Während VW die Kosten drückt, arbeiten Techniker an der riskantesten Wette der Konzerngeschichte. Sie betrifft das Herzstück der Marke. Und verändert alles, was wir bisher über Deutschlands wichtigstes Auto wussten. Hinter VW liegt ein schwieriges Jahr. Der Konzerngewinn halbierte sich nahezu auf rund sieben Milliarden Euro. Zwar blieb der Umsatz mit etwa 322 Milliarden Euro stabil, doch hohe Kosten belasteten die Rendite . Für 2026 hofft der Konzern deshalb auf eine leichte Erholung. Um wieder stärker zu wachsen, setzt Wolfsburg auf eine Produktoffensive. Im Mittelpunkt stehen zwei neue Elektromodelle, mit denen die Marke verloren gegangene Kunden zurückgewinnen will. Gleichzeitig arbeitet der Konzern an einem der wichtigsten Projekte seiner Geschichte: dem elektrischen Nachfolger des Golf. ID.Polo: Kompakt, elektrisch, vielseitig Einer der wichtigen Neustarts ist der ID. Polo. Das kompakte Elektroauto markiert zugleich den Beginn einer neuen Design- und Technikgeneration. Der Wagen ersetzt den klassischen Polo mit Verbrennungsmotor nicht, sondern ergänzt das Modellangebot. Trotz seiner kompakten Länge von 4,05 Metern soll er dank der Elektroplattform mehr Kofferraumvolumen bieten als ein herkömmlicher VW Golf. Im Innenraum kehren zudem klassische Bedienelemente zurück. Echte Regler und Tasten ersetzen die viel kritisierten Touch-Slider. Das neue Infotainment-System ist vollständig vernetzt und unterstützt mehr als 100 Apps. Je nach Batteriegröße liegt die Reichweite zwischen rund 300 und 400 Kilometern. Die Basisversion soll unter 25.000 Euro kosten. ID. Cross: Elektro-SUV im Kleinformat Zweites Standbein der Offensive ist der ID.Cross. Das elektrische Mini-SUV basiert technisch auf dem ID.Polo, soll langfristig aber den heutigen T-Cross ersetzen. Mit einer Länge von 4,16 Metern bleibt der Wagen kompakt und stadttauglich, wirkt durch sein bulligeres Design jedoch deutlich präsenter. Im Innenraum setzt VW auf eine freundlichere Gestaltung mit helleren Farben und hochwertigeren Stoffoberflächen. Ein praktisches Detail ist der zusätzliche Stauraum unter der Fronthaube, in dem sich Ladekabel oder kleinere Gegenstände verstauen lassen. Das Topmodell soll mit einem 211-PS-Frontmotor und einem 53-kWh-Akku eine Reichweite von rund 420 Kilometern bieten. Das große Risiko: Der Golf wird elektrisch Die radikalste Veränderung steht jedoch noch bevor. Ab 2029 soll der Golf ausschließlich als Elektroauto angeboten werden. Seit fünf Jahrzehnten prägt das Modell die Marke – und mit der neunten Generation verabschiedet sich der Konzern endgültig vom Verbrennungsmotor. Der künftige Golf 9 wird auf der neuen SSP-Plattform basieren , die langfristig zur technischen Grundlage vieler Konzernmodelle werden soll. Die Entwicklungsziele sind ehrgeizig: Schnellladen: In nur 15 Minuten soll der Akku auf 80 Prozent geladen sein. Reichweite: Bis zu 600 Kilometer sind geplant. Software: Das Modell wird als "Software Defined Vehicle" konzipiert. Viele Funktionen werden also per Software gesteuert und durch Updates weiterentwickelt. Beim Design setzt Volkswagen gleichzeitig auf vertraute Elemente. Ein erstes Bild zeigt klassische Golf-Proportionen, ähnlich wie am erfolgreichen Golf 4 aus den Jahren 1997 bis 2004. Ein Umbau mit Folgen Für das Stammwerk in Niedersachsen hat das Projekt große Bedeutung. Um Platz für die neue Elektroplattform zu schaffen, wird die Produktion des aktuellen Golf bereits 2027 von dort nach Mexiko verlagert. Ende des Jahrzehnts soll der elektrische Nachfolger dann wieder in Wolfsburg vom Band laufen. Der Wandel verändert vieles im Unternehmen – von den Entwicklungsprozessen bis zu den Wertschöpfungsketten. Gleichzeitig wächst der Druck durch neue Wettbewerber, insbesondere aus China , die mit schnellen Innovationszyklen auf den Markt drängen. Der elektrische Golf muss sich in diesem Umfeld behaupten – und zugleich die treuen Golf-Kunden in die nächste Ära der Marke mitnehmen.