Steht die Nato vor dem Aus? In dem von US-Präsident Trump angezettelten Grönland-Konflikt wurde dies zwischenzeitlich nicht ausgeschlossen. Nun kommen aus Washington andere Töne. In der Nato stehen die Zeichen nach Wochen schwerer interner Spannungen auf Deeskalation. Bei einem Verteidigungsministertreffen in Brüssel zeigte sich die US-Regierung von Präsident Donald Trump am Donnerstag überraschend zufrieden mit den Bemühungen der Europäer um eine fairere Lastenteilung. Zudem sicherte sie den Alliierten mit deutlichen Worten Bündnistreue zu und warben für eine Nato "3.0". "Wir werden weiterhin die erweiterte nukleare US-Abschreckung gewährleisten. Und wir werden – in begrenzterem und stärker fokussiertem Umfang – auch weiterhin konventionelle Fähigkeiten bereitstellen, die zur Verteidigung der Nato beitragen," sagte der in Vertretung für US-Verteidigungsminister Pete Hegseth nach Brüssel gereiste Staatssekretär Elbridge Colby in einer Rede im Nordatlantikrat. Als erste europäische Spitzenpolitikerin: Klöckner besucht überraschend Gaza "12 Billionen Dollar": Putin lockt wohl Trump mit Angebot Zudem wurde der von Nato-Oberbefehlshaber Alexus G. Grynkewich gestartete Arktis-Einsatz als Zeichen der Entspannung im Grönland-Konflikt gewertet. In diesem hatte Trump zeitweise mit Strafzolldrohungen einen Verkauf der riesigen Arktisinsel an sein Land erzwingen wollen und behauptet, sonst könnten sich Russland oder China die zu Dänemark gehörende Insel einverleiben. "Nato 3.0" Colby sagte bei dem Treffen, seiner Meinung nach habe man nun "eine sehr starke Grundlage, um partnerschaftlich zusammenzuarbeiten". Er sprach von einer "Nato 3.0", die auf Partnerschaft statt Abhängigkeit beruhe. Es gehe um eine Rückkehr zu dem, wofür die Nato ursprünglich gedacht gewesen sei, sagte Colby. Dies seien Verteidigung und Abschreckung. Konkret lobte Colby, dass sich die Europäer im vergangenen Jahr verpflichtet hätten, sich federführend um die konventionelle Verteidigung zu kümmern. In seiner Rede vor den Verteidigungsministern sagte er, die Nato habe sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in eine Art "Nato 2.0" verwandelt. Diese Version des Bündnisses sei von umfangreicher Abrüstung geprägt gewesen und davon, dass man sich mit Operationen außerhalb des Bündnisgebiets beschäftigt habe. Was nun gebraucht werde, sei eine "Nato 3.0" – und diese erfordere, dass nun die Verbündeten die primäre Verantwortung für die konventionelle Verteidigung Europas trügen. US-Fokus auf Pazifikraum Dass die Vereinigten Staaten künftig jene Schauplätze und Herausforderungen priorisieren wollten, bei denen nur amerikanische Macht eine entscheidende Rolle spielen könne, sei nicht gleichbedeutend mit einem Rückzug aus Europa, betonte er mit Blick auf den neuen US-Fokus auf den Pazifikraum. Dies sei vielmehr eine Bekräftigung von strategischem Pragmatismus und die Anerkennung der unbestreitbaren Fähigkeit der Verbündeten, selbst mehr zu tun. "Eine Strategie, die so tut, als könnten die Vereinigten Staaten auf unbestimmte Zeit der primäre konventionelle Verteidiger Europas sein und zugleich andernorts überall die entscheidende Last tragen, ist weder nachhaltig noch umsichtig", sagte Colby. Rutte lobt Deutschland Auch Nato-Generalsekretär Mark Rutte zeigte sich bei dem Verteidigungsministertreffen zufrieden. Er verwies dabei konkret auf die von der deutschen Bundesregierung geplante Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Diese sollen bis 2029 auf knapp 153 Milliarden Euro steigen und würden dann fast dreimal so hoch liegen wie noch 2021. Angesichts der Tatsache, dass sich die USA stärker um die Lage im Pazifik kümmern müssten, sei es entscheidend, dass Europa und Kanada mehr Verantwortung übernähmen, betonte Rutte. Bereits am Dienstag hatte die Nato mitgeteilt, dass die USA in der militärischen Kommandostruktur Spitzenposten an Europäer abgeben werden. Ergebnis ist nach Angaben aus Bündniskreisen, dass Deutsche in der Gesamtschau künftig mehr Führungsverantwortung übernehmen als Amerikaner.