Jugendschutz bei Fastnacht: Schnaps im Känguru-Kostüm: Polizei kontrolliert Jugendliche
Alkohol fließt beim Rosenmontagsumzug auch in Mainz reichlich – aber für Jugendliche gibt es klare Grenzen. Die kontrolliert die Polizei und trifft nicht bei allen Minderjährigen auf Verständnis.
Eine 15-Jährige trägt am Mainzer Bahnhof Römisches Theater ein Känguru-Kostüm – im Beutel findet eine Polizeibeamtin etwa 50 kleine Schnapsflaschen. "Da haben wir die Mutter mal angerufen", sagt die Polizeihauptkommissarin, die am Rosenmontag mit etwa einem Dutzend anderer Beamter in Zivilkleidung Jugendschutzkontrollen durchführt.
Die Jugendliche habe angegeben, ihre Mutter wüsste nichts von den Schnapsflaschen. Den Alkohol haben die Polizeibeamten eingezogen, er werde im Nachgang der Kontrollen am Rosenmontag vernichtet.
Doch nicht jede Kontrolle ende mit einem Anruf bei den Eltern, sagt Antun Bacic von der Polizei Mainz. "Bei Fastnacht ist das auch immer abhängig vom Grad der Alkoholisierung und auch von der Kinderstube. Die allermeisten Jugendlichen sind einsichtig und rücken das raus und dann ist das eine schnelle Sache."
Der Hauptkommissar arbeitet im Sachgebiet Jugendkriminalität. "Ich will dir den Tag nicht verderben", sagt Bacic zu einem 17-Jährigen, aus dessen Tasche er zwei Wodkaflaschen zieht. Bier und Wein könne der junge Mann trinken, aber nichts Hochprozentiges. Die Flaschen kippt der Hauptkommissar aus. Bacic kontrolliert den Ausweis, zieht den Schnaps ein und erklärt die Rechtslage. Weitere Maßnahmen müsse der 17-Jährige nicht fürchten, weil er sich einsichtig zeige.
Hochprozentiges erst ab 18 Jahren
Für Jugendliche unter 16 Jahren ist sowohl die Abgabe als auch der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit grundsätzlich verboten. Unter 18 Jahren sind Bier, Wein und Sekt erlaubt. Spirituosen wie Schnaps, Alkopops oder viele Mixgetränke aber erst ab 18. "Auch Mixgetränke, in denen Branntwein enthalten ist, werden eingezogen", sagt Hauptkommissar Bacic. Auf den Flaschen sei angegeben, ob es sich um branntweinhaltige Getränke handelt.
Illegale E-Zigaretten nehmen zu
Seit 2008 führt Bacic bereits Jugendkontrollen durch. "Wir haben weniger klassische Zigaretten. Die Jugendlichen sind fast alle auf diese Vapes umgestiegen. Das war früher anders." Rauchen in der Öffentlichkeit ist erst ab 18 Jahren erlaubt. Daher werden solche E-Zigaretten bei Minderjährigen eingezogen.
Illegale E-Zigaretten finden Bacic und seine Kollegen immer häufiger. "Fast alle Jugendlichen haben die aus finanziellen Gründen", erklärt der Polizist. Es handele sich um sogenannte Vapes mit besonders vielen Zügen pro Gerät. Die seien in der EU nicht zugelassen und dementsprechend auch nicht versteuert worden, sagt Bacic. Illegale Varianten von E-Zigaretten seien für jeden verboten – unabhängig vom Alter.
Bringen die Kontrollen etwas?
"Ich mache das jetzt auf Vertrauensbasis. Hochprozentiges dürft ihr nicht trinken und mit den Sachen bitte auch etwas aufpassen", sagt Bacic, während er bei zwei 17-Jährigen auf die Wein- und Bierflaschen zeigt. Wie empfinden die beiden Jugendlichen die Kontrolle? "Ich bin ehrlich: Ich weiß nicht genau, ob die so viel bringen", sagt die eine. Der Gedanke sei aber richtig.
Zwei 18-Jährige, deren Löwen-Kostüme kleine Schnapsflaschen aufgereiht schmücken, werden am Rosenmontag ebenso von den Polizisten nach ihren Ausweisen gefragt. "Die Kontrollen sind ein bisschen unnötig, aber wenn die finden, dass ich aussehe wie 16, dann sollen sie es halt machen", sagt der eine junge Mann. Sein Begleiter fügt hinzu: "Es ist Fastnacht, da kann man auch mal ein Auge zudrücken. Aber es muss halt sein, es ist eben das Gesetz. Ist in Ordnung."
Polizei hofft auf präventive Wirkung der Kontrollen
"Wir wollen zeigen, dass wir als Polizei da sind und die Jugendlichen sich mit ihrem Konsum etwas zusammenreißen sollen", sagt Bacic, der seit Jahrzehnten im Polizeidienst ist. "Ich kann keine Jugendlichen erziehen. Das ist auch gar nicht meine Aufgabe. Das ist Sache der Eltern." Er hoffe darauf, dass die Kontrollen eine präventive Wirkung haben.
Zum Abend hin steige der Alkoholkonsum, das verändere seine Arbeit und die seiner Kollegen. "Wer sich dann nicht mehr benehmen kann, bekommt auch mal einen Platzverweis", sagt Bacic. Und wenn Jugendliche zu viel getrunken haben, werden sie vom Rettungsdienst versorgt. Auch Mitarbeiter des Jugendamtes sind bei den Kontrollen am Rosenmontag dabei und im Stadtgebiet unterwegs. Sie verteilen Flyer mit Notfallnummern, kostenloses Wasser und bieten Gespräche an.
Bis zum Nachmittag hat die Polizei 375 Jugendschutzkontrollen durchgeführt. Über 140 Liter Alkohol mussten demnach entsorgt werden.