Die jüngste Dschungelcamp-Staffel hat viel Aufregung ausgelöst, und das TV-Publikum will Köpfe rollen sehen. Besser wäre aber: Es bleibt alles, wie es ist. Es gibt Dinge, die ändern sich nie: Dieter Bohlens schmale Oberlippe, Angela Merkels Frisur, oder Xavier Naidoos Weg, der kein leichter sein wird. Oder Sonja Zietlow , die seit mehr als 22 Jahren das Dschungelcamp moderiert. Damit hat sie sich ein Anrecht auf diesen Stammplatz erarbeitet – und das ist auch gut so. Ob an der Seite von Dirk Bach , Daniel Hartwich oder zuletzt auch an der von Jan Köppen : Zietlow ist eine Bank. Sie ist witzig, professionell, und in den richtigen Momenten ist sie einfach eine von uns, eine Zuschauerin, die das Dschungelcamp mag. Zietlow kommen auch mal die Tränen, sie sagt gelegentlich sogar, wenn sie etwas oder jemanden daneben findet. Doch jetzt werden Stimmen immer lauter, die ihre Abberufung fordern. Zugegeben, die Moderation der jüngsten Staffel von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" gehört nicht zu ihren Glanzleistungen. Schlimmer noch, sie war für Zietlow wohl die schlechteste, die es je gab und jemals geben wird. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie die Messlatte in der Vergangenheit sehr hoch gesetzt hatte. Und daran, dass bei der jüngsten Dschungelcamp-Staffel etwas schiefgelaufen ist. Zietlows moralischer Kompass, auf den man sich sonst minutiös verlassen konnte, war diesmal wohl defekt. Das Problem mit der Moderatorin war nicht, wie es jetzt häufig heißt, dass sie parteiisch war . Das dürfen die Moderatoren sein, sie sind ja keine Schiedsrichter. Außerdem macht genau das auch den Reiz der RTL-Show aus. Mikrofon versehentlich angeschaltet: Vorwürfe gegen Sonja Zietlow Dschungelcamp ade: RTL scheitert an Gil Ofarim Das Problem war vielmehr, dass Zietlow für die falsche Seite Partei ergriffen hat. Sie hat nicht eingegriffen, als sie es hätte machen müssen. Sie hat Dinge, Gil Ofarim betreffend, nicht richtiggestellt, ihn nicht mit Aussagen, die widersprüchlich oder sogar falsch waren, konfrontiert. In allen Staffeln zuvor hat sie es besser gemeistert. Gerade dieses Mal wäre es wichtig gewesen, sie wäre sich treu geblieben. Kostet ihr die Moderatorin nun den Job? Bei RTL gibt man sich schwammig: "Sonja Zietlow und Jan Köppen gehören fest zum Dschungelcamp wie Lagerfeuer und Dschungelprüfung. Über die nächste Staffel informieren wir wie gewohnt rechtzeitig", erklärte eine Sprecherin auf Nachfrage von t-online. Sich von Sonja Zietlow als Dschungelcamp-Moderatorin zu verabschieden, wäre falsch. Die 57-Jährige hat einen Fehler gemacht, ja. Aber eine verdiente Moderatorin nach 18 guten und einer missratenen Staffel abzusägen, sähe aus wie eine opportune Schnellschussreaktion – und nicht wie eine verhältnismäßige Konsequenz. Zumal das Dschungelcamp-Publikum ohnehin zur Vergesslichkeit neigt. Schließlich hatte ein Großteil der Zuschauer (60 Prozent) innerhalb von 14 Tagen ja offenbar auch erfolgreich verdrängt, warum er ursprünglich mal gegen eine Teilnahme Gil Ofarims am Dschungelcamp war. So lauteten jedenfalls die Umfragewerte vor Show-Start und dann, zack: Das Finale gewann ebendieser Ungewollte. In 45 Wochen dürfte also kaum noch jemand wissen, was überhaupt passiert ist. Ob das auch der Grund ist, warum Sonja Zietlow seit 22 Jahren die gleiche Frisur trägt? Hat sie Angst, dass sich niemand mehr an sie erinnert? Das könnte erklären, warum manches einfach bleibt, wie es ist.