Timo Recker kommt aus einer Fleischerei-Familie, prägt aber heute den Markt für pflanzliche Alternativen. Jetzt geht seine Firma einen neuen Weg. Tindle hat seine Marke im europäischen Einzelhandel aufgegeben und zieht seine Produkte bis Jahresende aus den Regalen zurück. Betroffen sind demnach die Listungen bei Edeka, Netto Markendiscount sowie Coop Schweiz. Der Gründer Timo Recker begründet den Schritt gegenüber der Lebensmittelzeitung mit der starken Konkurrenz: "Es gibt Rügenwalder, es gibt Like – wie viele weitere Marken braucht es da noch?" Laut Lebensmittelzeitung dominiert Rügenwalder den deutschen Markt für Fleischersatz mit einem Umsatz-Marktanteil von 35,8 Prozent, gefolgt von Livekindly (Like Meat) mit 6,2 Prozent. Tindle selbst taucht in den Top Ten nicht auf. Mehrere Großstädte : Victoria's Secret kommt nach Deutschland Bienen besonders fleißig: Imker ernten Rekordwert Das Hähnchenersatz-Startup will sich künftig ausschließlich auf die Produktion für Handelsmarken konzentrieren. Insbesondere im Discount gebe es noch Chancen für günstigere Eigenmarken, sagte Recker. Das Unternehmen verhandelt demnach aktuell mit deutschen Ketten über neue Produkte für deren Sortimente. Der Schritt ist Teil eines deutlichen Kurswechsels: Das Unternehmen mit Sitz in Singapur streicht zudem jede zweite Stelle und verlegt die Produktion nach China . Zuvor wurde der Chicken-Ersatz in den Niederlanden hergestellt. Gründer mit Erfahrung aus der Fleischbranche Der Gründer von Tindle heißt Timo Recker. Der 39-Jährige stammt aus einer niedersächsischen Familie, die jahrzehntelang einen Fleischbetrieb führte. Wie "Gründerszene" berichtete, entschied er sich jedoch gegen die Nachfolge und gründete 2013 das Startup Like Meat, das vegane Hähnchen- und Gyrosprodukte herstellte. Das Unternehmen erwirtschaftete zuletzt rund 20 Millionen Euro Umsatz, bevor Recker es 2020 an Livekindly verkaufte. Mit dem Erlös ging er nach Singapur und baute dort Tindle auf. Dort sah er laut Gründerszene mehr Marktpotenzial und weniger Wettbewerb im Bereich pflanzlicher Alternativen. Schon in der frühen Phase sammelte sein neues Unternehmen mehr als 120 Millionen Euro ein, unter anderem vom singapurischen Staatsfonds Temasek. Verkauf des US-Geschäfts geplant Teil der Neuausrichtung soll auch der Abschied vom US-Markt werden. Nach Angaben von Recker erwirtschaftet das Unternehmen dort zwar die Hälfte seines Umsatzes, sieht aber in Europa größere Zukunftschancen. Gespräche über einen Verkauf befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium, sagte Recker. Mit dem Rückzug aus dem Markengeschäft und dem Abbau von rund der Hälfte der aktuell mehr als 30 Stellen will Tindle Kosten reduzieren. Recker betonte gegenüber der Lebensmittelzeitung, das Unternehmen sei liquide und verfüge noch über ausreichend Kapitalbasis. Doch: "Aktuell sammelt die Branche kein Kapital ein – da geht gar nichts", so Recker. Angaben zu Umsatz oder Gewinn machte er nicht. Für seine Produkte setzt Tindle eine eigens entwickelte TrueCut-Technologie ein, berichtete "Vegconomist". Diese soll pflanzliche Proteine so verarbeiten, dass eine faserige Struktur entsteht, die Hähnchenfleisch ähnelt. Bestandteile wie Sojaprotein, Sheaöl und die Chlorella-Alge sollen laut dem Fachmagazin eine möglichst natürliche Textur ermöglichen – der Hersteller hebt die Zutatenliste als überschaubar hervor.