Nach seinem Traumstart in die Saison will Bayern im DFB-Pokal in Köln eine unglaubliche Negativserie beenden. Daran scheiterten aber schon Flick, Nagelsmann und Tuchel. Mit 13 Siegen in den ersten 13 Pflichtspielen schwebt der FC Bayern bislang förmlich durch die neue Saison. Mit Erfolg Nummer 14 könnten die Münchner nun eine neue Bestmarke in Europas Topligen setzen. Für den Rekordmeister geht es am Mittwoch (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei t-online) in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim 1. FC Köln aber vor allem um eines: den mittlerweile bereits fünf Jahre andauernden Pokalfluch zu brechen. Der bislang letzte Cup-Triumph gelang 2020 noch unter Sextuple-Trainer Hansi Flick . Seitdem erlebten die Bayern Jahr für Jahr dann aber eine Blamage nach der nächsten. In der Folgesaison scheiterte Flick mit seinem Team sensationell in der zweiten Runde gegen den Zweitligisten Holstein Kiel (7:8 n. E.). Ein Jahr später schied Bayern unter Chefcoach Julian Nagelsmann mit einer krachenden 0:5-Niederlage in Gladbach erneut in Runde zwei aus. Unmittelbar nach Nagelsmanns Entlassung vermasselte es dessen Nachfolger Thomas Tuchel im Frühjahr 2023 mit seinem Team beim Heimspiel im Viertelfinale gegen den SC Freiburg (1:2). Noch mehr blamierten sich die Tuchel-Bayern in der nächsten Saison mit dem sensationellen Aus in Runde zwei bei Drittligist Saarbrücken (1:2). Auch Kompany erfasste Bayerns Pokalfluch schon Und auch Bayerns aktuellem Chefcoach Vincent Kompany gelang es in seiner Debütsaison nicht, den Pokalfluch zu brechen. Nach einer Roten Karte für Kapitän Manuel Neuer und einer 0:1-Niederlage gegen Leverkusen schieden die Bayern im vergangenen Jahr im Achtelfinale aus. In dieser Saison tat sich seine Mannschaft beim knappen 3:2-Sieg in der ersten Pokalrunde bei Drittligist Wehen Wiesbaden ebenfalls ziemlich schwer. Nicht ohne Grund haben die Bayern-Bosse den Pokalgewinn in dieser Saison neben der Meisterschaft zum obersten Ziel erklärt. Nach den Enttäuschungen der vergangenen Jahre ist die Sehnsucht nach dem Erreichen der Hauptstadt, in der das DFB-Pokalfinale traditionell ausgetragen wird, riesig. Präsident Herbert Hainer sagte: "Wir wollen unbedingt wieder mal nach Berlin. Wir waren schon lange nicht mehr da." Auch Christoph Freund wurde am Dienstagvormittag bei der Pressekonferenz auf Bayerns mittlerweile fast schon unheimlichen Pokalfluch angesprochen. "Ob es die Sinne schärft, weiß ich nicht, aber der Hunger ist sehr, sehr groß", sagte Bayerns Sportdirektor. "Es ist ein Knockout-Spiel und alle haben den großen Wunsch, wieder nach Berlin zu kommen", so Freund weiter. "Wir wollen nach Berlin, wir wollen ins Finale" Dass die Erfolgserwartung dabei deutlich größer ist, als man das nach 13 Pflichtspielsiegen in Folge eigentlich erwarten könnte, ist auch Kompany bewusst. "Man spürt immer, dass der Pokal etwas Besonderes ist. Ich habe es immer lieber, wenn wir ein bisschen Druck haben", sagte Kompany. "Das hat bisher nie einen schlechten Impact auf die Leistung meiner Mannschaft gehabt." Der große Wunsch nach dem 21. Triumph des Rekordpokalsiegers sei nicht nur bei den Fans da, versicherte der Belgier, "sondern er wird auch bei uns gelebt". Kompany machte noch einmal unmissverständlich klar: "Wir wollen nach Berlin, wir wollen ins Finale." Der Trip nach Köln soll da nur eine Zwischenstation bleiben. Gleichzeitig ist Kompany aber bewusst, wie kompliziert die Aufgabe bei dem mit elf Punkten in acht Spielen gut in die Bundesliga-Saison gestarteten Aufsteiger ist. Kölns Stil stehe für schnelle Gegenstöße, die schon "vielen Mannschaften weh getan" hätten, betonte der 39-Jährige. Zuletzt bekam das Borussia Dortmund zu spüren, das sein Heimspiel gegen den FC am Samstag erst durch einen Treffer in der Nachspielzeit noch mit 1:0 knapp für sich entscheiden konnte. Bayern sollte also gewarnt sein. Besondere Rückkehr für Neuers Vertreter Hinzu kommt, dass die Bayern in Köln unter erschwerten Bedingungen antreten werden. Stammtorhüter Neuer fehlt nach seiner Roten Karte beim Achtelfinal-K.-o. gegen Leverkusen im vergangenen Jahr nämlich noch gesperrt. Für ihn wird Jonas Urbig nun ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein, von dem er zu Beginn des Jahres für sieben Millionen Euro nach München gewechselt ist, im Tor stehen. Dafür durfte er sich am Samstag beim 3:0-Sieg der Bayern in Gladbach extra schon mal ein wenig einspielen. Das Vertrauen der Bayern in den 22-Jährigen, der Neuer bereits im Frühjahr über mehrere Wochen und auch in den Achtel- sowie den Viertelfinalspielen der Champions League vertrat, ist aber ohnehin groß. Freund wähnt den potenziellen Neuer-Nachfolger auf einem "perfekten Weg, den er gerade geht". Weil Neuer damals verletzt ausfiel, habe Urbig unverhofft "sehr schnell viele Spiele gemacht", so Freund. "Er hat da schon gezeigt, dass er trotz seiner jungen Jahre auf sehr hohem Niveau ist." Der Torhüter habe "eine perfekte Plattform hier", könne viel vom erfahrenen Neuer sowie Ersatztorhüter Sven Ulreich lernen. Freunds Fazit: "Jonas machte eine sehr gute Entwicklung." Den nächsten Schritt dabei will Urbig nun ausgerechnet gegen seinen Heimatklub gehen. "Ich freue mich auf das Spiel, das ist doch klar", sagte Urbig der "Kölnischen Rundschau", "auch wenn ich jetzt nicht speziell auf den FC als Gegner gehofft habe." Dennoch sei die Rückkehr nach Köln "natürlich etwas Besonderes für mich". Wie alle seine neuen Teamkollegen verfolgt aber auch er dabei nur ein Ziel: Bayerns Pokalfluch endlich zu brechen.