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FPÖ warnt vor EU-Chatkontrolle: Alarmglocken für die digitale Privatsphäre

Die geplante EU-Chatkontrolle sorgt in Österreich für scharfe Kritik. Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) sieht in der Initiative der EU-Kommission nicht nur einen Eingriff in die Privatsphäre, sondern einen potenziell dauerhaften Bruch der Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger. Offiziell begründet Brüssel das Vorhaben mit dem Schutz von Kindern und der Bekämpfung sexuellen Missbrauchs. In der Praxis aber droht, so die FPÖ, ein Instrument der flächendeckenden Überwachung, das weit über das ursprüngliche Ziel hinausgeht.

Zentraler Bestandteil des Gesetzes ist die Möglichkeit für Anbieter digitaler Kommunikationsdienste, sogenannte "freiwillige Risikominderungsmaßnahmen" einzuführen. Diese Maßnahmen würden Messaging-Dienste wie WhatsApp oder Signal dazu zwingen, private Chats auf missbräuchliche Inhalte zu prüfen, noch bevor diese Ende-zu-Ende verschlüsselt werden. 

Digitalrechtsexperte bezeichnen diese Technik als "signifikante Schwächung der Verschlüsselung und Vertrauensgrundlage digitaler Kommunikation". Ein einmal installiertes clientseitiges Scanning eröffne Angriffsflächen für Hacker und ermögliche staatlichen Zugriff auf private Nachrichten.

Die FPÖ sieht in der geplanten Chatkontrolle ein grundsätzliches Problem: Sie gefährdet das Verhältnis von Staat und Bürger in einem der sensibelsten Bereiche der persönlichen Freiheit.

Petra Steger, EU-Abgeordnete der FPÖ, spricht von einem "Generalangriff auf Grund- und Freiheitsrechte". Steger betont, dass selbst die als freiwillig deklarierten Maßnahmen faktisch einer Verpflichtung gleichkämen, da Anbieter immense regulatorische und rechtliche Risiken tragen würden, falls sie die Prüfungen nicht implementierten.

Mehrere Mitgliedstaaten wie Deutschland, Polen und die Niederlande äußern Bedenken gegenüber Brüssel. Sie sehen die Gefahr, dass das Gesetz als Präzedenzfall für weitere Überwachungsgesetze dienen könnte. Dagegen setzen Länder wie Dänemark, Frankreich und Spanien auf eine langfristige Umsetzung der "freiwilligen" Scans. Die Spannungen zeigen, wie umstritten das Thema selbst unter EU-Demokratien ist, die traditionell hohen Datenschutzwerten verpflichtet sind.

Neben den politischen Aspekten warnen Experten vor technischen Risiken. Das Scannen würde die Verschlüsselung unterlaufen und neue Sicherheitslücken öffnen. Fehler im Algorithmus könnten harmlose Nutzer unter Verdacht bringen, ohne dass ein tatsächlicher Missbrauch vorliegt.

Die FPÖ betont, dass es nicht um den Schutz krimineller Inhalte geht, sondern um die Wahrung der Privatsphäre. Effektiver Kinderschutz sei auch ohne flächendeckende digitale Kontrolle möglich. Internationale Erfahrungen zeigen, dass gezielte Ermittlungen und Kooperationen zwischen Behörden und Plattformen deutlich wirksamer und rechtlich unbedenklicher sind.

Zudem sieht die FPÖ die Gefahr eines schleichenden Ausbaus. Auch wenn derzeit nur freiwillige Scans vorgesehen sind, könnten künftige Evaluierungen oder Artikel-85-Klauseln eine verpflichtende Überwachung nach sich ziehen. Für die Partei ist klar: Jede Erweiterung solcher Befugnisse bedroht die digitale Freiheit aller EU-Bürger. Die Debatte richtet sich daher nicht nur an Brüssel, sondern an die gesamte Öffentlichkeit.

Die FPÖ versteht sich als Stimme der Bürgerrechte und schlägt Alarm, bevor flächendeckende Eingriffe Realität werden. Für Österreich und andere Mitgliedstaaten stellt sich die Frage, wie viel Kontrolle sie Brüssel überlassen wollen. Die FPÖ macht deutlich, dass jede Überwachung privater Kommunikation die Grenzen legitimer Sicherheitsinteressen überschreitet.

Mehr zum Thema ‒ Sonneborn zum "Digital Services Act": Von der Leyen zerschlägt Grundrechte und streut Desinformation

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