Risiken aus. Das Auftragsplus sei einmal mehr der Rüstungsindustrie zu verdanken, schrieb Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der Liechtensteiner VP Bank. Der Bund dürfte seine Bestellungen für Verteidigung zum Jahresende 2025 deutlich erhöht haben. "Die Auftragseingänge machen aus Hoffnungen harte Fakten: Die deutsche Industrie wird in den kommenden Monaten einen Zahn zulegen." Lichtblick nach schwerer Krise Die Krise der deutschen Industrie, die unter dem Zollstreit mit den USA , Konkurrenz aus China und hohen Energiepreisen leidet, ist ein wesentlicher Grund für die Konjunkturflaute in Deutschland. Dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zufolge ist die Produktion 2025 das vierte Jahr in Folge gesunken, vor allem die Autobranche baut Jobs ab. Dieses Jahr dürfte die Industrie wieder zum Wachstumsträger werden, meint Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft beim Fondsanbieter Union Investment. "Deutschland holt gegenüber den europäischen Nachbarn beim Wachstum auf." Stark dürfte die Erholung aber nicht ausfallen: Nach einem Mini-Plus von 0,2 Prozent im vergangenen Jahr soll die Wirtschaft 2026 nach Prognose der Bundesregierung und führender Ökonomen um ein Prozent zulegen. Erst 2027 wird ein spürbarer Aufschwung erwartet. Auch mahnen Kritiker, dass Staatsausgaben allein keine breite Trendwende tragen. Zurückhaltend gibt sich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Das Auftragsplus im Dezember dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Industrie unter großen strukturellen Problemen leide, heißt es dort. "Weitere Reformschritte der Regierung sind hier unerlässlich."

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