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Israel, Gaza und Hamas: Expertin über eine mögliche Zukunft

Israel ist ein höchst bedrohter Staat: Die Hamas will das Land vernichten, die israelische Gesellschaft ist wiederum extrem gespalten. Die Journalistin Sabine Adler erklärt, was auf dem Spiel steht. Auf Druck Donald Trumps kam es zu einem Waffenstillstand im Krieg zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas, doch der grundlegende Konflikt ist weiterhin ungelöst. Ist ein Ende der Feindschaft zwischen Israel und den Palästinensern überhaupt möglich? Gerade in Zeiten, in denen Benjamin Netanjahus aggressive Koalitionspartner Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich Israel ganz weit nach rechts rücken wollen? Sabine Adler, Journalistin und Autorin des Buchs "Israel. Fragen an ein Land", ist diesen Fragen nachgegangen. Im Interview erklärt sie, weshalb derzeit eher Pessimismus herrscht und Israels gespaltene Gesellschaft am Scheideweg steht. t-online: Frau Adler, es herrscht weiterhin eine Art Waffenruhe im Krieg zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas. Wie schätzen Sie die Chance ein, dass daraus eine Art Frieden werden könnte? Sabine Adler: Niemand lässt sich in die Karten schauen. Das gilt für die israelische Regierung wie für die Hamas. Laut dem amerikanischen "Friedensplan" ist die Entwaffnung der Hamas ein erklärtes Ziel, Israel verfolgt es nach wie vor ebenso, aber das könnte sich als Illusion erweisen. Vor allem ist ungeklärt, was mit dem größtenteils zerstörten Gazastreifen geschehen soll. Das ist der springende Punkt. Wird die Hamas ihr Terrorregime aufgeben? Plant Israel tatsächlich eine zumindest teilweise Wiederbesetzung Gazas in Form von Militärstützpunkten und Siedlungen? Vor allem ist überhaupt noch nicht ausformuliert, wer die Verwaltung beziehungsweise die Regierung in Gaza übernehmen soll. Die Palästinensische Autonomiebehörde könnte eine Rolle spielen oder eben auch nicht. Israels Regierung sähe das jedenfalls gar nicht gerne. Nicht zuletzt stellt sich auch die Frage, ob und wie eine internationale Beteiligung in Gaza möglich ist. Zeit ist allerdings etwas, das die Zivilbevölkerung in Gaza nicht hat. Genau, es ist allerhöchste Zeit für den Wiederaufbau in Gaza, die Bevölkerung dort braucht dringend menschenwürdige Lebensbedingungen. Wie dieser Wiederaufbau bewerkstelligt werden soll, ist eine weitere ungeklärte Frage. Der US-Präsident hat diese Idee ins Spiel gebracht, die Menschen so lange aus Gaza rauszubringen. Aber wohin? Wichtiger und zielführender wäre es, die Bewohner an diesem Wiederaufbau zu beteiligen. Wie könnten die Dinge in Bewegung kommen? Die Hamas will Israel vernichten – das ist ihr oberstes Ziel. Das muss aber nicht für alle Zeiten gelten, wenn zum Beispiel die anderen arabischen Staaten der Hamas Grenzen aufzeigen. Auf der israelischen Seite wird wiederum viel davon abhängen, ob in diesem Jahr Wahlen zur Knesset stattfinden werden. Das sollte eigentlich im Herbst der Fall sein. Hat Benjamin Netanjahu Chancen, das Amt des Regierungschefs zu behalten? Es kann noch viel passieren bis zum nächsten Wahltag. Netanjahu ist außerdem ein großer Pragmatiker, gerade wenn es darum geht, Koalitionen zu schmieden. Sogar eine Wende von seinen bisherigen ultrarechten bis rechtsextremen Partnern hin zu einer eher zentristischen Regierung wäre ihm zuzutrauen, vorausgesetzt, er findet genügend Partner. Allerdings ist Netanjahu auch ein Getriebener. Niemand kann abschätzen, wer wie auf ihn einwirken wird, welche Spielräume ihm bei einer möglichen Wahl zur Verfügung stehen werden. Will die israelische Regierung bis dahin aber Fakten schaffen, die sich nicht so leicht wieder korrigieren lassen? Die Zielsetzung ist deutlich: Es geht um die weitere Eroberung des Westjordanlandes. Das zeigt sich nicht nur an der fortschreitenden Zersiedlung dieser Region, sondern auch an dem Versuch, die jüdischen Siedlungen juristisch zu legitimieren. Das ist eine oft nicht beachtete Tatsache: Auch nach israelischem Recht ist ein Großteil der jüdischen Siedlungen im Westjordanland illegal. Womit sich der Kreis zur sogenannten Justizreform der Regierung unter Netanjahu schließt? Richtig. Es soll etwas zu Recht erklärt werden, was kein Recht ist. Im Kern der "Justizreform" geht es um Folgendes: Die Regierung will am liebsten fortan allein bestimmen, was Gesetz ist und was nicht, die Befugnisse des Justizsystems gehen ihr viel zu weit. Da droht eine grundsätzliche Auseinandersetzung – aber ich bin mir nicht sicher, ob die israelische Gesellschaft zu so einem Kraftakt, die Reform zu stoppen, noch in der Lage ist. Die umstrittene Richterauswahl ging beispielsweise durch. Die israelische Zivilgesellschaft befand sich gerade im Widerstand gegen Netanjahus "Justizreform" als die Hamas am 7. Oktober 2023 ihre Terrorattacke gegen Israel durchführte. Die Ereignisse und Entwicklungen haben sich überlagert. Seit dem 7. Oktober 2023 befindet sich die israelische Gesellschaft nun in einem traumatisierten Zustand. Diese Terrorattacke der Hamas war der Beginn, aber man darf auch nicht unterschätzen, welche Traumata der Krieg in Gaza auch bei den israelischen Soldatinnen und Soldaten ausgelöst hat: Dort kam massive Gewalt zum Einsatz. In vielen Fällen sind diese Leute Reservisten, die eigentlich einen Zivilberuf ausüben. Diese Traumata erreichen längst die Mitte der israelischen Gesellschaft. In Ihrem Buch "Israel. Fragen an ein Land" schildern Sie anhand verschiedener Mitglieder einer befreundeten Familie die Situation im Land. Was ist Ihr Eindruck? Wie durch einen großen Teil der Gesellschaft geht auch durch diese Familie ein Riss. Nehmen wir das Paar Jehuda und Dorit, das ich in meinem Buch vorstelle: Er steht ganz weit rechts, sie ist eher eine Liberale. Es sind an erster Stelle Netanjahus rechtsextreme Koalitionspartner Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir und ihre Gefolgsleute, die die Spaltung Israels vorantreiben wollen. Verschlechtern sich die Aussichten auf einen zeitweiligen oder gar lange währenden Frieden so nicht immer mehr? Die Bedingungen dafür sind jedenfalls alles andere als ideal. In der Auseinandersetzung gibt es immer weniger Mitgefühl und Verständnis für die jeweils andere Seite. Das gilt für Israelis wie für Palästinenser. Einige meiner israelischen Gesprächspartner denken nur noch in der Kategorie von "wir" oder "sie". Für sie gilt es nahezu als Verrat, sich in die Lage der Palästinenser zu versetzen. Das ist ein ziemlich schlechter Ausgangspunkt für einen Frieden. Erst recht, wenn die radikal-zionistischen Kräfte die israelische Vorherrschaft mit brachialen Mitteln forcieren oder die Hamas weiter ihr terroristisches Geschäft betreibt und gegen Israel aufhetzt. Es ist auf beiden Seiten so viel Gewalt im Spiel, das stimmt schon ziemlich pessimistisch. Gleichwohl setzen sich weiterhin Menschen auf beiden Seiten für den Frieden ein. Das ist wirklich bewundernswert. Denn es handelt sich um eine Sisyphusarbeit. Nehmen wir die jüdisch-palästinensische Organisation Roots. Ich schreibe auch über sie in meinem Buch. Roots bringt Menschen von beiden Seiten zusammen. Nach der Terrorattacke des 7. Oktober 2023 machten die Organisatoren allerdings dann die Erfahrung, dass die teilnehmenden jungen Palästinenser einfach in Abrede stellten, dass dieser Gewaltexzess seitens der Hamas überhaupt stattgefunden hat. Es waren dann die älteren Palästinenser von Roots, die den jungen Menschen klargemacht haben: Doch, das ist die Wahrheit. Die Arbeit an der Verständigung ist also ungeheuer herausfordernd? Das können wir uns kaum vorstellen. Der erste Schritt muss auf palästinensischer Seite tatsächlich die Akzeptanz dessen sein, welche entgrenzte Gewalt am 7. Oktober 2023 von der Hamas und der mit ihr kooperierenden Terrorgruppen ausging. Damit überhaupt erst einmal eine Gesprächsgrundlage da ist. Gleiches gilt für Israel: Es muss dringend aufarbeiten, welche Gewalt es in Gaza verübt hat. Sie hat ein Maß erreicht, das in allen früheren Auseinandersetzungen undenkbar war. Sehen Sie zumindest Anzeichen für einen solchen Prozess? Bei Roots gibt es den Wunsch, die israelisch-palästinensische Zusammenarbeit wieder aufzunehmen. Wer aber auf die andere Seite zugeht, wird in der eigenen Community mit großem Misstrauen beäugt und sogar bedroht. Auch für Historiker wird der 7. Oktober und der Gazakrieg eine große Herausforderung, denn es ist noch nicht ausgemacht, dass die Gesellschaft die Antworten auf solche Fragen erträgt wie: Warum konnte Israel seine Bürger nicht schützen? Weshalb mussten in Gaza derart viele Menschen sterben? Das wird einige Zeit brauchen. Wie finden die Traumatisierten Hilfe? Da gibt es tatsächlich zahlreiche Angebote. Die israelische Gesellschaft ist traumatisiert, sie erkennt das auch selbst an. Ich habe mit einer Psychologin sprechen können, die für Amcha arbeitet, einer Hilfsorganisation für Holocaust-Überlebende. Ihre Erfahrung aus der jahrzehntelangen Fürsorge für diese Menschen bringt sie schon seit Längerem in die Gesellschaft ein, weswegen in Israel das Bewusstsein für Traumata und ihre Folgen so ausgeprägt ist. Aufseiten der traumatisierten Palästinenser stehen die Chancen jedoch ungleich schlechter, Hilfe zu finden. Israel gilt bis heute als einzige stabile Demokratie im Nahen Osten. Nun zitieren Sie in Ihrem Buch den früheren Premier Ehud Olmert, der das Land in der ersten Phase eines Bürgerkriegs sieht. Was wird aus Israel? In Israel steht nun wirklich alles zur Disposition. Die Alternative zum derzeitigen Zustand besteht darin, sich tatsächlich um eine Lösung des Konfliktes zu bemühen. Aber die Fronten sind absolut verhärtet: Egal, was der eine Teil der Bevölkerung will, es ist dem anderen Teil nicht vermittelbar. Die Rechtsextremen Ben-Gvir und Smotrich nutzen diesen Zustand derweil aus. Da sind sie völlig skrupellos. Hier rächt sich die Tatsache, dass Israel nach dem 7. Oktober 2023 keine positive Vision entwickelt hat. Denkbar wäre da zum Beispiel die Befreiung von einem Terrorregime gewesen. Netanjahu gab die Zerstörung der Hamas als Ziel aus, aber wie soll das gelingen? Man kann die Terroristen töten, ja, aber wie will man ihre Ideologie bekämpfen, erst recht nach einem solchen Krieg? Zudem scheren sich Ben-Gvir und Smotrich wenig um die Beschwerden der internationalen Öffentlichkeit bei ihrem Vorgehen in Gaza und dem Westjordanland. Weil sie Israels Ruf ohnehin da schon so sehr beschädigt haben. Aber der Schaden könnte noch schlimmer werden. Inwiefern? Der Religionswissenschaftler Tomer Persico argumentiert schlüssig, wie der Extremismus den jüdischen Glauben von den Menschenrechten entkoppelt. Aber, so Persico, ein jüdischer Glaube ohne Menschenrechte ist kein jüdischer Glaube mehr. Es lauert zudem eine große Gefahr: Wenn der jüdische Glaube eine solche Veränderung erfährt, dann leidet seine Akzeptanz weltweit. Darüber könnte auch die Unterstützung der jüdischen Diaspora verloren gehen, die weit liberaler eingestellt ist als große Teile der israelischen Gesellschaft: Kann Israel das überleben? Was ist Ihre Antwort? Ich weiß es nicht. Zurzeit passiert in Israel etwas, was andernorts auch geschieht. Liberalismus und Humanismus werden angegriffen. Ob sie sich behaupten werden, kann nur die Zukunft zeigen. Die Menschen in meinem Buch spiegeln ein Land im Widerspruch. Alle Gespräche waren aufschlussreich; was ich in einigen zu hören bekam, war wirklich hart. Zum Teil war ich richtig erschrocken. Mir wurde immer wieder gesagt, dass wir in Europa keine Ahnung von der Schärfe der Auseinandersetzung in Israel hätten. Wenn es um das Verhältnis zu den Palästinensern ging, hörte ich fast immer dieselbe Frage: Wir oder sie? Welche Lehre haben Sie aus den Gesprächen gezogen? Wie wichtig das Zuhören ist. Man muss die Position des anderen nicht im Mindesten teilen, aber seine Argumente sollte man sich anhören. Wie könnte eine Gesellschaft denn sonst ihre Konflikte aushandeln? Nehmen wir diesen Ehemann, über den wir schon kurz gesprochen haben: Ja, ich muss ihn einen Rechtsextremen nennen, ich finde seine Äußerungen allesamt bestürzend. Aber er hat eine gewisse Lebenserfahrung aus vielen Kriegen und dem Zusammenleben mit den Palästinensern. Ist es nicht wichtig, seine Stimme abzubilden? Warum denkt er so? Ohne seine Argumente zu kennen, kann man kaum die gegenwärtige Verfasstheit des Landes verstehen, und ohne die Zustimmung von Menschen wie ihm wird es keinen Frieden geben können. Danach sieht es nicht aus. Leider. Was wir in Deutschland nicht vergessen dürfen: Der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis wird nicht nur mit ideologischen Mitteln geführt, es ist vor allem immer noch eine militärische Auseinandersetzung. Menschen werden verletzt, Menschen werden getötet. Der Weg zum Frieden wird lang und beschwerlich sein. Frau Adler, vielen Dank für das Gespräch.

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