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Industrie: Merseburg berät über Erweiterung am Chemiestandort Leuna

Stern 

Mitten in der Krise der Chemieindustrie berät der Stadtrat über die Erweiterung des Chemiestandorts Leuna. Geplant sind vor allem neue Flächen für Unternehmen der Bioökonomie und Biochemie.

Der Stadtrat von Merseburg entscheidet heute über die geplante Erweiterung des Chemiestandortes Leuna. Ziel ist die "Errichtung eines Industrie- und Gewerbegebietes zur Ansiedlung großflächiger, innovativer und nachhaltiger Unternehmen", heißt es in der entsprechenden Beschlussvorlage, über die das Gremium abstimmen soll. Stimmen die Stadträte zu, startet im nächsten Schritt die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit. Festsetzungen zu Baurecht oder zur konkreten Umsetzung werden damit noch nicht getroffen. 

Der Bebauungsplan für ein "Industriegebiet Merseburg - Süd West (Leuna III)" hat insbesondere Flächen für die Ansiedlung von Unternehmen zum Ziel, "die vorwiegend im Bereich der Bioökonomie und Biochemie arbeiten und eine hohe Anzahl an qualifizierten Arbeitsplätzen schaffen", heißt es weiter. Martin Naundorf, Vertriebschef der Infra Leuna, die den Chemiestandort betreibt, sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", dass es konkrete Nachfrage nach Investitionen vor Ort gebe. Das Industriegebiet stoße mit aktuell 35 Hektar verfügbarer Fläche perspektivisch an Grenzen. 

Ostdeutsche Chemieindustrie in der Krise

Zuletzt war die ostdeutsche Chemieindustrie vor allem von Anzeichen einer tiefen Krise geprägt: Im Sommer vergangenen Jahres hatte Dow Chemical bekanntgegeben, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau und im sächsischen Böhlen Ende 2027 geschlossen werden soll. Das Chemieunternehmen Domo hatte kurz vor Ende des vergangenen Jahres für seine drei deutschen Tochterfirmen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg Insolvenz angemeldet und erklärt, die Produktion sofort stoppen zu müssen. Allein in Leuna sind davon rund 500 Jobs betroffen. Wenige Tage später schaltete sich das Land Sachsen-Anhalt ein und entschied, den Betrieb aus Sicherheitsgründen vorerst am Laufen zu halten. 

Im Chemiedreieck in Sachsen-Anhalt gibt nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit insgesamt 100 Firmen mit rund 10.000 Beschäftigten.

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