Kletterer, Taucher oder Fallschirmspringer zahlen oft mehr für ihre BU-Versicherung – oder werden sogar abgelehnt. Wie der Abschluss dennoch klappt. Nervenkitzel und Versicherungsschutz passen in der Regel schlecht zusammen. Wer in seiner Freizeit gerne taucht, klettert oder mit dem Fallschirm springt, muss damit rechnen, deutlich höhere Beiträge für seine Berufsunfähigkeitsversicherung zu zahlen. In manchen Fällen bewerten die Versicherer das Risiko gar als so hoch, dass sie den Versicherungsschutz komplett ablehnen. Dennoch ist der Abschluss einer Versicherung in vielen Fällen möglich. Warum lohnt sich eine BU-Versicherung? Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) können Sie Ihre eigene Arbeitskraft absichern. Wer aufgrund eines Unfalls oder einer Erkrankung seinen Beruf für mindestens sechs Monate nicht mehr ausüben kann, bekommt vom Versicherer eine monatliche Rente ausgezahlt. Laufende Kosten können so weiter gedeckt werden, eine finanzielle Notlage bleibt aus. Viele Deutsche sind ungeschützt: Jeden Vierten trifft es, doch kaum jemand ist abgesichert Laut Statistiken wird jeder vierte Arbeitnehmer im Laufe seines Arbeitslebens berufsunfähig. Hauptursachen: psychische Probleme, gefolgt von Rücken- und Gelenkproblemen sowie Krebserkrankungen. Was Versicherer von Ihnen wissen wollen Versicherer benötigen bei Vertragsabschluss detaillierte Informationen, um das Risiko korrekt einschätzen zu können. Dies gilt besonders für die BU-Versicherung, da diese langfristig gilt und für den Versicherer im Leistungsfall hohe Rentenzahlungen bedeutet. Die monatliche Beitragshöhe ist abhängig vom individuellen Risiko. Wichtige Aspekte für den Versicherer sind dabei: Alter Beruf Gesundheitszustand Vereinbarte Rentenhöhe Vertragsdauer Versicherer fragen nach Hobbys Zudem fragt der Versicherer danach, ob Sie Sportarten betreiben, bei denen besondere Gefahren bestehen. Für die Beantwortung dieser Frage ist dabei nicht die eigene Einschätzung maßgeblich, sondern nur die des Versicherers. Entsprechend raten Experten dazu, jedes Hobby anzugeben. Als vergleichsweise ungefährlich bewerten die Versicherer in der Regel Ballsportarten wie Fußball, Tennis, Handball oder Basketball – zumindest, wenn diese nur in der Freizeit ausgeübt werden. Auch Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen und Yoga gilt als unproblematisch. Die meisten Wintersportler und Tänzer sind ebenfalls auf der sicheren Seite. Risikoreicher bewerten die Versicherer unter anderem die folgenden Sportarten: American Football Rugby Lacrosse Eishockey verschiedene Kampfsportarten (Boxen, Kickboxen, Mixed Martial Arts, Muay Thai), sofern Sie bei Wettkämpfen antreten Kitesurfing Wildwasserpaddeln Gewichtheben Pferdepolo Bergsteigen (ab gewissen Schwierigkeitsgraden) Höhlen- und Eistauchen Wer eine dieser Sportarten ausübt, bekommt in der Regel dennoch eine BU-Versicherung. Für diese muss er jedoch häufig einen bestimmten Risikozuschlag zahlen. Dessen Höhe kann von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich hoch ausfallen. Manche Versicherer verzichten zudem komplett auf Zuschläge – es lohnt sich also zu vergleichen. Versicherer geben diesen Risikozuschlag üblicherweise in Prozent an. Ein Beispiel: Liegt der Normalbeitrag für einen Versicherten ohne risikoreiches Hobby bei 100 Euro pro Monat und beträgt der Risikozuschlag 30 Prozent, muss der Versicherte letztlich 130 Euro für seinen Versicherungsschutz zahlen. Bei weiteren Sportarten ist eine BU-Versicherung hingegen deutlich schwieriger zu bekommen. Dazu gehören unter anderem: Gebäudeklettern Base-Jumping Heli-Bodyflying House-Running Burmesisches Boxen Ultimate Fighting Wrestling verschiedene Motorsportarten, vor allem wenn Rennen gefahren werden Galopprennreiten Vielseitigkeitsreiten Tauchen ab gewissen Tiefen Canyoning (außerhalb von Europa) Eine einheitliche Bewertung und Risikoeinstufung der Sportarten gibt es nicht. Jeder Versicherer entscheidet für sich, was er als risikoreich bewertet. Grundsätzlich ist das eine gute Nachricht: Wer bei einem Versicherer auf Ablehnung stößt, könnte bei einem anderen Anbieter Erfolg haben. Entscheidend ist zudem nicht nur die Sportart selbst, sondern auch die Art der Ausübung. Beispiel Tauchen. Hier ist das reine Sporttauchen im Urlaub in der Regel kein Problem. Kritischer blicken Versicherer hin, wenn bestimmte Tiefen überschritten werden. Versicherungsschutz trotz Risikosport? Auch wer einen risikoreichen Sport betreibt, kann häufig eine BU-Versicherung abschließen. In vielen Fällen erhebt der Versicherer jedoch einen Zuschlag. Alternativ sind auch Leistungsausschlüsse denkbar. Wer sich beispielsweise beim Klettern oder Tauchen verletzt, kann sich nicht auf Leistungen aus seiner BU-Versicherung berufen. Der Schutz für andere Unfälle oder Krankheiten bleibt aber erhalten. Nur bei besonders risikoreichen Sportarten ist es schwierig, überhaupt eine BU-Versicherung zu bekommen. Sie sollten auf jeden Fall mittels einer anonymen Voranfrage überprüfen, ob Versicherungsschutz möglich ist. Risikosportart verschweigen? Gut zu wissen: Experten empfehlen dringend, alle Fragen des Versicherers wahrheitsgemäß zu beantworten und kein Hobby zu verschweigen. Unwahre und unvollständige Antworten verletzen die sogenannte vorvertragliche Anzeigepflicht. Kommt es zum Leistungsfall, prüft der Versicherer die gemachten Angaben sehr genau. Falschangaben können dazu führen, dass die Versicherung nicht zahlen muss. Risikozuschläge wieder entfernen Wer eine BU-Versicherung abgeschlossen hat, für die ein Risikozuschlag erhoben wird, hat die Möglichkeit, diesen nachträglich zu streichen. Voraussetzung: Sie müssen dem Versicherer nachweisen, dass der Grund für den Zuschlag nicht mehr vorhanden ist. Wurde der Zuschlag für ein bestimmtes Hobby erhoben, das Sie mittlerweile nachweislich aufgegeben haben, haben Sie gute Chancen, dass der Zuschlag zukünftig entfällt. Fazit: Jung abschließen lohnt sich Die Versicherer bewerten Freizeitaktivitäten höchst unterschiedlich. Ein Vergleich lohnt sich darum. Und noch ein Tipp: Nach Abschluss der Versicherung kann zudem jedes Hobby begonnen werden - ohne damit Risikoaufschläge zu riskieren. Eine Pflicht zur Nachmeldung für Hobbys gibt es nicht – es sei denn, Sie möchten die Versicherungssumme nachträglich anpassen. Der Abschluss einer BU-Versicherung in jungen Jahren lohnt sich folglich.