Justiz-Skandal: Anwältin war Polizei-Spitzel: Australischer Drogenboss kommt frei
Ein berüchtigter Drogenboss kommt in Australien auf freien Fuß. Die Freilassung geschieht vor dem Hintergrund eines Skandals um seine Anwältin, die ein Doppelleben führte.
Vor dem Hintergrund eines Skandals um seine Anwältin, die jahrelang eine Informantin der Polizei war, wird der berüchtigte australische Drogenboss Tony Mokbel freigelassen. Die Staatsanwaltschaft des australischen Bundesstaats Victoria erklärte am Freitag, sie werde auf die geplante Neuauflage eines Prozesses gegen Mokbel wegen Drogenhandels verzichten. Sie habe bei der Entscheidung Mokbels Alter und Gesundheitszustand sowie die bereits im Gefängnis verbrachte Zeit berücksichtigt.
Mokbel zeigte sich erfreut über die Nachricht. "Es fühlt sich wirklich gut an und das Leben geht weiter", sagte der alternde Drogenboss vor Journalisten vor dem Gericht in Melbourne. Er freue sich darauf, zu reisen. "Es wäre großartig, in ein schönes Flugzeug zu steigen", sagte er.
Mokbel war jahrelang der Anführer eines Drogenkartells und spielte eine zentrale Rolle in einem Bandenkrieg in Melbourne mit dutzenden Toten, der später in der erfolgreichen australischen Fernsehserie "Underbelly – Krieg der Unterwelt" thematisiert wurde. 2012 wurde er zu 30 Jahren Haft verurteilt, nachdem er sich schuldig bekannt hatte, der Boss der Verbrecherbande gewesen zu sein.
Doppelleben von Anwältin sorgte in Australien für Justiz-Skandal
Später stellte sich jedoch heraus, dass die Anwältin Nicola Gobbo, die damals Mokbel und mehrere andere Bandenmitglieder vor Gericht vertreten hatte, die Polizei jahrelang über die Machenschaften ihrer Mandanten auf dem Laufenden gehalten hatte. Die Enthüllungen führten zu einem der größten Justizskandale in Australien seit Jahren.
Mokbel wurde im April vergangenen Jahres nach rund 18 Jahren im Gefängnis gegen Kaution freigelassen, nachdem ein Gericht zu dem Schluss gekommen war, dass seine Verurteilung in einem neuen Prozess aufgehoben werden könnte. Vor Gericht machte sein Anwaltsteam geltend, dass Mokbel sich nicht schuldig bekannt hätte, wenn er von Gobbos Doppelleben gewusst hätte. Mit dem Verzicht auf eine Neuauflage des Prozesses liegen nun keine Haftstrafen mehr gegen Mokbel vor.
Das Doppelleben der prominenten Strafverteidigerin Gobbo könnte dazu führen, dass noch etliche weitere Verbrecher ihre Urteile erfolgreich anfechten. Die australischen Behörden hatten 2019 insgesamt 22 Betroffene darüber informiert, dass sie wegen des Skandals Rechtsmittel gegen ihre Verurteilungen einlegen können. Gobbo hat selbst angegeben, dass mehr als 300 Menschen aufgrund ihrer Informationen festgenommen und verurteilt worden sind.