Die ARD hat sich in einer dreiteiligen Dokumentation Jérôme Boateng gewidmet. Der Zuschauer wird jedoch enttäuscht. Jérôme Boateng stand zehn Jahre lang für den FC Bayern auf dem Platz und hat mit dem deutschen Rekordmeister zahlreiche Titel gewonnen. Auch mit der deutschen Nationalmannschaft war der 37-Jährige erfolgreich. Die dreiteilige ARD-Doku "Being Jérôme Boateng" befasst sich mit dem früheren Verteidiger und erzählt chronologisch seine Karriere nach. In der letzten Folge geht die dreiteilige Dokumentation auch auf das turbulente Privatleben des gebürtigen Berliners ein. Doch genau da liegt das Problem: Der Zuschauer hat sich erhofft, ein deutlicheres Bild von den vergangenen Jahren des Ex-Fußballers zu bekommen. Von den Gewaltvorwürfen seiner Ex-Freundin, den Gerichtsverfahren, dem Tod seiner früheren Lebensgefährtin Kasia Lenhardt . Diese Hoffnung wird allerdings nicht erfüllt – im Gegenteil. Der Zuschauer bleibt mit mehr Fragen zurück, als ihm beantwortet werden: Kein Gewinn für niemanden. Boateng äußert sich zwar zu Lenhardt und erklärt zu seinem Interview damals in der "Bild"-Zeitung, in dem er Lenhardt an den Pranger stellte, dass dies "ein Fehler" war. Er geht jedoch nicht genauer darauf ein. Zudem sagt er: "Mir war das wichtig zu sagen, dass sie ein ganz toller Mensch war und eine große Rolle in meinem Leben einnimmt." Die Frage drängt sich auf: Warum hat Boateng dann damals so ausführlich mit der Boulevard-Zeitung gesprochen? Warum hat er dann Lenhardt öffentlich angegriffen? Antworten darauf bleiben aus. Das ist enttäuschend. Es geht nur um das Sportliche Boateng beklagt, dass er in Lenhardt einen geliebten Menschen verloren habe, ihm aber das Recht zur Trauer abgesprochen werde. Er beantwortet aber nicht, wie es in ihm aussah oder momentan aussieht. Er gibt keinerlei Details über sein Gefühlsleben preis. Alles, was man erfährt, ist: Er sei immer noch dabei, ihren Tod zu verarbeiten. Hier hätten die Macher kritischer nachfragen oder aber eine andere Perspektive zeigen müssen. Boatengs Mutter oder sein Bruder Kevin-Prince hätten sicher eine andere Sicht auf dieses Kapitel liefern können. Auch vom Umfeld Kasia Lenhardts kommt niemand zu Wort. Einzig sein Vater redet am Anfang der Doku. Aber da geht es nur um das Sportliche. Alles Private, was im Fall Boateng wichtig gewesen wäre: Fehlanzeige. Das, was man wissen möchte, erfährt man nicht Am Ende stellt sich die Frage, warum sich die ARD Boateng für diese Doku ausgesucht hat. Das, worüber man bei dem Ex-Fußballer mehr wissen möchte, erfährt man nicht. Vielleicht wäre ein Dreiteiler über die Karriere eines Toni Kroos , Mats Hummels oder eines anderen 2014er-Weltmeister-Kollegen interessanter gewesen. "Being Jérôme Boateng" bietet keinen Mehrwert, liefert keine neuen Erkenntnisse oder Einsichten, erst recht keine Antworten. Erste Kritiken fallen dementsprechend desaströs aus. Natürlich wird über die Dokumentation gesprochen – aber sicher nicht so, wie es sich die Macher und der Protagonist dieser Doku vorgestellt haben. Das Ziel der Serie, eine umfassende Perspektive zu bieten, wurde verfehlt. Die Personen, die zu Wort kommen, wie Creatorin Gizem Çelik, Ex-Spielerfrau Cathy Hummels oder Anwalt Alexander Stevens sind allesamt auch nur Zaungäste des Lebens von Jérôme Boateng. Mit dabei, aber nicht mittendrin. Und so geht es dem Zuschauer wohl auch. Nach den 136 Minuten ist er nicht schlauer als zuvor. Es fühlt sich an wie ein langweiliges 0:0.