Bayerns Torwart agiert gegen Arsenal unglücklich – t-online-Kolumnist Stefan Effenberg nimmt den 39-Jährigen aber in Schutz. Und sieht eine Gefahr für den deutschen Rekordmeister. Es muss klar gesagt werden: Dieses 1:3 des FC Bayern beim FC Arsenal war auch in der Höhe eine völlig verdiente Niederlage. Aber wenn es eine positive Erkenntnis aus diesem Mittwochabend in London gibt, dann die, dass sowohl Trainer Vincent Kompany als auch seine Spieler diesen Umstand nach der Partie deutlich angesprochen haben. Denn sie werden auch erkannt haben: Trotz hochkarätiger Gegner im bisherigen Saisonverlauf – Chelsea und PSG in der Champions League, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen in der Bundesliga – war das die bisher schwerste Prüfung. Zuletzt waren die Bayern schon in der Liga beim 2:2 bei Union Berlin und in der Anfangsphase beim 6:2 gegen den SC Freiburg ein wenig ins Straucheln geraten. Nun gab es die erste Niederlage gegen den bis jetzt ultimativen Gegner 2025/26. Aber: Es ist dadurch nichts kaputtgegangen. Die Bayern haben mit Sporting, Union St. Gilloise und der PSV Eindhoven in den letzten drei Spielen mehr als machbare Aufgaben – das muss für die direkte Qualifikation zur nächsten Runde reichen. Da hatte Neuer Glück Im Mittelpunkt stand in London aber einer, der einen unglücklichen Abend erwischt hat: Manuel Neuer . In der Entstehung des 0:1 gab es vor dem Eckball durchaus Gerangel um ihn im Bayern-Strafraum, nicht wenige wollten da sogar ein Foul an Neuer erkannt haben – aber wer weiß, dass in der Champions League meist eine härtere Gangart an der Tagesordnung ist, darf sich nicht wundern, dass die Szene nicht geahndet wurde. Normalerweise löst er diese Situation aber natürlich ohne Probleme, das weiß er auch selbst. Und beim dritten Gegentor, als er in seiner typischen Art weit aus dem Tor herauslief, den Ball aber nicht vor Gabriel Martinelli in der eigenen Hälfte klären konnte? Das ist das Risiko, das er gefühlt schon hundertfach in seiner großen Karriere erfolgreich eingegangen ist – und wofür er ebenfalls schon gefühlt hundertfach gefeiert wurde. Neuers Dilemma dabei war: Er hätte es niemals allen recht machen können. Er kam aus dem Tor, und es heißt: "Wieso kommt er da raus?" Wäre er im Tor geblieben, hätte es geheißen: "Wieso bleibt er im Tor?" Am Ende hat er nun zweimal nicht gut ausgesehen – und hatte vor dem 1:3 auch Glück, dass er Martinelli nicht auch noch berührt hat. Das hätte eine Rote Karte und damit noch viel schlimmere Folgen für die Bayern bedeutet. Neuer sollte nun aber auf keinen Fall plötzlich – nach schon vielen starken Spielen in dieser Saison – infrage gestellt werden. Vor Wochen noch wurde er schon öffentlich mit einem DFB-Comeback in Verbindung gebracht, und nun soll er plötzlich für die Bayern zu alt sein? Das passt nicht zusammen, und das ist auch unfair ihm gegenüber. Dazu ist ein anderes Problem der Bayern auffällig geworden – in einer bis hierhin fast perfekten Saison vielleicht wirklich die eine Schwäche: die Verteidigung von Standards. Da sind sie verwundbar. Das 0:1 durch Arsenals Jurrien Timber entstand aus einem Eckball, ebenso die beiden Tore des SC Freiburg beim 6:2-Sieg der Bayern am vergangenen Bundesliga-Spieltag und insgesamt fünf der bisher acht Gegentreffer in der Liga. Das weiß eine Mannschaft wie Arsenal natürlich – und nutzt das gnadenlos aus. Da zeichnet sich ein Muster ab bei den Bayern, das sie angreifbar macht – und sie noch teuer zu stehen kommen könnte. So kannst du bei Arsenal nicht bestehen Ja, der zwischenzeitliche Ausgleich durch Lennart Karl war genial herausgespielt: Joshua Kimmichs Querpass auf Serge Gnabry , dann dessen Hereingabe auf den durchstartenden Karl – das war richtig gut. Mit seinen 17 Jahren hat er sich in so einem physischen Spiel gegen den Tabellenführer aus England sehr gut behauptet und das Vertrauen von Kompany einmal mehr gerechtfertigt. Bundestrainer Julian Nagelsmann wird in dieser Form im kommenden Jahr nicht an Karl vorbeikommen. Aber: Mit Karls Tor war es das auch weitestgehend mit den Offensivbemühungen der Bayern. Das war zu harmlos, das war einfach nicht zwingend genug. Insgesamt hatten sie nur acht Abschlüsse, standen bis kurz vor Schluss sogar nur bei deren fünf – das wäre der niedrigste Wert seit 2015 gewesen. Das geht in so einem Spiel natürlich nicht – und ist auch nicht gut genug für die Ansprüche der Münchner. So kannst du bei einem Topklub wie Arsenal nicht bestehen. Ganz wichtig ist deshalb jetzt: Kompany und seine Spieler müssen aus diesem 1:3 und den Unzulänglichkeiten der vergangenen Spiele ihre Lehren ziehen – denn die Gegner werden ab der nächsten Runde nicht einfacher, im Gegenteil. Bis März, April kommenden Jahres, wenn es endgültig in die entscheidende Phase der "Königsklasse" geht, müssen sie die angesprochenen Schwachstellen unbedingt beheben, sonst werden sie erneut so bestraft wie nun von Arsenal. Und dann wäre wirklich etwas kaputtgegangen. Das ist eine Hausnummer Bestraft wurde schon am Dienstag im Signal Iduna Park – denn der klare 4:0-Sieg von Borussia Dortmund gegen den FC Villarreal war voll überzeugend. Das war so eine Partie, in der du als Spieler direkt weißt: Das läuft heute. Der BVB hat aktuell schließlich auch das Selbstvertrauen, gegen eine unbequeme Mannschaft wie Villarreal von Beginn an selbstbewusst aufzutreten und die eigenen Stärken voll auszuspielen. Außer beim 1:4 gegen Manchester City haben die Dortmunder in jedem Champions-League-Spiel diese Saison vier Tore geschossen – das ist eine Hausnummer und Beleg für die neue Stabilität des BVB. Es kann gar nicht hoch genug gelobt werden, was Trainer Niko Kovač seit Amtsantritt bewirkt hat. In den kommenden drei Spielen warten Bodö/Glimt, Tottenham Hotspur und Inter Mailand – da ist direkt ein Sieg gegen die Norweger Pflicht, um die nächste Runde zu erreichen. In der Bundesliga und im DFB-Pokal warten auf Dortmund nun innerhalb weniger Tage zwei Topspiele gegen Bayer Leverkusen. Und da geht es um einiges: Der Sieger kann in der Liga schon jetzt einen Schritt Richtung erneute Champions-League-Qualifikation machen – und der Gewinner des Aufeinandertreffens im Pokal wäre automatisch ein Mitfavorit für Berlin. Frankfurt macht mir Sorgen Ein Mitfavorit in der Champions League ist Manchester City, aber die Startelf von City-Trainer Pep Guardiola im Spiel gegen Leverkusen hat mich verblüfft. Stellen Sie sich mal vor, Bayern-Trainer Kompany hätte gegen Arsenal auf Harry Kane , Joshua Kimmich , Jonathan Tah und Manuel Neuer verzichtet. Genau das hat Guardiola getan. Gegen Leverkusen saßen Erling Haaland , Phil Foden, Rúben Dias oder Gianluigi Donnarumma nur auf der Bank – nicht aus Verletzungsgründen, sondern nur, weil sie mal eine schöpferische Pause bekommen sollten. Das kannst du auf diesem Level nicht machen, auch nicht als Manchester City, auch nicht gegen Leverkusen. Und die "Werkself" hat diese Startaufstellung ganz offensichtlich motiviert, es den Gastgebern mal zu zeigen. Mit diesem 2:0-Sieg haben sie einen Riesensprung in der Tabelle gemacht – und haben nun noch Newcastle United , Olympiakos und Villarreal vor der Brust. Wenn sie in dieser Form weiterspielen, könnte es für die Elf von Kasper Hjulmand sogar auch noch zur direkten Qualifikation für die nächste Runde reichen. Sie hätten es sich verdient. Eintracht Frankfurt macht mir dagegen langsam wirklich Sorgen. Gegen Atalanta Bergamo kassierte die Eintracht die nächste Klatsche. 0:3 hieß es am Mittwochabend , zuvor gab es schon 1:5-Abreibungen gegen Atlético Madrid und den FC Liverpool. 14 Gegentore insgesamt nach fünf Spielen – da wird es ganz schwer mit der nächsten Runde. Frankfurt schafft es aktuell einfach nicht, in ein Spiel auch mal Sicherheit zu bekommen – siehe in der Bundesliga: Statt eine 4:1-Führung beim 1. FC Köln am letzten Wochenende routiniert zu verwalten, musste beim 4:3 am Ende doch noch mal gezittert werden. Frankfurt ist in dieser Form weit von einem Topteam entfernt. Sie bieten viel Spektakel – aber gehen dabei auch viel zu viel Risiko ein. Da will man bei 4:1 noch das fünfte und sechste Tor erzielen, auf Kosten der Stabilität. Am nächsten Champions-League-Spieltag wartet der FC Barcelona auf die Mannschaft von Trainer Dino Toppmöller. Dann droht die nächste Abreibung.