Die Vorwürfe der Anzugmanipulation bei Skispringern trieben zuletzt wilde Blüten. In Mailand sprachen nun Vertreter der Welt-Anti-Doping-Agentur und des Skiverbandes über die Problematik. Ungewöhnliche Vorwürfe rund um den Skisprungwettbewerb beschäftigen kurz vor Beginn der Winterspiele die Sportpolitik. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) schließt Ermittlungen nicht aus, falls sich Hinweise erhärten, dass männliche Skispringer ihren Penis manipulieren, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Im Januar hatte die "Bild" berichtet, dass Athleten sich vor der Vermessung ihrer Anzüge Hyaluronsäure in den Penis spritzen lassen. Der Stoff ist im Sport nicht verboten und kann den Umfang um ein bis zwei Zentimeter vergrößern. Dadurch fiel der Anzug entsprechend größer aus, was in der Luft mehr Auftrieb bringt. Freizügige Fotos: Deutsches Ski-Ass rechtfertigt sich Er isst jeden Tag Pizza: Olympia-Exot fährt erst seit drei Jahren Ski FIS-Renndirektor Sandro Pertile sagte: "Jeder zusätzliche Zentimeter eines Anzugs zählt. Wenn Ihr Anzug eine um fünf Prozent größere Oberfläche hat, fliegen Sie weiter." Auf die Berichte angesprochen, erklärte Wada-Generaldirektor Olivier Niggli nun bei einer Pressekonferenz in Mailand: "Ich kenne mich mit den Details des Skispringens nicht aus und weiß nicht, wie das die Leistung verbessern könnte." Sollte entsprechendes Material auftauchen, werde man es prüfen. "Wenn etwas ans Licht kommen sollte, würden wir es uns ansehen und prüfen, ob es mit Doping zu tun hat. Wir befassen uns nicht mit anderen Mitteln zur Leistungssteigerung." FIS-Vertreter: Gab nie Anzeichen für Penis-Injektionen Der Weltverband weist die Vorwürfe zurück. FIS-Kommunikationsdirektor Bruno Sassi erklärte bei BBC Sport: "Es gab nie Anzeichen, geschweige denn Beweise dafür, dass ein Wettbewerber jemals Hyaluronsäure-Injektionen eingesetzt hat, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen." Vor jeder Saison werden Skispringer mit 3D-Scannern vermessen. Dabei dürfen sie nur "elastische, körperbetonte Unterwäsche" tragen. Die Regeln erlauben bei den Anzügen lediglich eine Toleranz von zwei bis vier Zentimetern. Auch die Schritthöhe wird gemessen. Diese muss der Körpergröße des Athleten entsprechen, bei Männern plus drei Zentimeter. Hyaluronsäure kann laut Bericht bis zu 18 Monate im Körper verbleiben. Versuche, über Anzüge Vorteile zu erzielen, gab es im Skispringen bereits mehrfach. Im August akzeptierten die norwegischen Olympiamedaillengewinner Marius Lindvik und Johann Andre Forfang dreimonatige Sperren wegen manipulierter Anzüge bei der WM in Trondheim im März. Zwar waren die Athleten selbst laut FIS nicht eingeweiht, doch ihr Team habe "versucht, das System zu betrügen", indem verstärkte Fäden in die Anzüge eingearbeitet wurden. Beide Norweger werden bei diesen Winterspielen starten. Die Spiele beginnen offiziell am Freitag, der Wettbewerb der Skispringer startet am Montag.