Die zweite Hochrechnung zur Wahl in Baden-Württemberg sieht die Grünen vor der CDU. Die SPD erlebt einen schwarzen Sonntag. Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg zeichnet sich ein knapper Sieg für die Grünen um ihren Spitzenkandidaten Cem Özdemir ab. In der zweiten Hochrechnung der ARD liegen sie mit 31,8 Prozent vor der CDU mit 29,6 Prozent, deren Spitzenkandidat Manuel Hagel wohl nicht Ministerpräsident des Landes wird. Auf Platz drei folgt die AfD mit 17,7 Prozent, Linke und FDP müssen mit jeweils 4,4 Prozent um den Einzug in den Landtag bangen. Selbiges gilt überraschenderweise auch für die SPD , die mit einem Ergebnis von 5,5 Prozent ein historisches Debakel erlebt und noch unter der Fünfprozenthürde landen könnte. Baden-Württemberg: Newsblog zur Wahl Jens Spahn: "Grüne Schmutzkampagne gegen CDU-Kandidaten" Erstmals durften Menschen ab 16 Jahren abstimmen Die Wahlbeteiligung liegt den Prognosen nach bei 69,5 bis 71,5 Prozent (2021: 63,8). Gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte durften ihre Stimme abgeben – so viele wie nie zuvor. Erstmals galt ein neues Wahlrecht, auch 16- und 17-Jährige durften abstimmen. Zudem hatten Bürger zum ersten Mal zwei Stimmen, wie bei der Bundestagswahl . Die Zweitstimme entscheidet über die Kräfteverhältnisse im Landtag, die Erststimme über den Direktkandidaten im Wahlkreis. Wer folgt auf Winfried Kretschmann? Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen trat nach 15 Jahren nicht mehr an. Der 77-Jährige, bundesweit der erste und einzige Regierungschef der Grünen, verabschiedet sich in den Ruhestand. Seit 2016 regierte er mit der CDU, davor mit der SPD. Es gilt als wahrscheinlich, dass CDU und Grüne erneut zusammen regieren. Im Mittelpunkt des Wahlkampfs stand die Wirtschaftspolitik. Baden-Württemberg ist ein industrielles Herz Deutschlands – und abhängig von der Autoindustrie, die einen Strukturwandel durchmacht. Tausende Jobs stehen zur Disposition, etliche Regionen blicken mit Sorge auf die Zukunft. Vorsprung der CDU war deutlich geschrumpft Über Monate lag die CDU in Umfragen deutlich vor den Grünen, der Abstand schmolz zuletzt aber stark. Als Partei präferierten viele zwar die CDU, aber als Ministerpräsidenten wollten die Menschen lieber Özdemir – und weniger den bis zuletzt kaum bekannten CDU-Mann Hagel. Der 60-jährige Grünen-Kandidat Özdemir ist seit Jahrzehnten in der Politik – er saß im Bundestag und im Europaparlament, war Grünen-Chef und auch Bundesminister. Im Wahlkampf ging Özdemir, der sich einen "anatolischen Schwaben" nennt, auf Abstand zu den Bundes-Grünen und gab sich ein eher konservatives Profil. Hagel schwärmte von "rehbraunen Augen" einer Schülerin Der 37-jährige gelernte Bankkaufmann Hagel ist seit 2021 CDU-Fraktionschef im Landtag. Im Wahlkampf stand der gläubige Katholik und Jäger in der Kritik wegen eines Videos: In dem acht Jahre alten Clip schwärmt er von den "rehbraunen Augen" einer minderjährigen Schülerin. Auch SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch trat in einen "Fettnapf", wie er selbst sagte: In einem SWR-Porträt ist zu sehen, dass er ausgerechnet nach einem Besuch in einem Laden der Tafel seinem Fahrer offenbar aufträgt, im benachbarten Frankreich Pastete einzukaufen. Das historisch schlechte Ergebnis der SPD im Südwesten dürfte auch die Bundes-SPD erschüttern. Parteichef Lars Klingbeil steht dort mit den Koalitionspartnern CDU und CSU vor wichtigen Reformen im Renten- und Gesundheitssystem.