Wer aus einem Eigentümerhaushalt stammt, sollte eigentlich im Vorteil sein. Warum sich der Traum vom Eigentum immer seltener erfüllt, zeigt eine neue Studie. Viele Deutsche träumen vom Eigenheim. Doch während frühere Generationen diesen Traum noch verwirklichen konnten, rückt er heute für viele junge Menschen in weite Ferne. Dabei würde man annehmen: Wer aus einem Haushalt mit Wohneigentum kommt, hat bessere Chancen, selbst ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, zum Beispiel durch finanzielle Unterstützung der Eltern oder durch Erbschaften. Doch neue Daten zeigen einen überraschenden Trend: Kinder von Eigentümereltern leben heute immer häufiger zur Miete. Wie ist das möglich und was sagt das über Chancen und Gerechtigkeit in Deutschland aus? Immer weniger junge Menschen besitzen ein Eigenheim In vielen Ländern Europas – auch in Deutschland – lässt sich seit rund zwei Jahrzehnten ein klarer Trend beobachten: Immer weniger junge Erwachsene schaffen es, Wohneigentum zu erwerben. Besonders betroffen sind die Geburtsjahrgänge ab den 1980er-Jahren. Während ihre Eltern oftmals noch in den eigenen vier Wänden leben, wohnen viele ihrer Kinder zur Miete, trotz gleicher oder sogar besserer Bildungsabschlüsse. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt auf Basis von EU-SILC-Daten (Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen), dass sich die Eigentumsquote bei jungen Menschen in Deutschland seit Jahren rückläufig entwickelt. Der Immobilienbesitz konzentriert sich zunehmend auf ältere Generationen. Dieser Wandel hat Auswirkungen auf die Vermögensverteilung und die langfristige soziale Absicherung vieler Haushalte. Der Elternbonus beim Immobilienkauf verliert an Wirkung Noch in den 1950er-Jahren zeigte sich ein relativ stabiles Bild: Ein Drittel der damaligen Kindergeneration lebte später im Eigenheim – ebenso wie ihre Eltern zuvor. Diese Gruppe stellte den größten Anteil dar. Auch der Aufstieg ins Eigentum war möglich: Fast ein Viertel derjenigen, deren Eltern zur Miete wohnten, schaffte den Sprung in die eigenen vier Wände. Dieser Zusammenhang verändert sich jedoch spürbar. In den nachfolgenden Geburtskohorten verschieben sich die Verhältnisse, vor allem bei den Jüngeren. Heute ist es nicht mehr die Regel, Eigentum zu besitzen oder zu erben, sondern in eine Mietwohnung zu ziehen. Die vier Wege zwischen den Generationen Die Studie des DIW unterscheidet beim Wohneigentum vier typische Verläufe zwischen Eltern und ihren Kindern. 1. Eltern Eigentümer – Kinder Eigentümer: In den 1950er-Jahrgängen die häufigste Konstellation (33 Prozent). In der Generation 1985–1989 nur noch ca. 20 Prozent. Bedeutung nimmt deutlich ab: Immobilienbesitz bleibt seltener in der Familie. 2. Eltern Eigentümer – Kinder Mieter: Früher nur 14 Prozent – heute mit 37 Prozent die größte Gruppe. Zeigt: Selbst mit Hausbesitz der Eltern gelingt der Sprung ins eigene Eigentum immer seltener. 3. Eltern Mieter – Kinder Eigentümer: Früher für 24 Prozent ein sozialer Aufstieg. Heute gelingt das nur noch rund 8 Prozent – ein deutlicher Rückgang bei den Chancen auf Immobilienerwerb. 4. Eltern Mieter – Kinder Mieter: Anteil stieg leicht: von 29 auf 34 Prozent. Diese Konstellation bleibt vergleichsweise konstant – Miete bleibt Alltag. Selbst Kinder von Eigentümern bleiben häufiger Mieter Der Befund ist eindeutig: In Deutschland sinken die Chancen auf Wohneigentum sowohl für Kinder mit als auch ohne Eigentümereltern. Besonders auffällig ist, dass selbst Menschen aus Haushalten mit Wohneigentum diesen Status immer seltener erreichen. Gleichzeitig gelingt es auch immer weniger, den sozialen Aufstieg zu schaffen – also als erste Generation Eigentum zu erwerben, obwohl die Eltern zur Miete wohnten. Wohnungsbau im Stillstand: Warum ohne Kurswechsel alles noch schlimmer wird Eigenheim als Inflationsschutz: Wie sicher ist das Betongold wirklich? Die Folge: Der Zusammenhang zwischen elterlichem Wohneigentum und dem eigenen Besitz nimmt in Deutschland zwar ab – aber nicht, weil die Chancen für alle steigen, sondern weil sie für fast alle sinken. Das gilt sowohl für West- als auch für Ostdeutschland. EU-Vergleich: Herkunft entscheidet über Eigentum Und noch etwas fällt besonders auf: Im europäischen Vergleich liegt Deutschland beim Zusammenhang zwischen elterlichem und eigenem Wohneigentum weit vorn. Laut DIW ist die Wahrscheinlichkeit, eine eigene Immobilie zu besitzen, im Durchschnitt um 21 Prozent höher, wenn die Eltern bereits Eigentum hatten. Nur in vier Ländern – Finnland , Belgien , Italien und Irland – ist dieser Wert noch etwas höher. Grund: In anderen Ländern spielt der familiäre Hintergrund eine geringere Rolle. Der Zugang zu Wohneigentum ist dort oft breiter gestreut, etwa durch niedrigere Eigenkapitalanforderungen, spezielle Förderprogramme für Erstkäufer oder geringere Kaufnebenkosten. In einigen Ländern ist es zudem gesellschaftlich akzeptierter, langfristig zur Miete zu wohnen. Das entlastet junge Menschen vom Erwartungsdruck, Eigentum erwerben zu müssen, und verringert die Abhängigkeit vom Elternhaus. Die nächste Generation fällt zurück Fazit: Junge Menschen wohnen heute deutlich seltener im Eigentum als ihre Eltern. Selbst mit elterlichem Besitz im Rücken schaffen viele den Kauf der eigenen vier Wände nicht. Und wer aus einem Mieterhaushalt kommt, hat es ohnehin schwer. Der Wohnstatus der Eltern wirkt zwar noch, aber Besitz schützt immer weniger vor Mietverhältnissen in der nächsten Generation. Das wirft Fragen nach Generationengerechtigkeit und sozialem Aufstieg auf. Ein Grund dafür sind nach Ansicht der Studienautoren die hohen Einstiegshürden: Während Deutschland lange als Mieterland mit günstigen Preisen galt, haben sich die Mieten stark verteuert – teils stärker als die Kaufpreise. Hinzu kommt ein hoher Eigenkapitalbedarf durch strenge Kreditvergaben. Ohne familiäre Hilfe müssen viele Menschen jahrelang sparen, sofern sie überhaupt jemals Eigentum erwerben können. Ohne Strategie bleibt Wohnen eine Frage des Geldbeutels Die Studienautoren geben zu bedenken, dass es nicht ausreicht, Wohneigentum mit einzelnen staatlichen Förderprogrammen zu unterstützen. Denn davon profitieren meist Menschen, die sich eine Immobilie auch ohne Zuschüsse leisten könnten. Menschen mit geringem Einkommen oder ohne Vermögen bleiben weiterhin ausgeschlossen und verpassen damit die Chance auf Vermögensbildung und Sicherheit. Was laut DIW fehlt, ist ein durchdachtes Konzept für bezahlbaren Wohnraum. Es braucht mehr als bloße Kaufanreize: ausreichender Wohnraum in Städten und ländlichen Regionen, faire Mietpreise und Finanzierungsmöglichkeiten, die auch für Normalverdienende realistisch sind. Denn Wohnen ist mehr als ein Markt. Es ist die Grundlage für ein sicheres Leben. Und die sollte nicht vom Kontostand der Eltern abhängen.