2003 wirbelte Daniel Küblböck über die Bühne der Castingshow DSDS und polarisierte. 2018 verschwand er von einem Kreuzfahrtschiff, die Umstände sind bis heute ungeklärt. Küblböck schüttelt seine Haare, stampft mehrmals mit dem Fuß auf den Boden, streckt seine Hand in die Luft und dreht sich auf dem Laufsteg der DSDS-Bühne im Kreis. Der Rock, den er über einer Hose trägt, weht nach oben und schwingt mit der drehenden Bewegung. "I feel your heart beat next to mine", singt er den Song, geschrieben von Dieter Bohlen , ins Mikrofon. Nur wenige Sekunden später schallen ihm Buhrufe entgegen. Seine Lippen lächeln noch, der Blick ist leer. Die ARD-Dokumentation "Die Küblböck-Story – Eure Lana Kaiser" widmet sich noch einmal dem Leben des DSDS-Stars, lässt Wegbegleiter, Freundinnen und Freunde, Familie und prominente Stimmen wie Olivia Jones und Gracia Baur zu Wort kommen. Die Dokumentation zeichnet ein Bild davon, wer Küblböck und später Lana Kaiser war und welche Erfahrungen ihr Leben prägten. "Du bist nichts und du wirst auch nichts werden" Als Kind erlebte Küblböck Gewalt und Abwertung durch seine alkoholkranke Mutter. "Du bist nichts und du wirst auch nichts werden", soll sie wiederholt zu ihm gesagt haben. Als Jugendlicher zog er erst zu seinem Vater, später in ein betreutes Wohnheim. Mit 17 Jahren, noch minderjährig, nahm er an Dieter Bohlens Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" teil – und polarisierte. Die einen liebten ihn, die anderen schickten Küblböck Hassnachrichten. Das Ausmaß wurde klar, als Küblböck damals in der Fernsehshow "Stern TV" zu Gast war. Er saß gemeinsam mit Moderator Günther Jauch zwischen Kisten, prall gefüllt mit Fanpost. Jauch las ihm einige der Briefe vor. Darin entkräfteten Fans Beleidigungen, die der DSDS-Kandidat erfuhr, und drückten aus, wie sehr sie ihn schätzten. Medien bezeichneten ihn als "schrillen Paradiesvogel", Comedian Oliver Pocher zeichnete dieses Bild weiter: Vor einer DSDS-Show verkleidete er sich als Küblbock-Double und ging mit homophoben Äußerungen auf dessen Fans zu. Wie überwältigend die Teilnahme an der Castingshow war, bestätigt auch Gracia Baur in der Dokumentation. "Das war irre", sagt sie über ihre DSDS-Zeit, die Fans, die Reisen durch Deutschland. Baur war nicht nur Küblböcks Konkurrentin, sie wurde auch zur engen Vertrauten. Als sie aus der Show flog, brach Küblböck auf der Bühne zusammen. "Es gab kein Zurück mehr aus der Geschichte", sagt sein Vater, der später sein Manager wurde, in der Doku rückblickend über den rasanten Gewinn an Popularität. Doch die verschwand genauso schnell wieder: Sein zweites Album "Liebe Nation" im Jahr 2005 wurde zum Misserfolg, die Karriere blieb stecken. Ab 2011 lebte Küblböck für mehrere Monate im Jahr auf Mallorca . Er ließ sich von der Millionärin Kerstin Elisabeth Kaiser adoptieren und soll sie "Omi" genannt haben. Wenige Jahre später machte er seine Liebesbeziehung zu Robert Gasser öffentlich. "Ich habe niemanden mehr so lieben können, wie ich Daniel geliebt habe", sagt dieser in der Dokumentation. "Daniel wird immer ein Teil von mir sein." Das Paar war von 2014 bis 2017 liiert. "In Berlin ist alles krasser" Zudem entschied sich Küblböck 2015 für ein Schauspielstudium an der ETI Schauspielschule in Berlin , das er 2018, im Jahr seines Verschwindens, beendete. Laut Aussagen von Mitstudierenden soll er damals ein Alkoholproblem gehabt haben. Er sei etwa nach der Mittagspause betrunken zur Probe zurückgekommen, berichten Mitstudierende in einem Podcast. Er soll außerdem Stammgast in "Gittis Bierbar" gewesen sein. "Ich glaube, dass Berlin ihm nicht so gutgetan hat", sagt Olivia Jones, die sich selbst als enge Freundin Küblböcks bezeichnet, in der ARD-Doku. "In Berlin ist alles krasser. Berlin ist die Stadt, in der man am leichtesten unter die Räder kommt", sagt Jones und bestätigt ebenfalls, dass Küblböck zu dieser Zeit mehr Alkohol als sonst getrunken habe. "Ich möchte von dem Schiff hier runter" Kurz vor der Reise mit dem Kreuzfahrtschiff und seinem Verschwinden hat sich Küblböck bei Freunden und Freundinnen als trans geoutet und lebte unter dem Namen Lana Kaiser. Auch das bestätigt Olivia Jones. "Hallo, ich bin's, der Daniel, die Lana eigentlich", so beginnt auch die Sprachaufnahme, die offenbar die letzte Nachricht ist, die Kaiser vor ihrem Verschwinden verschickt hat. Sie sagt darin: "Ich möchte von dem Schiff hier runter." Was sich genau auf der "Aida Luna" am 9. September 2018 ereignet hat, ist bis heute ungeklärt. Zwar lieferten diverse Medien unterschiedliche Theorien zu ihrem Verschwinden, und Passagiere schilderten Begegnungen mit Lana Kaiser an Bord, doch sicher bekannt ist letztlich nur, dass sie seit dem 9. September 2018 verschollen ist und 2021 für tot erklärt wurde. Noch immer ist es für Freundin Gracia Baur unverständlich, warum Küblböck verschwand. "Was hat ihn bewegt, dass er so einen wahnsinnigen, schlimmen Schritt geht, so einen einsamen Schritt?", fragt sie in der ARD-Dokumentation mit Blick in die Kamera. "Mein Paradies gehört euch" Es ist eine Frage, auf die es keine Antwort gibt. Was aber sicher bleibt von Daniel Küblböck und Lana Kaiser, sind die ikonischen Momente, die der DSDS-Star seinen Fans bescherte: Das erste DSDS-Casting, bei dem er mit einer Gitarre vor die Jury mit Dieter Bohlen trat und sang – obwohl Instrumente dort verboten waren. Das Kreischen, als er im Dschungelcamp in einer Glaskiste voller Insekten lag. Das Angebot, das er Markus Lanz in dessen Talkshow eröffnete: Der Moderator dürfe gern für ihn arbeiten und Kaffee kochen. Der Blick ins Publikum, nachdem er auf der DSDS-Bühne ausgebuht worden war, und trotzdem sagte: "Mein Paradies gehört euch." Anmerkung der Redaktion: Daniel Küblbock lebte zuletzt als Lana Kaiser. Im Text werden beide Namen sowie männliche und weibliche Pronomen aufgeführt, da seine Person vor allem als Daniel Küblbock bekannt wurde, ihre trans Identität aber respektiert werden soll.