Urteil nach Skandalspiel: Senegals Titel aberkannt, Marokko nun Afrika-Meister
Das Finale um den Afrika-Cup wird zwei Monate später am grünen Tisch entschieden: Senegal ist den Titel los, Marokko nun Afrika-Meister. Dabei hatte der Senegal zunächst Recht bekommen.
Eigentlich hatte Senegal das Endspiel um die Afrika-Meisterschaft im Januar mit 1:0 gewonnen – und danach den Sieg ausgiebig gefeiert. Doch nun wurde der Titel aberkannt. Knapp zwei Monate nach dem skandalösen Endspiel wurde der Titel überraschend dem Senegal zugesprochen. Das Berufungsgericht des Afrikanischen Fußball-Verbands CAF gab dem Einspruch Marokkos statt. Das Endspiel wird nun den Regularien entsprechend mit 3:0 für den Gastgeber gewertet. Senegal hatte die von Tumulten und Protesten begleitete Begegnung eigentlich nach Verlängerung gewonnen.
Anlass für den damaligen Eklat war unter anderem ein umstrittener Elfmeterpfiff zugunsten Marokkos kurz vor Ende der regulären Spielzeit gewesen. Das hatte zu einem Tumult geführt, Fans des Senegals hatten sogar versucht, den Platz zu stürmen.
Senegals Team verließ aus Protest fast geschlossen den Platz, kehrte erst nach einer Weile zurück. Marokko verschoss im Anschluss den Elfmeter, das Spiel ging in die Verlängerung. In der 94. Minute schoss Pape Gueye dann das Siegtor für den Senegal.
Berufungsgericht stellt sich gegen afrikanischen Verband
Das Gericht stellte sich damit gegen die Entscheidung des afrikanischen Verbands. Der hatte zunächst zwar zahlreiche Geldstrafen ausgesprochen, das Spielergebnis aber unangetastet gelassen. Das Berufungsgericht entschied nun, auf Grundlage von Artikel 82 der Regeln für den Afrika-Cup, dass das Team vom Senegal durch das Verlassen des Spielfeldes die Partie praktisch aufgegeben hatte. Das Spiel hätte gar nicht fortgesetzt werden dürfen.
Senegals Trainer Pape Thiaw hatte vom Verband lediglich eine Sperre über fünf Spiele und eine Geldstrafe über 100.000 US-Dollar aufgebrummt bekommen. Er hatte nämlich sein Team nach dem Elfmeterpfiff zum Verlassen des Platzes aufgefordert.
Den aberkannten Titel will Senegals nationaler Fußball-Verband nicht akzeptieren. Man werde nun vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen, wie Generalsekretär Abdoulaye Seydou Sow im staatlichen Rundfunk RTS ankündigte. „Wir werden vor nichts zurückschrecken", sagte er. „Das Recht ist auf unserer Seite.“ Die Entscheidung des Berufungsgerichts sei eine „Schande für Afrika“.
Skandal-Finale ging in die Geschichte ein
Das Finale in Rabat hatte als Skandalspiel weltweit Schlagzeilen gemacht: Nicht nur wegen der Tumulte am Schluss, sondern auch wegen des unsportlichen Verhaltens der Gastgeber. Mehrere Balljungen hatten bei strömendem Regen mehrfach versucht, Senegals Torwart Edouard Mendy dessen Handtuch zu klauen. Sogar der frühere Dortmunder Bundesliga-Profi Achraf Hakimi schnappte sich Mendys Handtuch und warf es über die Bande. Letztlich musste ein senegalesischer Ersatzspieler das Stück Stoff an sich nehmen und verteidigen.
Auch auf dem Platz ging es rund. Nachdem der Schiedsrichter in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit ein regelkonformes Tor für den Senegal aberkannte und dafür wenig später einen sehr fragwürdigen Elfmeter für Marokko pfiff, reichte es Pape Thiaw: Senegals Trainer zitierte seine Mannschaft aus Protest in die Kabine.
Sadio Mané schrie seine Mitspieler an
Nur wenige Spieler um Ex-Bayern-Profi Sadio Mané blieben auf dem Platz. Dann lief der Kapitän in die Kabine. „Er kam rein und schrie. Schrie uns an, auf den Platz zu gehen und das Spiel zu beenden“, berichtete Mittelfeldspieler Lamine Camara später. „Wenn Sadio redet, hört jeder zu. Wir haben auf ihn gehört und es lief gut für uns.“ Denn Marokkos Torjäger Brahim Díaz vergab vom Punkt – und so war das Spiel wieder offen.
Die hitzige Partie und das Chaos hatten Folgen. Der afrikanische Fußball-Verband verfügte im Nachhinein eine fünf-Spiele-Sperre und eine Geldstrafe über 100.000 US-Dollar für Trainer Pape Thiaw. Insgesamt wurde der senegalesische Verband wegen diverser Vergehen – darunter der versuchte Platzsturm senegalesischer Fans – zu 615.000 Dollar Strafe verurteilt. Zwei Spieler wurden gesperrt. Diese Strafen ließ das CAF-Berufungsgericht unangetastet.
Straferleichterung für Marokko
Marokko dagegen bekam nicht nur den Sieg zugesprochen, sondern auch Straferleichterungen. Ursprünglich war der Verband zu insgesamt 315.000 Dollar Strafe verurteilt worden, der Großteil davon für das unsportliche Verhalten der Balljungen. Diesen Betrag reduzierte das Berufungsgericht von 200.000 auf 50.000 Dollar. Die 100.000-Dollar-Strafe für Mittelfeldspieler Ismaël Saibari hob das Gericht ganz auf, seine Sperre wurde von drei auf zwei Partien verkürzt, davon eine auf Bewährung. Die Strafe über 15.000 Dollar für den Einsatz von Laserpointern durch marokkanische Fans reduzierte das Gericht auf 10.000 Dollar.
Bestehen blieben bloß die Geldstrafe für den Verband über 100.000 Dollar im Zusammenhang mit den Protesten gegen den Videoschiedsrichter – sowie die Zwei-Spiele-Sperre für Hakimi. Ein Spiel davon war schon vom afrikanischen Verband für ein Jahr auf Bewährung ausgesetzt gewesen.