Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen ziehen weiter an. Ein aktuelles Rating zeigt, welche Kassen sich dennoch stabile Beiträge leisten können. Mit einem Sparpaket will die Bundesregierung den durchschnittlichen Zusatzbeitrag für die gesetzlichen Krankenkassen stabil halten , doch eine Auswertung des Deutschen Finanz-Service Instituts (DFSI) zeigt: Schon jetzt liegt der Zusatzbeitrag im Schnitt bei 3,13 Prozent – deutlich über der politischen Leitplanke von 2,9 Prozent für 2026. Grund für die weiter steigenden Zusatzbeiträge ist die Entwicklung der Kosten und Einnahmen. Wie das "Handelsblatt" berichtet, stiegen die Leistungsausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im ersten Halbjahr 2025 um 7,9 Prozent. Schon im Vorjahr hatten sie um 8,2 Prozent auf 312,3 Milliarden Euro zugelegt. Weil die Einnahmen mit diesem Tempo nicht Schritt halten, zehren viele Krankenkassen ihre Rücklagen auf und erhöhen die Zusatzbeiträge. Besonders sichtbar wird der Druck bei den Reserven: Zum Ende des ersten Halbjahres 2025 summierten sie sich auf rund 4,6 Milliarden Euro. Das entspricht 0,16 Monatsausgaben und unterschreitet damit den gesetzlichen Mindestwert von 0,2. Um die Lücke zu schließen, haben nach Angaben des DFSI im Laufe des Jahres bereits 20 Kassen ihren Zusatzbeitrag angehoben. DFSI-Geschäftsführer Thomas Lemke führt die Dynamik darauf zurück, dass viele Häuser schon deutlich unter die vorgeschriebene Mindestreserve gerutscht waren. Zusatzbeitrag 2026: Das kommt auf gesetzlich Krankenversicherte zu GKV-Spitzenverband will klagen Der GKV-Spitzenverband mahnt deshalb kurzfristige Ausgabenbremsen an, insbesondere bei Arzneimitteln und in der vertragsärztlichen Versorgung, und fordert darüber hinaus Strukturreformen. Ein zentraler Streitpunkt sind sogenannte versicherungsfremde Leistungen, etwa die Finanzierung der Krankenversicherung für Bezieher von Bürgergeld. Zwar zahlt der Bund einen Zuschuss, unterm Strich verbleibt aber ein Defizit von rund zehn Milliarden Euro. Der Spitzenverband will deshalb klagen. Auch der Bundesrechnungshof schlägt Alarm: Nach seiner Einschätzung droht den gesetzlichen Kassen eine dauerhafte strukturelle Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben, die sich nicht mit kurzfristigen Mehreinnahmen schließen lässt und jährlich um sechs bis acht Milliarden Euro wächst. Die großen Kostentreiber sind klar benannt: 2024 verteuerten sich Arzneimittel um 9,7 Prozent auf etwa 53,7 Milliarden Euro, die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen stiegen um 8,3 Prozent auf 101,7 Milliarden Euro. Keine Krankenkasse mit "exzellent" bewertet Das DFSI hat ausgewertet, wie gut einzelne Kassen mit dieser angespannten Lage zurechtkommen. Die Analysten bewerteten Rücklagen, Liquidität und Zahlungsfähigkeit sowie die Entwicklung der Mitgliederzahlen. 37 von 72 angeschriebenen Kassen beantworteten den Fragebogen vollständig. Das Ergebnis unterstreicht die angespannte Lage: Keine Kasse erreichte die Bestnote "exzellent", im Vorjahr waren es noch drei. Unter den bundesweit geöffneten Krankenkassen liegt die TUI BKK vorn; sie erzielt 85,8 von 100 möglichen Punkten und punktet besonders mit Liquidität und Vermögen. Die hkk Krankenkasse überzeugt vor allem mit starkem Mitgliederwachstum, hoher Transparenz und spürbarer Beitragsstabilität. Ebenfalls sehr gut schneidet die BKK firmus ab, die mit einem Gesamtbeitrag von 16,78 Prozent derzeit zu den günstigsten bundesweit geöffneten Anbietern zählt. Über alle Gruppen hinweg kommen Betriebskrankenkassen im Schnitt besser weg. Laut DFSI spricht das für schlanke Strukturen und vergleichsweise geringe Verwaltungskosten. In der regionalen Spitze finden sich mit der BKK SBH , der BKK Public und der BKK Faber-Castell & Partner ebenfalls drei Betriebskrankenkassen mit der Note "sehr gut". Versicherte haben ein Sonderkündigungsrecht Für Versicherte bedeutet das: Weitere Beitragserhöhungen bleiben möglich, vor allem dort, wo Kassen die Mindestreserve zügig wieder auffüllen müssen. Wer eine Erhöhung erhält, ist dem jedoch nicht ausgeliefert. Bei einer Anhebung des Zusatzbeitrags greift das Sonderkündigungsrecht: Ab Zugang der Mitteilung bleiben Betroffenen zwei Kalendermonate Zeit, um zu einer anderen Krankenkasse zu wechseln . Ein Wechsel lohnt sich vor allem dann, wenn drei Punkte zusammenpassen: der Gesamtbeitrag aus allgemeinem Satz und Zusatzbeitrag, die für den eigenen Alltag relevanten Mehrleistungen – von Präventionskursen über Bonusprogramme bis zu digitalen Services – und eine nachweislich solide Finanzlage. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten zählt nicht nur der aktuelle Preis, sondern auch die Fähigkeit einer Kasse, die Beiträge stabil zu halten.