Für Emma Aicher laufen die Olympischen Spiele gut an. Eine Silbermedaille hat sie bereits. Trotz sportlichen Höhenfluges bleibt die gebürtige Schwedin am Boden. Aus Cortina d'Ampezzo berichtet Melanie Muschong Sie fährt für ihr Leben gerne Ski und ist auf der Piste zu einer der besten Skirennfahrerinnen geworden. In dieser Saison fuhr die 22-jährige Emma Aicher in St. Moritz in der Abfahrt ihren dritten Weltcupsieg ein – vor US-Star Lindsey Vonn und der Italienerin Sofia Goggia. Im Slalom wurde sie in Courchevel Dritte hinter Rekordhalterin Mikaela Shiffrin und der Schweizer Weltmeisterin Camille Rast. Und bei den Olympischen Spielen gelang Aicher in der Abfahrt ein Coup: Sie verpasste Gold knapp und sicherte sich hinter der US-Amerikanerin Breezy Johnson die Silbermedaille. Aicher misst sich in ihren jungen Jahren schon mit den Besten im Feld und meistert diese Aufgabe mit Bravour. Im Mittelpunkt steht sie dennoch nicht gerne. Aicher gibt sich bei Interviews bodenständig und meist kurze Antworten. Der Fokus liegt für sie ganz klar auf dem Geschehen auf dem Schnee, nicht abseits davon. So sagte die Athletin nach ihrem dritten Platz beim Nachtrennen in Frankreich: "Ich bin einfach gefahren. Skifahren geht in die richtige Richtung jetzt gerade, ich bin einfach zufrieden damit." Nach ihrer olympischen Silbermedaille berichtete sie im Gespräch mit t-online: "Ich war im Ziel nervös, ganz schlimm. Es ist ja gut ausgegangen. Ich habe mich riesig gefreut." Emma Aicher holt erste Medaille: Deutscher Ski-Star löst "Wahnsinn" aus Sturz von Superstar Lindsey Vonn : Das "tragische" Ende Breezy Johnson: Olympiasiegerin macht Medaille kaputt Aicher zeigte sich trotz Medaillenfahrt selbstkritisch: "Ich habe echt nicht gedacht, dass es reicht. Ich war nicht ganz zufrieden mit meiner Fahrt. Es fühlte sich nicht großartig an, aber ich glaube, ich habe es geschafft, den Ski ziemlich gut laufen zu lassen." "Muss vor dieser Frau immer wieder den Hut ziehen" Keine außerordentlichen Jubelworte, keine ausgelassene Stimmung und schon gar kein Höhenflug. Das Lob kommt von anderen. TV-Experte und Ex-Ski-Star Felix Neureuther sagte in der ARD zu Aichers Leistung in Courchevel: "Das hat sie clever gemacht. Ich muss vor dieser Frau immer wieder den Hut ziehen. Was sie macht, ist Wahnsinn!" Auch DSV-Teamkollegin Kira Weidle-Winkelmann lobte Aicher nach dem Abfahrtscoup bei Olympia . Sie sagte t-online: "Wahnsinn. So cool, wie sie das heute gemacht hat und so geliefert hat an dem Tag. Das ist einfach echt sehr bemerkenswert, wie sie das macht. Auch schon die ganze Saison." Aichers Erfolg ist auch besonders, da sie sich selbst einen Wettbewerbsnachteil verschafft, denn: Aicher fährt alle Disziplinen. Da sie dadurch keinen Wettkampf auslässt, kann sie auch nicht so viel trainieren wie andere. Ihr Training sind die Wettkämpfe, in denen sie sich mit den ganz großen und auch erfahrenen Stars misst. Die Allrounderin ist es gewohnt, aus dem Koffer zu leben. Der Grundstein dafür wurde schon früh gelegt. In Schweden aufgewachsen Aicher ist in Schweden geboren und wuchs dort in Sundsvall auf. Ihre Mutter ist Schwedin, ihr Vater Deutscher. Sie trainierte erst in Schweden in einem Skiklub und später dann in Engelberg in der Schweiz, ehe sie ein Internat in Berchtesgaden besuchte. Seit der Saison 2020/21 startet Aicher für Deutschland und gab im November 2021 ihr Weltcupdebüt. Nur ein Jahr später nahm sie an den Olympischen Winterspielen in Peking teil und wurde dort 18. im Slalom und 21. im Riesenslalom . Zudem gewann sie Silber mit dem Team. In Mailand und Cortina d'Ampezzo hat sie nun schon ein Mal Edelmetall geholt und hat noch weitere Chancen: in der Team-Kombination am Dienstag und im Super-G am Donnerstag.