Der Angreifer steht aktuell in den Negativschlagzeilen. Seine sportliche Entwicklung könnte nun einen verheerenden Verlauf nehmen, warnt Stefan Effenberg. Ein anderer DFB-Profi verblüfft den t-online-Kolumnisten. Was für ein Spiel. Was für ein Sieg. Was für eine Erleichterung. Für die Nationalspieler, für den Bundestrainer, für die Fans, für ganz Fußballdeutschland. 6:0 im entscheidenden Spiel der WM-Qualifikation gegen die Slowakei . Da ist nach dem Schlusspfiff am Montagabend in Leipzig eine Last von den Schultern der DFB-Elf gefallen, denn natürlich stand die Mannschaft unter enormem Druck. Es ging schließlich um die direkte Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko, den Gang über die Playoffs wollte man unbedingt verhindern. Das haben Julian Nagelsmann und seine Spieler geschafft, und wie. Mit einer beeindruckenden Reaktion haben sie das Länderspieljahr 2025 abgeschlossen. Ein besseres Ende hätte es nicht geben können. Denn man darf nicht vergessen: Es lief zuvor längst nicht alles optimal. Da gab es die Auftaktniederlage gegen eine damals ganz anders auftretende Slowakei – erinnern Sie sich? Das 0:2 im September war die erste deutsche Auswärtsniederlage in der WM-Quali überhaupt. Und da gab es die erste Halbzeit im Spiel gegen Luxemburg erst vor wenigen Tagen. Nun aber dieser Kantersieg im Rückspiel gegen die Slowakei, den so kaum jemand erwartet hat. Das war beeindruckend, das war völlig verdient und auch in der Höhe angemessen. Ich sage: Das war vielleicht sogar das Beste, das ich von der deutschen Mannschaft unter Nagelsmann bisher gesehen habe. Von Anfang an kam kein Zweifel auf, wer dieses Spiel dominiert, wer dieses Spiel gewinnt. Ich bin sicher, dass man aus dem Luxemburg-Spiel vom Freitag und der harten, aber gerechten Kritik eine große Motivation gezogen hat. Ganz wichtig dabei war auch, dass Führungsspieler wie Kapitän Joshua Kimmich und Nico Schlotterbeck vorangegangen sind. Diese beiden geben der ganzen Mannschaft Stabilität und Sicherheit, und das war gegen die Slowakei offensichtlich. Ich bin mir sicher, dass Nagelsmann das erkannt hat Ich muss aber auch warnen: Ja, wir haben uns mit einem berauschenden Fußballfest für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Aber durch dieses eine Spiel sind wir noch längst nicht plötzlich wieder ein Favorit auf den WM-Titel – noch nicht. Dazu waren die Auftritte in den vergangenen Monaten einfach zu wackelig, zu wechselhaft. Trotzdem wurde durch das 6:0 auch mental Wichtiges geschafft: Das zuvor vielleicht etwas angeknackste Selbstvertrauen ist wieder ein Stück weit zurück, die DFB-Elf ist nun in der sehr angenehmen Situation, statt in die Zusatzrunde nun nur noch in Vorbereitungsspiele im kommenden Jahr gehen zu können. Bundestrainer Julian Nagelsmann muss nun aber auch erkannt haben: Schluss mit den Experimenten. Diese Mannschaft scheint sich in dieser Formation gefunden zu haben, vor allem in der Defensive. Dort passt das Duo aus Jonathan Tah und Schlotterbeck ganz offensichtlich sehr gut zusammen, links hat sich David Raum durchgesetzt, auf rechts sowieso Joshua Kimmich, der bei deutschem Ballbesitz dann auch ins Mittelfeldzentrum vorrückt, wo auch Leon Goretzka , Aleksandar Pavlović oder Felix Nmecha spielen können. Und vorn hat sich nach heutigem Stand Nick Woltemade zweifelsfrei durchgesetzt – dabei war die Position im Angriff vor einer Weile noch die große Baustelle. Zudem kommt irgendwann auch noch Jamal Musiala zurück, der der Elf noch zusätzliche individuelle Klasse verleihen wird. Im Tor muss die Diskussion um eine Rückkehr von Manuel Neuer nun endgültig erledigt sein, vor allem im Sinne von Oliver Baumann , der dort aktuell ein sehr sicherer Rückhalt ist. Und dann ist da auch die Aufstellung, an der Nagelsmann in der Vorbereitung im kommenden Jahr festhalten sollte. Es gibt keinen Grund, dann noch große Versuche zu starten oder hier und da etwas auszuprobieren, Neulinge einzuladen, mal kurz reinzuschnuppern oder zurückzuspringen auf die Dreierkette in der Abwehr – nein, das wäre fatal. Diese Mannschaft funktioniert in dieser Konstellation und muss sich jetzt noch weiter einspielen. Woltemade ist der deutsche Stürmer Nummer eins Woltemades Entwicklung ist übrigens wirklich bemerkenswert. Was für einen rasanten Weg er genommen hat: Aus einem starken halben Jahr beim VfB Stuttgart für 75 Millionen Euro in die Premier League zu Newcastle United , wo er auch direkt überzeugt – und man muss es deutlich sagen: Im DFB-Trikot hat er Deutschland mit seinen Toren gerettet. Woltemade ist aktuell unbestritten der deutsche Stürmer Nummer eins. Er ist nicht nur eine Bereicherung, er ist absoluter Stammspieler. Auf dem Platz hat er längst gezeigt, dass er den Unterschied machen kann. Abseits davon wirkt er bodenständig und klar. Ich erinnere mich immer wieder gerne daran: Woltemade wurde erst im Juni das erste Mal für die A-Nationalmannschaft nominiert, stand im Nations-League-Final-Four auf dem Platz – nur, um dann wenige Tage später zur U21 zurückzukehren und die komplette EM zu spielen. Warum? Weil er den Weg mit der U21 "zuendegehen" wollte, wie er sagte. Das hat mir enorm imponiert und zeigt seinen Charakter. Die Frage ist also nicht "Wer spielt bei der WM im Sturm der deutschen Mannschaft?", sondern: "Wer wird Backup für Nick Woltemade?" Und da hat Nagelsmann dann mit Tim Kleindienst , Niclas Füllkrug oder auch Kai Havertz , wenn alle drei wieder fit sind, gute Alternativen. Bei Adeyemi sind jetzt Dortmund und der DFB gefragt Allerdings gibt es auch zwei große Verlierer dieser WM-Qualifikation. Pascal Groß von Borussia Dortmund ist aus der Rotation gefallen, wurde von Nagelsmann zuletzt auch nicht mehr nominiert. Und auch für einen BVB-Teamkollegen von ihm wird es nun sehr, sehr eng werden in der Nationalmannschaft – und das nicht zuallererst aus sportlichen Gründen: Denn die Strafe wegen illegalen Waffenbesitzes kann für Karim Adeyemi sowohl beim DFB als auch in Dortmund langfristig noch Folgen haben, auch wenn sich weder Verband noch Verein bisher zu möglichen Strafen geäußert haben. Ich sage nur so viel: Ich wurde ab 1994 für ein weitaus harmloses Vergehen vier Jahre lang nicht mehr nominiert. Ihm droht ein dramatischer Absturz. Dabei war er zu Saisonbeginn ja eigentlich auf einem guten Weg, war wettbewerbsübergreifend in den ersten sieben Spielen an sechs Toren beteiligt, spielte konstant stark, überzeugte im Angriff des BVB . Seitdem kam aber nichts mehr, kein weiterer Treffer, keine weitere Vorlage für Dortmund – und in der Nationalmannschaft vergab er wiederholt beste Chancen. Er sollte sich mal Gedanken machen, warum das so ist. Und solche privaten Geschichten dazu tun ihm weder sportlich noch persönlich gut, im Gegenteil. Adeyemi ist jetzt 23 Jahre alt, unbestritten hochtalentiert, mit unfassbarem Potenzial – aber er läuft Gefahr, seine Karriere wegzuwerfen, wenn er nicht zu sich kommt und endlich begreift, was wirklich wichtig ist. Gerade deshalb sind nun sowohl Dortmund als auch der DFB verpflichtet, sein Umfeld gründlichst zu durchleuchten und ihn wieder in die Spur zu bringen. Ich bin mir sicher, dass er dort die richtigen Ratschläge bekommt, damit seine Laufbahn eben nicht vor die Hunde geht. Denn das wäre tragisch. Haaland hat endlich sein Highlight Ein Blick noch über Deutschland hinaus: Tragisch wäre es auch gewesen, hätte die WM ohne einen absoluten Superstar stattgefunden – aber Erling Haaland und Norwegen haben die Qualifikation locker geschafft und sind 2026 dabei. 4:1 zum Abschluss in Italien, das dagegen in die Playoffs muss – das freut mich für Norwegen und besonders für Haaland. Eine WM-Teilnahme ist nun mal ein absolutes Karriere-Highlight für jeden Spieler, und es wäre sehr schade gewesen, wenn ihm dieser Höhepunkt verwehrt geblieben wäre. 48 Teams werden bei der WM im kommenden Jahr dabei sein, darunter Neulinge wie Usbekistan, Jordanien und Kap Verde. Ich finde es gut, dass auch kleinere Länder mal die Möglichkeit bekommen, sich bei einer WM zu präsentieren. Aber mit 48 Teilnehmern ist für mich auch endgültig eine Grenze erreicht, bevor auch die Qualität der Spiele drastisch leidet unter Mannschaften, die einfach nicht mithalten können. Im besten Fall aber gibt es ein neues Marokko – das beim Turnier 2022 in Katar mit erfrischendem Fußball überraschte und bis ins Halbfinale einzog. Gerade solche Geschichten machen jede Weltmeisterschaft aus und schaffen bleibende Erinnerungen. Für die Spieler, für die betreffenden Länder und für uns Fans.