Anleger ziehen sich zurück, Kurse brechen ein – vor allem bei den Börsenstars der KI-Rally. Ist das nur ein Rücksetzer oder der Beginn einer größeren Korrektur? Lange Zeit zeigte die Börse Stärke: Seit dem sogenannten Zoll-Crash im April 2025 ging es mit den Kursen stetig bergauf. Vor allem die US-Indizes S&P 500 und Nasdaq legten eine anhaltende Aufwärtsbewegung hin. Doch zuletzt kippte die Stimmung. Die schwindende Hoffnung auf baldige Zinssenkungen belastet die US-Aktienmärkte. Schon zum Wochenschluss gab es Verluste, und auch die neue Woche startete mit roten Vorzeichen. Der anhaltende Verkaufsdruck im US-Technologiesektor griff auf Asien und den Dax über. "Der Technologiesektor lässt weiter die vermeintlich heiße Luft ab, die Bären haben für den Moment die Kontrolle auf dem Börsenparkett übernommen", analysierte Jürgen Molnar von RoboMarkets. Droht jetzt ein echter Bärenmarkt, also ein länger anhaltender Rückgang um mehr als 20 Prozent – oder bietet die Schwächephase eine Gelegenheit für mutige Anleger? Hoffnung auf Zinssenkung schwindet Aussagen von Vertretern der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) haben Zweifel daran aufkommen lassen, dass es im Dezember tatsächlich eine weitere Zinssenkung geben wird. Die Wahrscheinlichkeit für eine Lockerung um 25 Basispunkte wird an den Finanzmärkten nur noch mit etwa 50 Prozent eingeschätzt – vor einer Woche lag sie noch bei rund 70 Prozent. Zuletzt hatte die Fed im September und Oktober 2025 den Leitzins jeweils um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Aktuell liegt das Zinsband bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Statt Rekorden nur Verluste: Kippt die Stimmung an den Märkten? Besonders Technologiewerte gerieten unter Druck – erneut. Grund ist die Sorge, dass viele sogenannte KI-Aktien (also Unternehmen, die stark vom Trend der Künstlichen Intelligenz profitieren) überbewertet sind. "Die Leute haben die Überbewertung erkannt, sie ist schon eine Weile da, aber jetzt handeln sie endlich entsprechend", sagte Joe Saluzzi, Mitbegründer von Themis Trading. Einzelne Titel wie Applied Materials verloren über sieben Prozent. Der US-Chipausrüster leidet unter Exportbeschränkungen nach China und erwartet für 2026 sinkende Investitionen chinesischer Hersteller in Chipanlagen. Auch andere Branchengrößen wie Nvidia, Broadcom , Intel und AMD gerieten unter Druck. Asiens Märkte folgen den USA Die Schwäche an der Wall Street zog die asiatischen Börsen mit nach unten. Am Dienstag rutschten die Kurse in Asien auf breiter Front ab. Anleger warteten auf wichtige US-Wirtschaftsdaten, die sich wegen eines Regierungsstillstands verzögerten. Gleichzeitig sanken die Erwartungen an eine Zinssenkung der Fed. In Tokio verlor der Nikkei-Index 2,6 Prozent und fiel auf 49.033 Punkte. Der breiter gefasste Topix gab um 2,0 Prozent nach. Auch die Börse in Shanghai verzeichnete Verluste: Der Leitindex fiel um 0,6 Prozent, der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen um 0,2 Prozent. Ein Blick auf die Zinsen verrät es: So gesund ist die Weltwirtschaft Im Fokus steht derzeit ein Treffen zwischen Japans neuer Ministerpräsidentin Sanae Takaichi und Notenbankchef Kazuo Ueda. Während Ueda bereits eine mögliche Zinserhöhung andeutete, plädierten Takaichi und ihre Finanzministerin Satsuki Katayama dafür, die Zinsen niedrig zu halten, bis die Inflation dauerhaft das Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank erreicht. Nervöse Märkte vor wichtigen Daten Besonders gespannt blicken Anleger auf den US-Arbeitsmarktbericht für September, der am Donnerstag erwartet wird, sowie auf die Quartalszahlen von Nvidia am Mittwoch. "Die Aktienmärkte haben vor den US-Arbeitsmarktdaten und wichtigen Unternehmensergebnissen eine vorsichtig defensive Haltung eingenommen", erklärte Besa Deda, Chefökonomin der Beratungsfirma William Buck in Sydney . Aktien bei deutschen Anlegern immer beliebter Trotz der globalen Börsenturbulenzen erfreuen sich Wertpapiere als private Altersvorsorge immer größerer Beliebtheit in Deutschland. Laut einer Studie der HDI Versicherung bewerten rund 30 Prozent der Berufstätigen Wertpapiere positiv – ein Anstieg um 50 Prozent gegenüber 2020. Als Hauptgrund nannten viele Befragte die Aussicht auf höhere Erträge: Über die Hälfte erwartet bessere Renditen als bei klassischen Zinsanlagen wie Sparbüchern oder Tagesgeld. Gleichzeitig empfindet mehr als ein Drittel Aktien weiterhin als zu riskant. Typisch ist: In guten Börsenjahren steigen viele Anleger ein, bei schlechten Märkten ziehen sich viele zurück. Dieser "Herdentrieb" verstärkt oft bestehende Trends – und führt dazu, dass viele Privatanleger zu spät kaufen oder zu früh verkaufen. Zwischen Euphorie und Angst Aktuell dominieren eher die Sorgen: Die technische Lage an den Märkten gilt als angespannt, die Schwankungsbreite (Volatilität) ist hoch, und der sogenannte Gier-Angst-Index zeigt "Extreme Fear" – ein Indikator für starke Verunsicherung an den Märkten. Noch ist unklar, ob es sich nur um eine gesunde Korrektur handelt oder ob aus der Schwächephase ein sogenannter Bärenmarkt wird. Solange wichtige Unterstützungsmarken halten, ist die Hoffnung auf eine Fortsetzung der KI-Rally nicht ganz verloren. Fazit: Harter Test für neue Aktionäre Der Markt steht an einem kritischen Punkt. Ob es sich lohnt, jetzt einzusteigen, hängt von Risikobereitschaft, Anlagehorizont und Marktverlauf ab. Fest steht: Viele neue Aktionäre, die erst in den vergangenen zwei Jahren zur Börse kamen, erleben nun ihre erste echte Schwächephase. Es bleibt abzuwarten, ob sie dem Markt treu bleiben – oder ob die nächste Krise eine neue Verkaufswelle auslöst.