Für Volksbanken lief das Jahr hervorragend. Für viele Sparer sieht die Bilanz dagegen deutlich schlechter aus. Experten sehen darin keinen Zufall. Trotz der schwachen Wirtschaft haben die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken ein sehr erfolgreiches Jahr hinter sich. Der Jahresüberschuss vor Steuern stieg um 10,1 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Das teilte der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für 2025 in Frankfurt mit. Damit erreichten die Institute ein neues Rekordniveau und übertrafen ihre eigenen Ziele. Auch für 2026 zeigt sich der Verband optimistisch. Für viele Sparer klingt diese Erfolgsmeldung allerdings weniger erfreulich. Denn obwohl die Kundeneinlagen um 3,7 Prozent auf insgesamt 925 Milliarden Euro stiegen, zahlen viele Volksbanken vergleichsweise niedrige Zinsen auf Tagesgeld . Warum bieten viele Volksbanken ihren Kundinnen und Kunden beim Tagesgeld so geringe Zinsen? Tagesgeld: Volksbanken zahlen deutlich weniger Eine Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt deutliche Unterschiede zwischen regionalen Banken und bundesweit verfügbaren Angeboten. Verivox untersuchte dafür die Tages- und Festgeldzinsen von mehr als 800 Banken und Sparkassen für eine Anlagesumme von 10.000 Euro. Das Ergebnis: Überregionale Banken und Direktbanken bieten über alle Sparprodukte hinweg meist höhere Zinsen als regionale Genossenschaftsbanken. Besonders groß ist der Abstand beim Tagesgeld. Volks- und Raiffeisenbanken sowie regionale PSD- und Sparda-Banken zahlen im Schnitt nur 0,42 Prozent. Bundesweit verfügbare Tagesgeldangebote bringen dagegen durchschnittlich 1,30 Prozent – also mehr als das Dreifache. Geldanlage (Laufzeit) Bundesweite Angebote Genossenschaftsbanken Sparkassen Tagesgeld 1,30 % 0,42 % 0,37 % Festgeld (1 Jahr) 2,00 % 1,46 % 1,37 % Festgeld (2 Jahre) 2,07 % 1,60 % 1,54 % Festgeld (5 Jahre) 2,23 % 1,93 % 1,95 % Festgeld (10 Jahre) 2,51 % 2,29 % 2,36 % Quelle: Verivox, Stand: 1.3.2026 Beim Festgeld, also einer Geldanlage mit fester Laufzeit und garantiertem Zinssatz, fallen die Unterschiede deutlich kleiner aus. Der Grund liegt laut Verivox-Chef Oliver Maier im Aufbau des Produkts Tagesgeld. "Denn anders als beim Festgeld gelten Konditionsanpassungen hier nicht nur für Neuabschlüsse, sondern auch für alle bereits beim Kreditinstitut angelegten Gelder", erklärt der Finanzexperte. Steigen die Zinsen also stark, müssen Banken diese höheren Konditionen sofort für sämtliche bestehenden Tagesgeldkonten zahlen. Das kann ihre Kosten schnell deutlich erhöhen. Warum viele Volksbanken bewusst niedrige Zinsen zahlen Dass viele Volksbanken beim Tagesgeld zurückhaltend bleiben, ist daher kein Zufall. Dahinter steckt oft eine strategische Entscheidung. Regionale Genossenschaftsbanken verfügen meist über viele langjährige Kunden. Diese legen ihr Geld häufig nicht allein wegen der höchsten Zinsen an, sondern schätzen Filialen vor Ort und persönliche Beratung. Gleichzeitig stehen überregionale Banken und Direktbanken in einem deutlich stärkeren Wettbewerb und locken deshalb mit hohen Zinsen, um neue Kunden und Einlagen zu gewinnen. Drei Prozent Zinsen: Lohnt sich jetzt der Wechsel zum Tagesgeld? Festgeld auf Schwedisch: So viel Zinsen zahlt Klarna Volksbanken finanzieren sich dagegen stark über Einlagen ihrer Kunden und vergeben daraus Kredite in der Region. Besonders deutlich zeigt sich das bei Immobilienfinanzierungen: Die Wohnbaukredite an Privat- und Firmenkunden stiegen zuletzt auf 491 Milliarden Euro. Damit stammt laut BVR rund jeder dritte Euro in der Wohnbaufinanzierung von einer Genossenschaftsbank. Kritik gibt es dennoch. Maier zufolge haben die oft stark einlagenlastigen Volksbanken schon während der Boom-Jahre mit steigenden Leitzinsen größere Zinserhöhungen beim Tagesgeld vermieden und achten bis heute genau auf ihre Margen. "Mickrige Tagesgeldzinsen sind gut für die Bankbilanz, gehen aber zulasten der Sparer", kritisiert der Experte. "Doch solange die Kunden darauf nicht reagieren, indem sie zu Banken mit lukrativeren Konditionen wechseln, wird sich an dieser Geschäftspolitik auch nichts ändern."