CoMMPASS-Konferenz: E-Learning bietet Chancen für afrikanische Journalismusausbildung
Nach drei Jahren geht das EU-geförderte Projekt CoMMPASS („Communicating Migration and Mobility: E-Learning Programs and Newsroom Applications for Sub-Saharan Africa) zu Ende. Auf der Abschlusskonferenz in Uganda traf sich das Projektkonsortium mit weiteren Lehrenden aus Afrika – und zeigte künftige Wege für E-Learning-Programme und Migrationsberichterstattung auf dem Kontinent auf.
Von Sharon Kyatusimiire, Peninah Nalubega, Chisomo Sumani, Anthony Kizza und Bill Dan Arnold Borodi
Bildquelle: CoMMPASS
Auf der Konferenz „Media, Migration and Mobility: Reimagining the African Narrative” wurden die Projektergebnisse und insbesondere die E-Learning-Plattform von CoMMPASS vorgestellt und diskutiert. Sie ist in den vier wichtigsten Sprachen Subsahara-Afrikas – Englisch, Französisch, Portugiesisch und Kiswahil – verfügbar und stellt damit einen Versuch dar, ethisch fundierte, präzise und wirkungsvolle Migrationsberichterstattung quer über die Sprachregionen hinweg zu vermitteln. So soll auch ein grenzüberschreitender Diskurs darüber möglich werden. Die Konferenz beschäftigte sich dabei insbesondere mit der Frage, welche Chancen E-Learning für die Journalistenausbildung in Afrika bietet.
Die Plattform haben jeweils zwei Universitäten aus Burkina Faso, Malawi und Uganda gemeinsam mit der TU Dortmund und der ISCTE-Universität in Lissabon entwickelt. Bislang haben mehr als 2.300 Studierende und Journalisten von den Online-Kursen profitiert, die an 37 Universitäten in 29 afrikanischen Ländern implementiert worden sind. Über 100 Dozenten und Wissenschaftler der Partner- und assoziierten Partnerhochschulen des Projekts wurden zum Thema und für den Umgang mit dem E-Learning-Portal geschult, das in Roll-out-Seminaren auch in der journalistischen Praxis bekannt gemacht wurde.
Die dritte und letzte Projektkonferenz fand Anfang Februar an der Uganda Christian University in Mukono nahe der ugandischen Hauptstadt Kampala statt. Wissenschaftler aus ganz Afrika forderten die Regierungen auf dem Kontinent wie auch die Partner in der Entwicklungszusammenarbeit auf, verstärkt in E-Learning-Technologien zu investieren, damit mehr Menschen von Online-Bildungsangeboten profitieren können. Insgesamt kamen auf der Konferenz Wissenschaftler, Forscher und Vertreter der Medienpraxis aus 28 Ländern zusammen.
Die Projektleiterin, Prof. Susanne Fengler von der TU Dortmund, dankte allen beteiligten Partnern für ihren Beitrag zum Erfolg des Projekts und wies darauf hin, dass nun ein nachhaltiger Einsatz erforderlich sei, um sicherzustellen, dass mehr Journalisten in der Berichterstattung über Migration und Mobilität geschult werden, da diese weltweit zu einem wichtigen Themenbereich geworden sei.
Fokus auf Sprachenvielfalt und afrikanische Perspektiven
Während der Konferenz betonte Miguel Crespo vom portugiesischen Projektpartner ISCTE die Notwendigkeit, afrikanische Perspektiven stärker in die Gestaltung von Online-Lernplattformen einzubeziehen. Er wies darauf hin, dass viele E-Learning-Kurse wichtige afrikanische Realitäten wie die Sprachenvielfalt auf dem Kontinent, Zugangsmöglichkeiten zu digitalen Medien und Inklusion nicht berücksichtigten. Dr. Mulatu Alemayehu Moges aus Äthiopien wies auf die mangelnde Spezialisierung in der journalistischen Ausbildung hin, insbesondere bei der Berichterstattung über wichtige, aber weniger attraktive Themen wie Migration. Er betonte, dass Kurse wie CoMMPASS dazu beitragen könnten, diese Lücke zu schließen. Online-Lernen biete eine Möglichkeit, den Zugang zu journalistischer Ausbildung zu erweitern und den Berufsstand in ganz Afrika zu stärken.
Der Keynote-Redner, Prof. Ralph Afolabi Akinfeleye von der New City University in Nigeria und Vorstandsmitglied des World Journalism Education Council, hob außerdem die negativen Auswirkungen hervor, die soziale Medien auf die Berichterstattung über Migrationsfragen haben, und forderte Journalisten auf, ethische Standards einzuhalten.
„Die Berichterstattung über Migration ist nicht so glamourös wie die Berichterstattung über Skandale. Daher müssen Journalisten über die Berichterstattung im Stil der umgekehrten Nachrichtenpyramide hinausgehen und mehr recherchieren, bevor sie einen Artikel verfassen“, betonte er.
Keynote-Speaker Prof. Ralph Afolabi Akinfeleye. Bildquelle: CoMMPASS
Professor Levi Obonyo von der Daystar University in Kenia sagte, dass die journalistische Ausbildung in Afrika aus dem Westen übernommen wurde, was ihr weiterhin die Möglichkeit nehme, lokale Realitäten widerzuspiegeln.
Issa Boro von der Universität Thomas Sankara in Burkina Faso stellte fest, dass die Kluft zwischen den Erwartungen der Redaktionen und der journalistischen Ausbildung in den Hochschulen immer größer werde. „Wir müssen uns gegenseitig als Partner und Mitstreiter betrachten, nicht als Konkurrenten. Die Ausbildung sollte die Redaktionen bereichern, aber derzeit ist das nicht der Fall. Es bedarf weiterer Programme wie CoMMPASS, um diese Kluft zu überbrücken, wenn journalistische Standards gewahrt bleiben sollen“, sagte er.
Die Konferenz fand auch bei Förderern des afrikanischen Kulturerbes Anklang. Kisanet Tedros ist Gründerin von Beles Bubu, einer Organisation, die sich dafür einsetzt, Kindern kulturelle Traditionen näherzubringen. Sie sagte, die Diskussionen stünden in engem Zusammenhang mit ihrer Arbeit. „Ich freue mich, dass über afrikanische Erzählungen gesprochen wird“, sagte Kisanet. „Das wird uns helfen, unsere eigene Geschichte und unsere eigene Wahrheit zu schaffen.“
„Bildung ist kein Ort, sondern ein Ergebnis“
Abaas Mpindi, Mitgründer der Media Challenge Initiative, einer Non-Profit-Organisation für junge Journalisten in Uganda, stellte in seiner Grundsatzrede über die Zukunft der Online-Journalismusausbildung in Subsahara-Afrika fest, dass viele Institutionen das Online-Lernen immer noch nicht ernst nähmen.
Seiner Meinung nach schränke diese „veraltete“ Denkweise die Fähigkeit Afrikas ein, moderne Lernmodelle anzunehmen. „Wir müssen unsere Einstellung zum Online-Bildungswesen ändern. Wir dürfen Bildung nicht als Ort, sondern als Ergebnis betrachten. Die Zukunft des Online-Bildungswesens muss sich an den Kontext einer sich wandelnden Welt anpassen und Journalisten darauf vorbereiten, in der dynamischen Nachrichtenwelt von heute effektiv zu arbeiten“, sagte er.
Über die Journalismus-Ausbildung hinaus zeigte die Konferenz auch Perspektiven für E-Learning in Afrika insgesamt auf. Professor John Kalenga Saka, Ratsvorsitzender an der Universität Livingstonia in Malawi, erklärte, dass Online-Bildung zunehmend die Neugestaltung und Akkreditierung akademischer Lehrpläne präge. Pädagogen müssten zeigen, dass Online-Lernen genauso gut sei wie die Interaktivität im Präsenzunterricht.
Saul Waigolo, Sprecher des Nationalen Rates für Hochschulbildung (NCHE) in Uganda erklärte, dass der Rat keine Einwände gegen Online-Lernen habe, sofern die Qualifikationen authentisch sind und von akkreditierten und anerkannten Institutionen erworben wurden. Waigolo mahnte die Lernenden jedoch zur Vorsicht bei der Anmeldung zu Online-Kursen und warnte, dass einige sogenannte Online-Bildungsanbieter keine authentisch akademischen Einrichtungen seien.
Die Perspektive der Studierenden
Doch was sagen Absolventen über den aus 14 Modulen bestehenden Online-Kurs von CoMMPASS? Aisha Traoré, Journalistin aus Burkina Faso, hob die Flexibilität des Kurses hervor und merkte an, dass sie dadurch Module absolvieren und jederzeit und überall lernen konnte.
Clara Phiri aus Malawi betonte, wie wichtig Faktenprüfung sei. . „Ich habe gelernt, dass man nach der Datenerhebung deren Richtigkeit überprüfen muss, insbesondere in Zeiten von Falsch- und Desinformationen“, erklärte sie.
Chisomo Sumani, ebenfalls aus Malawi, beschrieb ihre Zeit im CoMMPASS-Kurs als „großartige Erfahrung“ und fügte hinzu, dass die Kursgestaltung für die Lernenden „sehr flexibel“ sei. „Es fiel mir leicht, mich an den Zeitplan zu halten.“ Sumani merkte jedoch an, dass es notwendig sei, Live-Sitzungen und Online-Lernen zu kombinieren, um die Studierenden zu motivieren und zu ermutigen, den Kurs fortzusetzen.
Studierende präsentieren ihr Feedback zum CoMMPASS E-Learning Portal. Bildquelle: CoMMPASS
Journalismus-Awards für drei herausragende Artikel
Insgesamt fünf Journalisten aus ganz Afrika wurden auf der Konferenz für ihre herausragende Berichterstattung über Migrations- und Mobilitätsfragen auf dem Kontinent ausgezeichnet.
Henry Nwachukwu, Student der Pan-Atlantic University in Nigeria, Emmanuella Agbezukey, Studentin aus Ghana, und Blessing Bolaji, Absolventin der Pan-Atlantic University in Nigeria, wurden für ihre gemeinsamen Bemühungen im Rahmen einer crossborder-journalistischen Zusammenarbeit prämiert. Ihr Artikel „Digital Trap: How Online Promises Are Hurting Migrants in the Nigeria–Ghana Corridor“ veranschauliche, wie Falschinformationen über Migrationsmöglichkeiten und Beschäftigungen im Ausland häufig zu Ausbeutung und Betrug führen, lobte die Jury.
Djakaridia Siribie, Journalistin bei der staatlichen Zeitung Les Éditions Sidwaya in Burkina Faso, und Collins Mtika, Mitbegründer des Centre for Investigative Journalism in Malawi (CIJM), wurden als weitere Gewinner bekannt gegeben.
Siribies Artikel „Les réfugiés passent de l’assistance humanitaire à l’autonomie“ befasste sich mit dem entscheidenden Übergang von Flüchtlingen aus der Abhängigkeit von humanitärer Hilfe zu Selbstständigkeit. Mtika untersuchte in seinem Beitrag „When the Rains Leave: Malawi’s Hidden Climate Migration Trap“ die klimabedingte Migration in dem südostafrikanischen Land.
Nach Angaben der Organisatoren gingen mehr als 100 Beiträge von Journalisten aus 28 afrikanischen Ländern ein, was das wachsende Interesse und die zunehmende Fachkompetenz im Bereich der Migrationsberichterstattung auf dem gesamten Kontinent verdeutliche. Aus diesen Einsendungen wurden unter Federführung der Livingstonia-Universität acht herausragende Artikel für die Endauswahl nominiert. In einer abschließenden Abstimmung wählten die Mitglieder des CoMMPASS-Konsortiums und die Konferenzteilnehmer die drei prämierten Artikel aus.
Das CoMMPASS-Projekt läuft noch bis Ende März 2026. Involviert sind die Universitäten Thomas Sankara und Joseph Ki-Zerbo aus Burkina Faso neben den malawischen Hochschulen University of Livingstonia und Malawi University of Business and Applied Sciences sowie aus Uganda die Makerere-Universität und die Uganda Christian University. Auf europäischer Seite gehört auch die ISCTE-Universität Lissabon zum von der TU Dortmund (Projektkoordination: Prof. Dr. Susanne Fengler und Dr. Michel Leroy) geleiteten Konsortium. CoMMPASS wird als Projekt für Kapazitätsaufbau im Hochschulbereich vom Erasmus+-Programm der EU gefördert.
Dieser Artikel ist eine Zusammenstellung und Übersetzung von verschiedenen Beiträgen, die während der CoMMPASS-Abschlusskonferenz von Studierenden und jungen Journalisten aus Uganda und Malawi verfasst und auf der Projektwebsite veröffentlicht worden sind. Die Autorinnen Sharon Kyatusiimire und Peninah Nalubega (Uganda) sowie Chisomo Sumani (Malawi) und die Autoren Bill Dan Arnold Borodi und Anthony Kizza (Uganda) haben gemeinsam mit weiteren Absolventen der E-Learning-Plattform an einem Workshop zur Live-Berichterstattung von der Konferenz teilgenommen. EJO übernimmt ihre Beiträge mit freundlicher Genehmigung. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: Dominik Speck.
Der Beitrag CoMMPASS-Konferenz: E-Learning bietet Chancen für afrikanische Journalismusausbildung erschien zuerst auf Europäisches Journalismus-Observatorium (EJO).